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Film

"Superheldin" Scarlett Johansson verklagt Disney

Christine Lehnen
30. Juli 2021

Die Schauspielerin wirft dem Konzern Vertragsbruch vor. Dabei geht es um mehr als ihren neuen Film "Black Widow" - es geht um die Zukunft des Kino.

Ein Screenshot aus dem Film "Black Widow" zeigt Johansson in der Rolle der titelgebenden Schwarzen Witwe mit rotem langen Haar und schwarzem Kampfanzug.
Als "Black Widow" kämpft Scarlett Johansson seit 2010 im Marvel-Universum, 2021 erstmalig in einem Solo-FilmBild: Marvel Studios/Disney/AP/picture alliance

Einem breiten Publikum ist Scarlett Johansson längst bekannt: Der Durchbruch gelang ihr 2003 unter der Regie von Sofia Coppola mit "Lost in Translation", seit 2010 mimt sie die Superheldin "Black Widow" in den Blockbustern des Marvel-Universums, zuletzt machte sie in dem Netflix-Drama "Marriage Story" von sich reden. Nun hat die US-amerikanische-dänische Schauspielerin Klage gegen den Walt Disney-Konzern eingereicht.

In dem Streit zwischen dem Hollywoodstar und einem der größten Medienkonzerne der Welt geht es um den Film "Black Widow" der australischen Regisseurin Cate Shortland. Er erzählt die Vorgeschichte der Marvel-Superheldin Natasha Romanoff alias "Schwarze Witwe" und startete im Juli 2021 unter Pandemiebedingungen in US-amerikanischen Kinos. Auch in Deutschland lief der Film an. Scarlett spielt die Hauptrolle in "Black Widow", der zum Kinostart ebenso auf Disneys hauseigener Streamingplattform "Disney+" erschien. Dieser zeitgleiche Start habe gegen Vertragsabsprachen verstoßen, machen Johansson und ihre Anwälte in der Klageschrift geltend. Man habe ihr bei Vertragsabschluss zugesagt, es würde eine exklusive Filmveröffentlichung auf der Leinwand geben. Ihr Gehalt orientiere sich an den Kinoeinnahmen.

Disney erhebt moralische Vorwürfe gegen Schauspielerin

Der Disneykonzern weist das zurück und macht Johansson sogar moralische Vorwürfe: Disney bezeichnet die Klage als unbegründet und zudem als "ausgesprochen traurig und bedauerlich". Sie sei geradezu "herzlos" angesichts der weltweiten Auswirkungen der Coronapandemie. Der Konzern meint, den Vertrag eingehalten zu haben.

Heldenhaft oder herzlos? Ob Disney Scarlett Johansson um eine höhere Gage prellte, entscheidet nun ein GerichtBild: Marvel Studios-Disney/AP/picture alliance

Scharfe Worte, die das weltweite Medienkonglomerat da wählt, das sich selbst oft genug für unmoralisches Verhalten kritisieren lassen muss - zum Beispiel in der Kontroverse um die Neuverfilmung des Zeichentrickklassikers "Mulan", bei der dem Konzern Anbiederung an das kommunistische Regime Chinas vorgeworfen wurde, das die Kunstfreiheit unterdrücktund zuletzt in Hong Kong möglicherweise eine Ausstrahlung der Oscars verhinderte. Johansson und ihre Anwälte vermuten in ihrer Anklageschrift, der Konzern habe den Film zeitgleich im Kino und auf der eigenen Plattform veröffentlicht, um einen größeren Anteil der Einnahmen für sich behalten zu können und die Zahl der eigenen Abonnenten zu erhöhen.

Zukunft des Films: Kino oder Streaming?

Diese Klage ist ein weiterer Ausdruck einer andauernden Auseinandersetzung darüber, wie, wo und von wem Filme in Zukunft finanziert, produziert, vertrieben und geschaut werden werden. So könnte sie auch als ein Einsatz für Kinos weltweit verstanden werden, die unter der Coronapandemie besonders gelitten hatten und monatelang geschlossen bleiben mussten. In Deutschland sind Kinos seit diesem Sommer unter Auflagen wieder geöffnet, in den Vereinigten Staaten teilweise schon seit Frühjahr.

Woody Allens Muse: Johansson spielte in "Match Point", "Scoop" und "Vicky Cristina Barcelon"Bild: Laurent Emmanuel/AP Photo/picture alliance

"Black Widow", mit einer weiblichen Hauptrolle und einer weiblichen Regisseurin an der Spitze, sorgte an seinem Eröffnungswochenende für 80 Millionen Dollar Umsatz in Nordamerika und 78 Millionen Dollar weltweit - der bisherige Pandemierekord. Danach nahmen die Einnahmen im Kino aber stark ab. Das macht ihn weniger lukrativ als andere Blockbuster. Disney ergänzt, der Film hätte weitere 60 Millionen Dollar auf "Disney+" eingespielt.

Verschobene Blockbuster, leere Kinokassen

Die Kinos leiden nicht nur unter den pandemiebedingten Schließungen, sondern auch unter den Verschiebungen der Filmstarts: "Black Widow" war zuletzt aufgrund des Lockdowns um ein Jahr verschoben worden. Der neue James Bond-Film "Keine Zeit zu sterben" ist bereits seit Jahren abgedreht, aber immer noch nicht erschienen. Und in Großbritannien wurde zuletzt der Film "The Green Knight", der in den USA und Deutschland bereits startete, wieder einmal verschoben. Die Studios und Filmverleiher fürchten um ihren Ruf: Sie wollen nicht riskieren, als Pandemietreiber zu gelten. Streamen könne man einen Film auch Zuhause, so die Logik. Der Disney-Konzern musste während der Pandemie selbst große Einbußen hinnehmen.

Streamingdienste - in aller Regel Eigentum US-amerikanischer Firmen - und Kinobetreiber befinden sich seit einigen Jahren in einem Konkurrenzkampf: Dies äußerte sich zum Beispiel auch in der Entscheidung des Filmfestivals in Cannes, zukünftig nur noch Filme zum Wettbewerb zuzulassen, die in Frankreich zuerst im Kino erschienen sind.

Johansson und Disney werden nun vor Gericht über die Möglichkeit und Höhe etwaiger Entschädigungen verhandeln. 

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