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HandelGlobal

Schweißt Trump die BRICS enger zusammen?

Nik Martin
29. August 2025

Die USA wollen die BRICS-Staaten mit extrem hohen Zöllen strafen. Jetzt bereiten Indien, China und Russland ein Gipfeltreffen in Tianjin vor und es scheint, als förderten Trumps Drohungen die Solidarität der BRICS sogar.

Die Staats- und Regierungschefs der größten BRIS-Staaten im vergangenen Jahr: Xi Jinping, Wladimir Putin und Narendra Modi beim Gipfeltreffen im, russischen Kasan.
Die Anführer der größten BRICS-Staaten im vergangenen Jahr: Xi Jinping (China), Wladimir Putin (Russland) und Narendra Modi (Indien)Bild: Alexander Shcherbak/TASS/dpa/picture alliance

Die BRICS (benannt nach: Brasilien, RusslandIndien, China und Südafrika) sind ein stetig anwachsender Staatenbund, der eine gemeinsame Position neben den Wirtschaftsräumen in Europa und den USA sucht - und jetzt von US-Präsident Donald Trump unter Druck gesetzt wird.

China, das größte BRICS-Mitglied, muss mit Zöllen von 145 Prozent im Handel mit den USA kalkulieren, wenn es sich nicht mit Trump einigen kann. Brasilien und Indien wurden mit Zöllen in Höhe von 50 Prozent belegt. Südafrika ist mit einer Abgabe von 30 Prozent gestraft, und selbst neuere Mitglieder wie etwa Ägypten müssen wegen ihrer BRICS-Teilnahme mit höheren Zölle rechnen.

Trump hat in den ersten sieben Monaten seiner zweiten Amtszeit wiederholt vor zusätzlichen Strafmaßnahmen gegen alle Länder gewarnt, die sich einer "antiamerikanischen Politik" anschließen - ein deutlicher Hinweis auf die in Washington registrierten wachsenden Herausforderungen für die globale Vorherrschaft der USA.

Trump - der gemeinsame Gegner

Der ehemalige indische Handelsbeamte und Gründer der Global Trade Research Initiative (GTRI), Ajay Srivastava, ist der Ansicht, dass sich die BRICS-Staaten durch Trumps zusätzliche Strafen nur "wenig eingeschüchtert" fühlen. Der DW sagte er, die Zölle "geben BRICS einen gemeinsamen Anreiz, ihre Abhängigkeit von den USA zu verringern, auch wenn die Ziele unterschiedlich sind".

Der US-Präsident vor Reportern auf dem Rasen des Weißen Hauses: Er kündigt neue Zölle an - hier einmal gegen IndonesienBild: Hu Yousong/Xinhua/picture alliance

Die zusätzlichen Zölle führen bei den BRICS-Mitgliedern zu außergewöhnlichen Belastungen. Denen begegnen sie, in dem sie ihre bilateralen Handelsabkommen in nationalen Währungen ausweiten, um so ihre Abhängigkeit vom US-Dollar zu verringern. Die Zentralbanken der BRICS-Staaten haben zudem ihre Goldkäufe erhöht - ein weiteres Zeichen für ihren Wunsch nach einer De-Dollarisierung.

Während Trump bereits erklärt, BRICS sei "tot", sehen Kritiker das nicht so: In einem Kommentar für die Washington Post weist Max Boot vom Think Tank Council on Foreign Relations darauf hin, dass sich Brasilien, Südafrika und Indien jetzt stärker China und Russland annäherten. Trump schwäche "die Macht der USA, indem er Amerikas Freunde auf perverse Weise mit unseren Feinden vereint".

Gipfeltreffen in China

Der Gipfel der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) im nordchinesischen Tianjin, der am Sonntag beginnt, ist ein weiteres Indiz für die wachsende Solidarität unter den BRICS-Mitgliedern. Der chinesische Präsident Xi Jinping empfängt Indiens Premier Narendra Modi, Russlands Präsident Wladimir Putin sowie Staats- und Regierungschefs aus rund 20 weiteren Ländern des Globalen Südens.

Der Gipfel der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) findet in Tianjin stattBild: Li Ran/Xinhua/picture alliance

Schon jetzt drängt Moskau darauf, mit den ersten trilateralen Gesprächen von China, Russland und Indien seit sechs Jahren den Kern der Allianz zu stärken. Im Kreml ist man überzeugt, dass ein Treffen der drei größten BRICS-Mitgliedern dazu beitragen könnte, langjährige Spannungen, insbesondere zwischen Indien und China, abzubauen und damit ein stärkeres Gegengewicht zum Westen zu bilden.

