Das Popjahr 2013
27. Dezember 2013
Für die größte Aufregung sorgte wohl ein rundum erneuerter Heino. Der Schlagerstar mit der blonden Mähne und der schwarzen Sonnenbrille ist Deutschlands bekanntester Volksmusiker, und so konnten es viele kaum glauben, als ausgerechnet er ein rockiges Album herausbrachte. Statt der üblichen Heile Welt-Lieder von hübschen Mädchen aus den Bergen coverte er Songs von Rockgrößen wie Rammstein und den Toten Hosen und trat dazu in passendem neuen Outfit an.
Nicht alle waren davon begeistert, am wenigsten die gecoverten Künstler selbst; trotzdem katapultierte sich Heino mit seiner Scheibe "Mit freundlichen Grüßen" auf Platz 1 der deutschen Charts. Mehr noch: Nie zuvor gab es innerhalb kürzester Zeit so viele Downloads eines deutschen Künstlers. Auf dem Höhepunkt der ausgebrochenen Heinomania stand er sogar beim legendären Heavy Metal Festival in Wacken Seite an Seite mit Rammstein auf der Bühne und wurde von der Menge frenetisch bejubelt.
Noch mehr Schlager in den Charts
Heinos Siegeszug 2013 mag wohl eher mit dem Imagewechsel des Sängers als mit der Musik zu tun haben, aber sein Erfolg brachte auch den Schlager zu neuen Ehren und in die Charts. Zwei der bekanntesten Volksmusiksängerinnen waren 2013 gleich für mehrere Hits gut: Helene Fischers Album "Farbenspiel" landete auf Platz 1 der Albumcharts und verkaufte sich über 250.000 Mal; und auch Andrea Berg schaffte es mit ihren neuen Scheibe "Atlantis" auf den begehrten Spitzenplatz. Das war übrigens das siebte Mal, dass eines ihrer Alben die Charts bis ganz oben stürmte.
Ein gutes Jahr für HipHop
Auch die deutschen Rapper Sido and Prinz Pi sicherten sich 2013 erste Plätze in den Albumcharts. Nach seinem Erfolg "Ich und meine Maske" im Jahr 2008 landete Sido fünf Jahre später mit "30-11-1980" zum zweiten Mal in seiner Laufbahn ganz oben. Prinz Pi schaffte es mit seinem immerhin schon zwölften Soloalbum "Kompass ohne Norden" zum ersten Mal auf die Spitzenposition.
Überhaupt standen die Sterne gut für den HipHop: Immerhin elf Musiker aus In- und Ausland eroberten mit ihren Alben Platz 1 der Albumcharts. Die Popularität des Genres ist in Deutschland ungebrochen.
Der Musiksender MTV lud die deutsche Hard Rock Band Scorpions zu einer seiner berühmten unplugged Sessions ein. Das im November dazu erschienene Album "MTV Unplugged - Live in Athens" schaffte es auf Platz 5. Es ist ein Mix aus ihren bekanntesten Hits mit brandneuem Material, live aufgenommen bei einem Konzert vor 3500 Fans in Athen. Für Griechenland habe man sich bei dieser Aufnahme bewusst entschieden, so Gitarrist Matthias Jabs: "Wir haben Fans in der ganzen Welt, aber in Griechenland sitzen unsere Hardcore Verehrer."
Alles dreht sich um Eurovision
Im Dezember gab der Norddeutsche Rundfunk (NDR) die Namen der ersten sieben Künstler bekannt, die bei der Show "Unser Star für Dänemark" darum kämpfen werden, Deutschland 2014 beim Eurovision Song Contest in Kopenhagen vertreten zu dürfen. In einer weiteren Runde, die speziell auf junge Talente zugeschnitten ist, soll der achte Kandidat gekürt werden. Doch schon jetzt ist klar, dass sich unter den sieben Wettbewerbsteilnehmern zwei bis drei große Namen tummeln.
Die Sängerin Oceana hat sich mit ihrem Song "Endless Summer" einem internationalen Publikum präsentiert, denn das Lied war der offizielle Song der 2012 ausgetragenen UEFA Championship-Fußballspiele. Außerdem im Rennen sind The Baseballs; die drei Sänger inspirieren sich im Rock'n Roll der 50er Jahre und sind für ihre eigenwilligen Coverversionen von Rihanna and Katy Perry bekannt.
Die größte Überraschung auf der Liste ist der Name der düster umflorten Band Unheilig, die zu Deutschlands bekanntesten Musikern zählen. Es bleibt abzuwarten, wie ihr melancholischer Sound in die Glitzerwelt des ESC passt; man kann sich kaum vorstellen dass Der Graf & Co. in schrillem Neon-Outfit gefälligen ESC-Pop abliefern.
Punk mit Gewissen
Die Toten Hosen, Deutschlands Punkband Nr. 1, können auf ein überaus erfolgreiches Jahr zurückblicken. Im Frühjahr heimsten sie bei den ECHO Awards gleich vier Trophäen ein. Danach gingen sie auf ihre überall ausverkaufte Tournee "Krach der Republik". Und ihr gleichnamiges Live Doppelalbum landeten auf Platz 3 der Charts.
Während ihrer Tour stellten Die Toten Hosen auch ihre soziale Ader unter Beweis. In Zusammenarbeit mit der Menschenrechtsorganisation "Pro Asyl" sammelten sie bei ihren Fans 30.000 Unterschriften für eine humanere Flüchtlingspolitik und übergaben sie dem deutschen Bundestag am Tag der Menschenrechte Anfang Dezember. Frontsänger Campino erklärte der Presse: "Wir können nicht weiter gleichgültig über ertrunkene Flüchtlinge im Mittelmehr reden, als sei es der der neueste Verkehrshinweis."
Rund um die Charts
In den Single Charts der Top 100 lief es für deutsche Musiker 2013 nicht so gut; stattdessen sahnten internationale Musiker kräftig ab. Der schwedische DJ Avicii hielt sich mit "Wake Me Up" am längsten auf Platz 1, nämlich ganze zehn Wochen. Dicht auf den Fersen folgte ihm der Rapper will.i.am featuring Britney Spears, dessen Titel "Scream & Shout" sich immerhin neuen Wochen auf der Spitzenposition behauptete. Als einziger deutscher Künstler schaffte es Cro für auf Platz 1; sein Song "Whatever" hielt sich im Juli eine Woche lang oben.
Deutsches Talent spiegelte sich 2013 eher in den Albumcharts wider. Neben internationaler Konkurrenz wie David Bowie, Depeche Mode and Justin Timberlake eroberten auch Frei.Wild, Tim Bendzko, Xavier Naidoo und Mrs. Greenbird erste Plätze.