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Schwere Gefechte um Weltkulturerbe

20. Mai 2015

Die Truppen des syrischen Machthabers Al-Assad mussten einen wichtigen Stützpunkt räumen. Das Welterbe Palmyra soll aber gehalten werden. Im Irak rüsten sich Regierungstruppen und IS-Kämpfer für eine neue Schlacht.

Ein Panzer steht inmitten der syrischen Wüste. Auf einem Hügel weiter hinten stehen Ruinen. (Foto: picture-alliance/dpa)
Bild: picture-alliance/dpa

In Syrien ist das UNESCO-Weltkulturerbe Palmyra durch den "Islamischen Staat" (IS) akut bedroht. Bei heftigen Kämpfen schlug eine Mörser-Granate nahe dem berühmten Baal-Tempel ein, wie die Syrische Beobachtungsstelle meldete. Es entstand ersten Erkenntnissen zufolge kein Schaden. Syrische Flugzeuge hätten in der Region mehrere Angriffe auf IS-Stellungen geflogen, meldeten die Menschenrechtsbeobachter. Opferzahlen wurden zunächst nicht bekannt. Laut der Beobachtungsstelle haben die Extremisten rund ein Drittel der Stadt in der Provinz Homs unter ihre Kontrolle gebracht. Die Dschihadisten hätten ein Gebäude der Sicherheitskräfte nur "wenige hundert Meter entfernt" von der UNESCO-Weltkulturerbestätte erobert.

Die Chefin der UNESCO-Kulturorganisation der Vereinten Nationen, Irina Bokowa, forderte eine sofortige Einstellung der Auseinandersetzungen und rief die internationale Gemeinschaft dazu auf, alles zu tun, um die Zivilbevölkerung und die antiken Ruinen in Palmyra zu schützen. Hunderte Statuen seien aus der historischen Stadt entfernt und an einen sicheren Platz gebracht worden, teile der Direktor der syrischen Antikenverwaltung, Maamoun Abdulkarim mit.

Die historische Oasenstadt soll indes von frischen Truppen verteidigt werden. Hunderte Kämpfer des Stammes der Schaitat, die von Kräften des Assad-Regimes ausgebildet wurden, seien in der Stadt angekommen, berichtete die Beobachtungsstelle. Der IS hatte im vergangenen Jahr mindestens 930 Angehörige der Schaitat umgebracht. Der Stamm, der in am Euphrat im Osten Syriens siedelt, hatte sich den Extremisten nicht unterordnen wollen.

Im syrischen Bürgerkrieg stehen die Regierungstruppen von Machthaber Baschar al-Assad weiter unter Druck. Islamistische Rebellen haben den letzten großen Armeestützpunkt des Assad-Regimes in der nordsyrischen Provinz Idlib eingenommen. Das Bündnis Dschaisch al-Fatah habe das Militärlager in Al-Mastuma erobert, meldete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Die Angaben der Beobachtungsstelle, die sich auf ein Netzwerk von Informanten in Syrien stützt, sind von unabhängiger Seite nicht zu überprüfen.

Über den Kurznachrichtendienst Twitter erklärte die radikale Al-Nus ra-Front, ein syrischer Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida, nach 48-stündigen Gefechten sei Al-Mastuma "befreit" worden. Laut den oppositionsnahen syrischen Menschenrechtsbeobachtern zogen sich die Einheiten der Regierungsarmee Richtung Süden in die Stadt Aricha zurück. Bei den anhaltenden heftigen Kämpfen seien mindestens 15 Regime-Kämpfer getötet worden, hieß es. Nach Angaben aus syrischen Armeekreisen dauerten die Kämpfe um den Stützpunkt Al-Mastuma und die gleichnamige Ortschaft an.

Neue Gefechte im Irak

Die Aufständischen hatten in den vergangenen Wochen bereits die Provinzhauptstadt Idlib und die strategisch wichtige Ortschaft Dschisr al-Schughur erobert. Die Armee kontrolliert in der an die Türkei grenzenden Provinz inzwischen nur noch die Stadt Ariha, einen Militärflughafen und kleinere Stellungen. Im Zentrum und im Süden des Landes lieferten sich unterdessen Kämpfer der Islamistengruppe Islamischer Staat (IS) Gefechte mit dem syrischen Militär. Fünf regierungstreue Soldaten und eine Frau seien in Al-Hakef getötet worden, teilte die Beobachtungsstelle mit.

Im Irak bereiten sich der IS und Regierungstruppen auf eine neue Schlacht um die strategisch wichtige Stadt Ramadi vor. Seit Tagen wird dort heftig gekämpft. Der IS hatte die Provinzhauptstadt am Wochenende vollständig unter Kontrolle gebracht. Während die Armee am Dienstag Panzer und Artillerie-Geschütze um den Ort in der Provinz Anbar in Stellung brachte, legten die Islamisten nach Angaben von Augenzeugen Minenfelder an und errichteten Verteidigungsanlagen. Ein Vertreter der örtlichen Regierung rief die Bevölkerung auf, sich während der Kämpfe gegen den IS zu erheben. Aufseiten der Armee stehen auch Tausende schiitische Milizionäre bereit, die Stadt zurückzuerobern. Sie sprachen von einer bevorstehenden "Schlacht um Anbar".

Aus ihrer Heimat vertrieben: 40.000 Iraker wollen nach BagdadBild: picture-alliance/AP Photo/H. Mizban

Versperrte Wege für 40.000 Flüchtlinge

Nach UN-Angaben sind rund 40.000 Menschen vor dem IS aus Ramadi geflohen. An der Euphrat-Brücke Bsebis westlich von Bagdad sitzen nach Angaben des Rates der Provinz Al-Anbar seit Freitag mehrere Tausend Flüchtlinge fest. Das Militär hat den Übergang gesperrt, weil es befürchtet, dass mit den Flüchtlingen heimlich IS-Kämpfer in die Hauptstadt gelangen könnten. Drei Kinder und zwei Frauen sind auf ihrer Flucht dort gestorben, weil sie die Brücke Richtung Bagdad nicht überqueren konnten. Augenzeugen berichteten, die Opfer seien wegen der großen Hitze und fehlender medizinischer Versorgung ums Leben gekommen. Flüchtlinge berichteten, sie müssten seit Tagen auf der nackten Erde übernachten. Einige warfen Armeeoffizieren vor, von diesen als "Terroristen" beschimpft und geschlagen worden zu sein. Die Regierung hatte am Dienstag erklärt, sie wolle die Brücke für die Flüchtlinge öffnen.

pab/stu (dpa, afp, rtr)

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