Indien und China - streitende Nachbarn

Trumps enorme Zölle haben Neu-Delhi dazu veranlasst, die Wirtschaftsbeziehungen mit China zu stärken, Direktflüge wieder aufzunehmen, Visabeschränkungen zu lockern und Handelsgespräche zu intensivieren. Beide Länder sprechen zudem über eine Beilegung langjähriger Streitigkeiten entlang der gemeinsamen Grenze.

In der vergangenen Woche hat sich Peking bereiterklärt, die Lieferungen von Seltenen Erden in das südasiatische Land zu erhöhen. China kontrolliert über 85 Prozent der weltweiten Verarbeitung dieser Rohstoffe, die Indien für saubere Energie, Elektrofahrzeuge und Verteidigungstechnologien dringend benötigt.

Die chinesisch-indischen Beziehungen bleiben dennoch schwierig. Shilan Shah vom Londoner Unternehmen Capital Economics erinnert an Chinas enge Beziehungen zu Indiens Nachbarn und "Erz"-feind Pakistan und an den Bau eines chinesischen Wasserkraftwerks auf dem tibetischen Plateau, der in Neu-Delhi für Unbehagen gesorgt hat. Außerdem, so Shah in einer Forschungsnotiz, schadeten chinesische Billigimporte "Indiens Bemühungen zur Stärkung seiner heimischen Industrie".

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Auch könnten Indiens langjährige Beziehungen zu Washington dem BRICS-Projekt schaden. Indien ist noch immer stark vom US-Markt und der US-Technologie abhängig. Die Exporte in die USA beliefen sich im Jahr 2024 auf insgesamt 66,46 Milliarden Euro, während die Exporte nach Russland und China deutlich geringer ausfielen.

Chinas Einfluss wächst

Brasilien bemühte sich Anfang des Monats in einem Telefonat zwischen Xi und dem brasilianischen Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva um eine Stärkung des bilateralen Handels mit China, seinem größten Handelspartner. Nach China gehen 26 Prozent aller brasilianischen Exporte - doppelt so viel wie in die USA.

Ein symbolträchtiger Auftritt Putins und Xis während der russischen Siegesparade im Mai unterstrich die zunehmende strategische Ausrichtung zwischen Moskau und Peking. Mehr als 90 Prozent des bilateralen Handels zwischen Russland und China werden laut Kreml mittlerweile in Yuan und Rubel abgewickelt.

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Südafrika hält an seinen BRICS-Verpflichtungen fest und will trotz Trumps Drohungen seinen eigenen Kurs verfolgen. Sanusha Naidu vom südafrikanischen Institute for Global Dialogue sagte der DW, Pretoria sei nicht bereit, ihre BRICS-Verpflichtungen zurückzunehmen, "insbesondere nicht in Bezug auf die Reform der globalen Governance, Technologie, Landwirtschaft, akademischen Austausch und bilateralen Handel".

"Pragmatische Zusammenarbeit"

BRICS ist inzwischen von ursprünglich vier auf zehn Mitglieder angewachsen - Saudi-Arabien ist sich über einen Beitritt noch nicht im Klaren - und fragmentiert sich aufgrund divergierender nationaler Interessen zunehmend. Der ehemalige indische Handelsbeamte Srivastava sagte dazu, bei BRICS gehe es "weniger um perfekte Einheit als vielmehr um pragmatische Zusammenarbeit in Handel, Finanzen und Lieferketten".

Der Handel innerhalb der BRICS-Staaten wird weiter wachsen. Das erwartet jedenfalls Mihaela Papa, Forschungsdirektorin am Center for International Studies. Auch wenn sich nicht alles nicht sofort verwirklichen ließe. "Wir können mit stärkerer politischer Unterstützung für neue Handelsinitiativen, Buy BRICS-Kampagnen und Projekte wie die BRICS-Getreidebörse sowie den Ausbau lokaler Währungsabwicklungsmechanismen rechnen", sagte Papa der DW.

Ein von Russland unterstützter Vorschlag für eine einheitliche BRICS-Währung als Konkurrenz zum Dollar liegt weiterhin auf Eis. Dies deutet auf eine Zukunft hin, die weniger von konkurrierenden Finanzsystemen als vielmehr von einem Flickenteppich sich überschneidender Netzwerke geprägt sein wird. GTRI-Gründer Srivastava prognostiziert, dass der Dollar "über Jahre hinweg dominant bleiben wird, parallele Abwicklungssysteme in Yuan, Rupie und Rubel jedoch wachsen werden. Dies wird den Dollar nicht entthronen", sagte er, "aber sein Monopol stetig schwächen".

Dieser Beitrag ist aus dem Englischen adaptiert worden.

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