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Vincent Keymer ist in Europa spitze

Holger Hank
5. September 2021

Überraschung in Reykjavik: Bei der Schach-Europameisterschaft hat der gerade einmal 16 Jahre alte Vincent Keymer den zweiten Platz belegt.

Reykjavik Schach-EM | Vincent Keymer
Erfolgreich in Island: der deutsche Nachwuchsstar Vincent Keymer landet bei der Schach-EM ganz obenBild: Thorsteinn Magnusson/Reykjavik Open 2021

Für den angehenden Abiturienten aus Saulheim bei Mainz ist der Erfolg in der isländischen Hauptstadt ein weiterer Zwischenschritt in Richtung Weltspitze. Mit 8,5 Punkten aus elf Partien ist Vincent Keymer zusammen mit dem punktgleichen Russen Anton Demtschenko in der EM-Endabrechung ganz vorne gelandet. Aufgrund einer besseren Zweitwertung ging der Europameister-Titel zwar an den Russen, aber Keymer ließ in Reykjavik 30 höher eingestufte Schach-Profis hinter sich. Er qualifizierte sich damit souverän für den Weltcup 2023, bei dem er auf die besten Spieler der Welt treffen wird. Zudem konnte er sich über das bisher höchste Preisgeld seiner Karriere freuen: 17.500 Euro bringt der Schüler aus Island mit nach Hause.

Angriffslustig und abgeklärt

Dabei hatte das Turnier für Keymer zunächst gar nicht vielversprechend begonnen: In den ersten Partien tat sich der Teenager noch schwer, verlor in der dritten Runde sogar sang- und klanglos mit den weißen Figuren gegen den starken Russen Alexey Sarana. Doch der immer abgeklärt wirkende 16-Jährige ließ sich von dieser Niederlage nicht aus der Ruhe bringen. In der Folge setzte er fast in jeder Partie seine hochklassigen Gegner unter Druck und sammelte Punkt für Punkt. Als er in einer spannenden Partie sogar den tschechischen Weltklassespieler David Navara niederrang, war endgültig klar, wie gut der junge Großmeister aus Rheinland-Pfalz in Form ist.

2019 hat Vincent Keymer noch gegen Weltmeister Magnus Carlsen (links im Bild) verlorenBild: GRENKE Chess Classic/Georgios Souleidis

Mit diesem Ergebnis bei der Europameisterschaft hat Vincent Keymer einmal mehr bestätigt, dass er das größte deutsche Schachtalent seit 50 Jahren ist. Schon mit zehn Jahren besiegte er den ersten Großmeister, mit 14 Jahren erreichte er selbst den Titel. Seine erste Partie gegen Weltmeister Magnus Carlsen vor zwei Jahren ging nach langem Kampf knapp verloren. Gegen den Norweger dürfte Keymer jetzt bald öfter antreten: Nach dem Erfolg in Island kann er mit Einladungen zu Weltklasse-Turnieren rechnen. Zumindest in den nächsten Monaten hat der Schüler aber noch ein anderes Thema im Blick: Im Frühjahr 2022 steht erst einmal die Abiturprüfung an. Doch für die Zeit danach sind die Weichen schon gestellt: "Für mich ist klar, dass erst einmal ein paar Schach-Jahre kommen werden", so Keymer in einem Interview mit der Deutschen Welle.

Weitere Deutsche mit guten Platzierungen

Fest steht: Mit Vincent Keymer als Zugpferd könnte der Schachsport in Deutschland für positive Schlagzeilen sorgen. Denn Keymer ist nicht der einzige auf dem Weg in die internationale Spitze. Im Windschatten des deutschen Jahrhunderttalents zeigten sich auch noch weitere deutsche Schach-Profis in sehr guter Verfassung. Jeweils 7,5 Punkte holten die Großmeister Niclas Huschenbeth (Berlin), Rasmus Svane (Lübeck), Matthias Blübaum (Lemgo) und Daniel Fridman (Bochum). Neben Keymer qualifizieren auch sie sich für den Weltcup. Nach dem erfolgreichen Ausflug der Schachsportler nach Island steht fest: Der deutsche Schachbund rückt wieder näher an die Weltspitze heran.

 

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