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Was die AfD in Sachsen-Anhalt so erfolgreich macht

7. September 2026

Das AfD-Rekordergebnis bei der Landtagswahl hat viele Gründe: der gelungene Wahlkampf, der unbeliebte Bundeskanzler und Zugewinne unter Nichtwählern. Eine Analyse.

Deutschland Magdeburg 2026 | Landtagswahl Sachsen-Anhalt | AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund
AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund steht mit einem Mikrofon vor einem blauen Hintergrung und deutet mit dem Finger in die Höhe, im Vordergrund ist unscharf eine Deutschlandflagge zu sehen.Bild: Matthias Schrader/AP Photo/picture alliance

Die aggressiven Kampagnen gegen Geflüchtete und Migranten sind der Markenkern der Alternative für Deutschland (AfD). Wahlentscheidend scheinen sie bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt jedoch nicht gewesen zu sein. Das zeigen die Auswertungen von Wählerbefragungen, die das Meinungsforschungsinstitut infratest dimap am Wahlsonntag durchgeführt hat.

Das Thema Zuwanderung spielte demnach sogar nur eine untergeordnete Rolle für die Wahlentscheidung der Menschen. Viel entscheidender waren offenbar Themen wie soziale Sicherheit, Frieden in Europa und die Wirtschaftspolitik. Selbst unter AfD-Wählern nimmt die Zuwanderung keinen Spitzenplatz ein. Sachsen-Anhalt gehört zu den Bundesländern mit dem niedrigsten Ausländeranteil in Deutschland: Die Ausländerquote von rund neun Prozent liegt deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von rund 15 Prozent.

Sachsen-Anhalt ist zudem eines der wirtschaftlich schwächsten Bundesländer Deutschlands, mit vergleichsweise niedrigen Löhnen und einem Mangel an hochqualifizierten Arbeitsplätzen. Die Region leidet seit Jahrzehnten unter der Abwanderung qualifizierter Fachkräfte.

Bemerkenswert ist, dass die in Sachsen-Anhalt als gesichert rechtsextrem eingestufte AfD den konkurrierenden Christdemokraten des amtierenden Ministerpräsidenten Sven Schulze auf allen Politikfeldern den Rang abgelaufen hat. Bei der Kriminalitätsbekämpfung oder in der Asylpolitik trauen ihr doppelt so viele Menschen wie der CDU zu, erfolgreich zu sein. Selbst in der Wirtschaftspolitik, einem klassischen Kernthema der CDU, liegt die AfD vorne.

Wahlumfrage: AfD näher an den Menschen

Der AfD scheint es derzeit zudem zu  gelingen, zu vielen Menschen eine besondere Nähe herzustellen. 67 Prozent der befragten Wählerinnen und Wähler sagen in einer Befragung von infrastest dimap, die Partei habe besser als andere verstanden, dass sich die Menschen in Sachsen-Anhalt nicht mehr sicher fühlten. Mehr als die Hälfte der Befragten denkt zudem, dass die AfD näher an den Sorgen der Bürger sei als andere Parteien.

Viele Menschen fühlen sich von der AfD offenbar nicht nur verstanden, sondern trauen ihr auch am ehesten zu, die Probleme des Landes zu lösen. Auf die Frage, welche Partei derzeit die besten Antworten auf die Herausforderungen der Zukunft hat, nannten besonders häufig junge Menschen die AfD. Aber auch unter den älteren Wählern liegt sie bei dieser Frage vorne.

Desaströs fällt dagegen das Ergebnis für die Regierungsparteien im Kabinett von Bundeskanzler Friedrich Merz aus. Unter den jungen Wählern trauen gerade einmal fünf Prozent den Christdemokraten und nur drei Prozent den Sozialdemokraten zu, die besten Antworten auf Zukunftsfragen zu finden. Ein vernichtendes Urteil.

Denkzettel für Bundeskanzler Merz

Viele Menschen in Sachsen-Anhalt wollten bei dieser Landtagswahl offenbar auch der Bundesregierung einen Denkzettel verpassen: 59 Prozent der Befragten sagten, diese habe einen solchen verdient. Den Ärger bekamen vor allem die Christdemokraten als große Wahlverlierer zu spüren: 58 Prozent der Befragten erklärten, dass sie sich über die Partei des Kanzlers am meisten geärgert hätten.

Daher überrascht es kaum, dass Friedrich Merz von seinem CDU-Landesverband nur sehr begrenzt als Unterstützung angefordert wurde. Viele Menschen im Land sind mit seiner Arbeit unzufrieden - sein Ansehen befindet sich auf einem historischen Tiefstand. In einem Ranking zur Zufriedenheit mit führenden Politikern liegt er weit abgeschlagen hinter den Parteivorsitzenden der AfD und der mitregierenden Sozialdemokraten.

Erfolgreich in allen Altersgruppen - die AfD und ihr Spitzenkandidat Ulrich SiegmundBild: Henning Goll/DW

Die AfD hat insgesamt in allen Bevölkerungsgruppen deutlich hinzugewonnen, besonders jedoch unter Arbeitern und Selbstständigen. Fast zwei Drittel der Arbeiter haben sie gewählt, ebenso mehr als jeder zweite Selbstständige.

Auch wenn die Partei bei Männern und Frauen gleichermaßen zulegen konnte, bleibt ihre Wählerschaft deutlich männlich geprägt. Von den männlichen Wählern erhielt sie 52 Prozent der Stimmen, von den Wählerinnen dagegen nur 32 Prozent. Dennoch ist sie auch unter Frauen die stärkste Partei.

Entscheidend für den Wahlerfolg dürfte schließlich gewesen sein, dass die AfD besonders viele Nichtwähler mobilisieren konnte. Aus keinem anderen Lager gewann sie mehr Stimmen hinzu. Die Partei profitierte damit stärker als jede andere von der hohen Wahlbeteiligung von knapp 78 Prozent.