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KonflikteNordamerika

Seit drei Generationen im Konflikt: die USA und der Iran

10. April 2026

Drei wichtige Ereignisse haben das Verhältnis zwischen dem Iran und den USA in den vergangenen Jahrzehnten geprägt. Sie beeinflussen noch immer die Politik und die öffentliche Meinung in beiden Ländern.

Anti-US-Wandbild vor der ehemaligen US-Botschaft
Iranische Frauen vor einem antiamerikanischen Wandgemälde in TeheranBild: Abedin Taherkenareh/dpa/picture alliance

Die Welt blickt an diesem Samstag nach Pakistan: In der Hauptstadt Islamabad will eine US-Delegation unter Vizepräsident JD Vance mit Vertretern aus Teheran über eine dauerhafte Friedenslösung im Iran-Krieg verhandeln - und vielleicht wird sie ein neues Kapitel in den Beziehungen zwischen den USA und dem Iran aufschlagen. Die beiden Länder stehen schon seit Jahrzehnten miteinander im Konflikt.

Der Angriff der USA und Israels auf den Iran am 28. Februar kam nicht aus dem Nichts. Drei entscheidende Ereignisse - der Staatstreich von 1953, die Geiselnahme von 1979 bis 1981 und der noch immer anhaltende Streit um das iranische Atomprogramm - haben über die Jahre nicht nur die Politik und die öffentliche Meinung geprägt, sondern auch den Weg für den aktuellen Krieg geebnet. Es lohnt sich, diese drei Ereignisse näher zu betrachten.

Der Staatsstreich von 1953 und die CIA 

Im 20. Jahrhundert erfreuten sich die USA und der Iran viele Jahre lang enger Beziehungen. Nach dem Zweiten Weltkrieg sah Washington in Teheran einen wichtigen Verbündeten gegen die Sowjetunion. Schah Mohammad Reza Pahlavi positionierte den Iran als pro-westliche Monarchie im Nahen Osten und hatte die Unterstützung der USA.

Im Jahr 1951 verstaatlichte der gewählte iranische Ministerpräsident Mohammed Mossadegh jedoch die Ölindustrie des Landes und stellte damit die westliche Kontrolle über iranische Ressourcen in Frage. Zwei Jahre später leisteten die CIA und der britische MI6 Unterstützung bei der Organisation eines Staatsstreichs gegen Mossadegh. Dieser Staatsstreich von 1953 sei ein Wendepunkt gewesen, sagt Ian Lesser, Vizepräsident des transatlantischen Thinktanks German Marshall Fund. Er sei im Wesentlichen von den Vereinigten Staaten und Großbritannien eingefädelt worden, um Mossadegh zu stürzen und den Schah wiedereinzusetzen.

Ministerpräsident Mohammed Mossadegh wird von Anhängern gefeiert. Erst 2013, 60 Jahre nach seinem Sturz, bestätigten die USA ihre Beteiligung an dem StaatsstreichBild: AP Photo/picture alliance

Die Autorität des Schahs war wiederhergestellt, doch der Staatsstreich führte auch zu einem tief verwurzelten Gefühl der Ungerechtigkeit innerhalb der iranischen Gesellschaft. Viele Iraner sahen darin eine ausländische Einmischung in ihre Demokratie. Negin Shiraghaei ist die Gründerin von Azadi Network, einer britischen Organisation, die die Bewegung "Frauen, Leben, Freiheit" im Iran unterstützt. "Die Generation meiner Eltern dachte, die Probleme des Landes wären durch die Einmischung der USA entstanden. Sie sahen den Schah als eine Marionette der USA", erläutert sie. Bald drei Jahrzehnte später wurde dieses Gefühl zu einer treibenden Kraft der islamischen Revolution.

Die Revolution und die Geiselnahme

Die Unzufriedenheit mit dem Regime des Schahs wuchs, viele Iraner empfanden seine Herrschaft als repressiv. Ihrer Meinung nach hatte Washington entscheidend zur Aufrechterhaltung seiner Herrschaft beigetragen.

1979 führten Massenproteste schließlich zum Ende der Herrschaft des Schahs. Der Religionsführer Ayatollah Ruhollah Chomeini kehrte aus dem Exil zurück und gründete die Islamische Republik, die eine anti-westliche und antiamerikanische Haltung vertrat.

