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"Sea-Watch 3" rettet mehr als 400 Migranten

18. Oktober 2021

Das private deutsche Rettungsschiff "Sea-Watch 3" hat vor der libyschen Küste Hunderte Bootsmigranten an Bord genommen. Es hatte das Zielgebiet am Samstag erreicht.

NGO I Sea-Watch 3 rettet Migranten
Ein Rettungsboot der "Sea-Watch 3" hat Migranten in Seenot vor Libyen aufgenommen (Archivbild)Bild: Darrin Zammit Lupi/REUTERS

Wie der Betreiberverein Sea-Watch via Twitter mitteilte, wurden bei einer ersten Aktion 66 Personen von einem seeuntüchtigen Boot aufgenommen, unter ihnen mehrere Kinder. Die Menschen würden an Bord medizinisch versorgt. Drei Stunden später sichtete die Crew ein Schlauchboot mit weiteren 54 Menschen. Auch diese seien gerettet worden.

Später gab es weitere Einsätze, bei denen Menschen unter anderem aus überladenen Schlauchbooten und einem Holzboot übernommen wurden. Insgesamt sind nun mehr als 400 Migranten an Bord des Rettungsschiffs.

Die "Sea-Watch 3" war erst kürzlich zu einem neuen Einsatz aufgebrochen und hatte am Samstag das Zielgebiet vor Libyen erreicht. Zuletzt hatte das Schiff im August mit mehr als 250 Flüchtlingen den sizilianischen Hafen Trapani erreicht. Später steuerte die Besatzung die spanische Stadt Burriana an, um sich für den nächsten Einsatz vorzubereiten. Private Organisationen brechen immer wieder ins zentrale Mittelmeer auf, um Migranten vor dem Ertrinken zu retten.

Diese Migranten hatten Glück: Die "Sea-Watch 3" hat sie an Bord genommen (Archivbild)Bild: Darrin Zammit Lupi/REUTERS

Zudem kamen nach Meldungen der italienischen Nachrichtenagentur Ansa am Sonntag 49 Migranten mit mehreren Booten an Sardiniens Küsten an. Weitere 31 Migranten erreichten die italienische Insel Lampedusa. Zudem gingen 41 Tunesier in Sizilien an Land.

Viele wollen nach Italien

Die Migranten versuchen meist von den Küsten Tunesiens oder Libyens über das Mittelmeer in die EU zu gelangen. Mitunter greifen die Küstenwachen der nordafrikanischen Länder die Menschen auf und bringen sie wieder zurück. In Italien, das oft Ziel der Menschen ist, sind die Einsätze der privaten Organisationen politisch umstritten. Nach Angaben des Innenministeriums kamen in diesem Jahr bis Freitag mehr als 49.000 Menschen in Booten an. Im selben Vorjahreszeitraum waren es knapp 26.000.

Seit Jahresbeginn sind nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) bereits etwa 1400 Migranten bei der gefährlichen Überfahrt über das Mittelmeer ums Leben gekommen. Nach offiziellen Zahlen waren es im vergangenen Jahr mehr als 1200 Todesopfer. Experten gehen jedoch von einer hohen Dunkelziffer aus.

Hartes Urteil gegen Handelsschiffkapitän

Zwei Seenotrettungsorganisationen begrüßten unterdessen das harte Urteil gegen den Kapitän eines italienischen Handelsschiffes wegen der Rückführung von Bootsflüchtlingen nach Libyen. Damit sei belegt, dass Libyen kein sicherer Ort sei, erklärte SOS Méditerranée auf Twitter. Die Organisation Sea-Watch ergänzte, dass ein Zurückbringen von Geflüchteten in das nordafrikanische Land nachweislich "ein Verbrechen" sei. Zuvor hatte bereits Amnesty International das Urteil begrüßt. Es sei sehr wichtig für den Umgang mit dem Recht auf Asyl in Europa.

Am Donnerstag hatte ein Gericht in Neapel erstmals den Kapitän des Handelsschiffes "Asso Ventotto" - tätig für eine italienisch-libysche Ölfirma - zu einer einjährigen Haftstrafe verurteilt, nachdem dieser vor drei Jahren 101 Bootsmigranten nicht nach Europa gebracht, sondern direkt der libyschen Küstenwache übergeben hatte. Dies sei illegal, entschied die Richterin in Neapel in dem wegweisenden Urteil, wie die Zeitung "Avvenire" berichtete. Damit bestätigt das Gericht auch erstmals, dass Libyen nicht als sicherer Hafen gewertet werden kann. Zivile Schiffe, die an sogenannten Pushbacks beteiligt sind, könnten somit künftig belangt werden.

Italien: Lebensgfährliche Flucht

03:50

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Da sich unter den Migranten auch Schwangere und Minderjährige befanden, sei deren erzwungene Rückführung nach Libyen eine mögliche Verletzung ihres Rechts auf Schutz und Asyl, so das Urteil der Richterin. Für das Urteil stützten sich Staatsanwaltschaft und Gericht auf Funkgespräche, die das spanische Seenotrettungsschiff "Open Arms" aufgezeichnet hatte. Vom Vorwurf des Amtsmissbrauches sprach das Gericht den Kapitän und einen Vertreter der Rederei indes frei.

Pflicht zur Rettung aus Seenot

Betreiber von Handelsschiffen haben in der Vergangenheit immer wieder darauf hingewiesen, dass die Mittelmeeranrainer wie Italien oder Malta oftmals die Aufnahme der Geretteten verweigern. Zugleich sind Frachter durch das Seerecht verpflichtet, Menschen aus Seenot zu retten.

Massenrückführungen ohne vorherige Prüfung des Anrechts auf Asyl verstoßen gegen das Völkerrecht. Auf See gerettete Flüchtlinge müssen zudem laut internationalem Seerecht in einen sicheren Hafen gebracht werden. In Libyen werden Flüchtlinge in Internierungslager eingesperrt, in denen laut den Vereinten Nationen und Menschenrechtsorganisationen Gewalt und Not herrschen. Mehrmals wurden Migranten dort vom Sicherheitspersonal getötet.

kle/jj/ack (kna, afp, dpa)

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