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Katastrophe

Schwerer LKW-Anschlag in Ost-Jerusalem

8. Januar 2017

An einem Aussichtspunkt steigen israelische Soldaten aus einem Bus. Plötzlich rast ein Palästinenser am Steuer eines Lastwagens in die Gruppe - mit voller Absicht. Rettungskräften bietet sich ein grausiges Bild.

Israel Vier israelische Soldaten bei Lkw-Anschlag in Jerusalem getötet
Bild: picture alliance/dpa/Photoshot/G. Yu

Die Polizei sprach von einem "Terroranschlag". Nach neuesten Angaben wurden vier Menschen getötet und mindestens 13 weitere verletzt. Der Attentäter sei erschossen worden.

Der Lastwagen sei in dem Stadtteil Armon Hanaziv in eine Gruppe von Soldaten gefahren, die gerade aus einem Autobus gestiegen war, teilte die Polizei mit. Der Anschlagsort ist ein beliebtes Ausflugsziel, weil er einen spektakulären Blick über die Jerusalemer Altstadt bietet.

Mutmaßlicher Attentäter war Palästinenser

Der israelische Polizeichef Roni Alscheich sagte, der Fahrer komme aus einem arabischen Viertel in Ost-Jerusalem. Er sei Palästinenser. Es habe keine konkreten Warnungen vor einem Anschlag gegeben. Über weitere Details der Ermittlungen ist Alscheich zufolge eine Nachrichtensperre verhängt worden. Der Inlandsgeheimdienst Schin Bet sei an der Untersuchung beteiligt.

Premierminister Netanjahu (Mitte) und der Verteidigungsminister (rechts) am AnschlagsortBild: REUTERS/R. Zvulun

Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu besuchte mit Verteidigungsminister Avigdor Liebermann den Ort des Anschlags. Netanjahu sagte, man kenne die Identität des Fahrers. Allem Anschein nach sei er ein Unterstützer der Terrororganisation "Islamischer Staat" gewesen. Israels Armee habe einen Belagerungsring um das arabische Viertel Dschabel Mukaber gelegt, aus dem der Attentäter stamme. Nach Medienberichten wurden mehrere Angehörige des Täters festgenommen. Das Sicherheitskabinett hat wegen der Attacke für den Abend eine Sondersitzung anberaumt.

Hamas glorifiziert Angriff

Die radikale Palästinenser-Organisation Hamas pries die Attacke, übernahm aber nicht die Verantwortung dafür. Hamas-Sprecher Abdulatif al-Qanou sprach von einer "heroischen" Tat. Er ermunterte andere Palästinenser, das Gleiche zu tun und den "Widerstand eskalieren zu lassen". Al-Qanou sagte, der Angriff zeige, dass die Welle palästinensischer Gewalt trotz der jüngsten Ruhepause nicht zu Ende sei. Die Hamas herrscht im Gaza-Streifen. Sie ruft immer wieder zum gewaltsamen Kampf gegen Israel auf.

Augenzeugen berichten, der Palästinenser sei mehrmals vor- und zurückgefahren, um möglichst viele Opfer zu erfassenBild: picture alliance/dpa/Photoshot/G. Yu

Der UN-Nahostgesandte Nickolay Mladenov verurteilte den Anschlag und die Reaktion der Hamas. "Es ist verwerflich, dass einige solche Taten verherrlichen, die die Möglichkeit einer friedlichen Zukunft für Palästinenser und Israelis untergraben", sagte Mladenov nach Angaben seines Büros. "Es ist nichts Heldenhaftes an solchen Aktionen." Er rief die Menschen dazu auf, alles zu tun, um eine weitere Eskalation zu verhindern.

Bürgermeister: Lebensweise nicht ändern

Der Bürgermeister Jerusalems, Nir Barkat, appellierte an die Bürger, wachsam zu sein, aber sich in ihrem Alltagsleben nicht einschränken zu lassen. "Leider kennt die Grausamkeit der Terroristen keine Grenze. Sie lassen kein Mittel ungenutzt, um Juden zu töten und ihre Art zu leben zu stören", sagte er. "Diejenigen, die den Terror anzetteln und unterstützen, müssen einen hohen Preis zahlen."

Armon Hanaziv liegt in dem 1967 von Israel eroberten Teil Jerusalems. Die Palästinenser beanspruchen das Gebiet als Teil einer künftigen Hauptstadt für sich. Israel sieht jedoch ganz Jerusalem als seine "ewige, unteilbare Hauptstadt". In dem Stadtteil war es seit Beginn der neuen Gewaltwelle im Herbst 2015 immer wieder zu Anschlägen gekommen.

ust/jj (dpa, rtr, afp, ap)