Saudi-Arabien und VAE: Spitzt sich die Rivalität am Golf zu?
4. Dezember 2025
Der Bürgerkrieg im Sudan wirft seinen Schatten auf die Arabische Halbinsel. Dort drohen sich die diplomatischen Beziehungen zwischen Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) zu verschlechtern, weil die beiden arabischen Staaten im Sudan unterschiedliche Parteien unterstützen.
Der Konflikt im Sudan zwischen Regierungstruppen und den paramilitärischen "Schnellen Eingreiftruppen" (RSF) gilt als größte humanitäre Krise der Welt mit bis zu 18 Millionen Vertriebenen. Neben der sudanesischen Regierung beschuldigen auch internationale Organisationen und Saudi-Arabien die Vereinigten Arabischen Emirate, die RSF zu unterstützen und auszurüsten.
Bei seinem Besuch in Washington Mitte November soll der saudi-arabische Kronprinz Mohammed bin Salman US-Präsident Donald Trump aufgefordert haben, Abu Dhabi unter Druck zu setzen, seine Unterstützung für die RSF aufzugeben. Saudi-Arabien selbst unterstützte zu Beginn des Krieges noch die offiziellen Regierungstruppen. Inzwischen sind sie dazu übergegangen, zwischen den Kriegsparteien zu vermitteln.
Auf das Hilfegesuch der Saudis an Trump ist VAE-Präsident Scheich Mohammed bin Zayed Al Nahyan bisher nicht öffentlich eingegangen. Stattdessen bekräftigte er, dass die VAE nicht in den laufenden Krieg im Sudan verwickelt seien.
"Was sich hier abspielt, ist die natürliche Entwicklung einer sehr engen Partnerschaft zwischen zwei zunehmend selbstbewussten Regionalmächten", sagte Kristian Alexander, Senior Fellow beim Think Tank Rabdan Security and Defense Institute in Abu Dhabi, der DW. Seiner Ansicht nach verfolgen beide Länder ehrgeizige nationale Transformationspläne und verfügen über erhebliche strategische Autonomie. "Dies führt gelegentlich zu sichtbaren Differenzen in der Politik", sagt Alexander.
Historische Bindungen zwischen Saudis und VAE
Als Mohammed bin Salman (MbS) 2015 im Alter von 29 Jahren Verteidigungsminister Saudi-Arabiens wurde, standen die Vereinigten Arabischen Emirate de facto bereits unter der Führung des 54-jährigen Mohammed bin Zayed Al Nahyan (MbZ). "MbZ sah in MbS die Möglichkeit, eine neue, strategische Allianz zwischen Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten zu schmieden", sagte Cinzia Bianco, Gulf Research Fellow beim European Council on Foreign Relations, der DW.
Mit dem 2015 verstorbenen saudischen König Abdallah habe Zayed Al Nahyan kaum Standpunkte geteilt, so Bianco. Daher habe MbZ MbS auf seinem Weg zum saudi-arabischen Kronprinzen und de facto Staatsoberhaupt im Jahr 2018 unterstützt: "Wenn man eine so starke und enge Beziehung aufbaut, ist es normal, dass selbst kleine Unterschiede groß erscheinen können."
Seit 2018 hat Bianco mehrere Fälle beobachtet, in denen Divergenzen aufflammten: "Aber immer, wenn die Situation zu kippen drohte, haben beide Seiten hart dafür gearbeitet, dass daraus keine ausgewachsene Krise entstand."
Gegensätzliche Positionen zu Jemen und Ölförderung
Als beispielsweise 2018 Kronprinz Mohammed bin Salman nach der Ermordung des saudischen Kritikers Jamal Khashoggi im saudischen Konsulat in Istanbul weltweit in die Kritik geriet, habe der Prinz die volle Unterstützung der Vereinigten Arabischen Emirate erwartet: "Aber die Emirate zögerten, MbS in dieser Situation zu unterstützen, weil sie befürchteten, dass auch ihr Ruf Schaden nehmen würde."
Als weiteres Beispiel nennt Bianco die Situation im Jemen. Im Jahr 2015, ein Jahr nachdem die vom Iran unterstützten Huthi-Miliz die damalige Hauptstadt Sanaa eingenommen und die Regierung gestürzt hatten, intervenierte Saudi-Arabien. Mit einer Koalition aus neun Ländern, darunter die Vereinigten Arabischen Emirate, versuchten sie, die frühere Regierung des Jemen wieder einzusetzen. "Die Emirate folgten jedoch nicht blindlings den Saudis, sondern verfolgten ihre eigene Agenda", so Bianco. "Auch wenn das bedeutete, dass einige ihrer Aktionen die saudische Agenda untergraben würden."
Vor allem haben die VAE begonnen, den "Südlichen Übergangsrat" zu unterstützen, der eine Abspaltung des Südens vom Rest des Jemen anstrebt, den die Huthis kontrollieren. Saudi-Arabien zieht jedoch einen geeinten Jemen vor und hat signalisiert, dass es nicht mehr gänzlich dagegen ist, dass die Huthis den Jemen regieren.
Einen weiteren Disput lieferten sich die beiden OPEC-Mitglieder im Jahr 2021, als die VAE ihre Ölproduktion ausweiten wollten und sich deshalb gegen den Vorstoß Saudi-Arabiens stellten, die Ölförderung innerhalb der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) zu drosseln.
"Die Meinungsverschiedenheiten waren kurz, wurden im Dialog beigelegt und schließlich im Rahmen der weiteren gemeinsamen Marktverwaltung gelöst", erinnert sich Rabdan-Experte Kristian Alexander. Seitdem haben beide Länder wiederholt bei bedeutenden Produktionskürzungen zusammengearbeitet. Dies zeuge davon, dass in der Energiepolitik Kooperation immer noch wichtiger sei als Rivalität.
Nationale Strategien als Hauptantrieb
Darüber hinaus haben sowohl Riad als auch Abu Dhabi strategische Agenden eingeführt, um ihre Länder auf eine Zukunft nach der Erdöl-Förderung vorzubereiten, indem sie in Technologie investieren, um sie zu KI-Zentren zu machen. Saudi-Arabien kündigte im April 2016 seine "Vision 2030" zur wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Erneuerung an, die Emirate stellten im November 2022 "UAE 2031" vor.
"Der wirtschaftliche Wettbewerb ist zwar ziemlich hart, aber keine dieser Spannungen wird eines der beiden Länder in eine Konfrontation treiben. Beide wissen, dass die Region dafür zu instabil ist und sie die Dinge vom gleichen Standpunkt aus betrachten müssen", sagte Michael Stephens, leitender Berater für Sicherheit im Nahen Osten am Royal United Services Institute in London, der DW.
Bianco vom ECFR stimmt dem zu: "Aus geopolitischer Sicht macht es für beide keinen Sinn, aus ihren Differenzen eine Krise zu machen, denn sie müssen sich zusammenschließen, um anderen Akteuren wie dem Iran und zunehmend auch Israel gegenüberzutreten."
Während die VAE im Jahr 2020 ein von den USA vermitteltes Normalisierungsabkommen mit Israel unterzeichnet haben, hat Saudi-Arabien diese Verhandlungen nach dem Terrorangriff auf Israel am 7. Oktober 2023 und dem anschließenden zweijährigen Krieg im Gazastreifen abgebrochen.
"Die VAE wollen nicht aus diesem Abkommen aussteigen. Am liebsten wäre ihnen, die Dinge wären so einfach wie früher und sie könnten in aller Ruhe zu einer Art Normalität zurückkehren", sagte Stephens.
Trotz des Drucks, den die USA auf Riad ausüben, um die Beziehungen zu Israel zu normalisieren, will Saudi-Arabien nicht an den Verhandlungstisch zurückkehren, solange Israel eine Zweistaatenlösung mit den Palästinensern ausschließt, so Stephens. Doch genau dies tut Israels Premierminister Benjamin Netanjahu.
Aus dem Englischen von Jan D. Walter