Enge Beziehungen: Schah Mohammad Reza Pahlavi (rechts) und US-Präsident Jimmy CarterBild: AP Photo/picture alliance

Auch heute noch werden viele hohe Ämter von Angehörigen jener Generation bekleidet, die an der Gründung der Islamischen Republik mitwirkte und zu einer Politik der Konfrontation mit den USA beitrug. Zur Legitimation ihrer Macht greift die aktuelle iranische Führung noch immer häufig auf die Symbole und Parolen der Revolution von 1979 zurück. Eine zentrale Säule des Systems sind die Islamischen Revolutionsgarden (IRGC), eine militärische und politische Macht, die gegründet wurde, um die Revolution zu verteidigen und innere Widerstände zu unterdrücken. Sie geht regelmäßig hart gegen Proteste, Medien und die Zivilgesellschaft vor.

Die Erinnerungen in den USA werden jedoch durch andere Ereignisse geprägt: durch die Geiselnahme von 1979 bis 1981. Am 4. November 1979 stürmte eine Gruppe von Studenten, die dem Religionsführer Chomeini ideologisch nahe stand, die US-Botschaft in Teheran und nahm 66 US-Amerikaner als Geiseln. Sie forderten die Auslieferung des Schahs, der in die USA geflohen war, und betonten, dass sie verhindern wollten, dass es erneut zu einem durch ausländische Kräfte unterstützen Staatsstreich kommen könnte.

Viele US-Amerikaner erlebten die Besetzung der US-Botschaft als live im Fernsehen übertragene Demütigung und betrachteten sie als Angriff auf ihr Land. 444 Tage lang wurden die Geiseln gefangen gehalten. Auch ihre Freilassung wurde im Fernsehen übertragen, in New York wurden sie mit einer Siegesparade als Helden empfangen. Die Ereignisse wirken noch immer nach und haben auch heute noch Einfluss auf die öffentliche Meinung und die Politik.   

444 Tage lang wurden die US-amerikanischen Diplomaten in der US-Botschaft in Teheran festgehaltenBild: ZUMA/IMAGO

Von den Menschen, die heute in Washington in Machtpositionen sind, wurden viele durch diese Ereignisse geprägt, auch "die Menschen im Umfeld des Präsidenten und der Präsident selbst", so Lesser. "Der Blick auf den Iran als Gegner ist in bestimmten Generationen tief verankert", betont er.

Die Feindschaft erhielt weitere Nahrung durch einen Bombenanschlag auf eine US-Kaserne in Beirut im Jahr 1983, bei der die Hisbollah-Miliz mehr als 200 im Libanon stationierte US-Soldaten tötete. Diese Ereignisse hätten die Wahrnehmung des Irans in den USA geprägt, sagt Lesser. "Die entscheidenden Terrorangriffe, hinter denen der Iran steckte, sind immer noch sehr präsent."

Angst vor der Atombombe 

Die US-feindliche Stimmung im Iran war nach der Revolution von 1979 stark. Doch sie verlor schneller an Intensität, als es iranische Regierungspropaganda die Öffentlichkeit glauben machen wollte, sagt Schiraghaei: "Unter den Menschen änderte sich die Stimmung rasch, auch wenn viele nicht den Mut hatten, das zu äußern", betont sie.

Negin Shiraghaei hat eine Organisation gegründet, die marginalisierte Gruppen im Iran unterstütztBild: DW

Die Iraner und Iranerinnen, die in den 1990ern und 2000ern erwachsen wurden, durchlebten eine Zeit der Bemühungen um eine politische Öffnung. Sie unterstützten reformorientierte Führungspersönlichkeiten und glaubten zumindest für eine gewisse Zeit, dass Veränderungen möglich seien. Ihre Generation sei sich der Macht der USA bewusst gewesen, doch sie stellte propagandistische Parolen, die die USA als den "großen Satan" bezeichneten und "Tod den USA" forderten, in Frage, sagt Schiraghaei. "Meine Generation wusste um die negativen Aspekte der amerikanischen Macht, dass sie rund um die Welt Kriege anzetteln", erzählt sie, "aber gleichzeitig dachten wir, muss so viel Feindseligkeit wirklich sein?"

Auf politischer Ebene arbeiteten Washington und Teheran durchaus zusammen, insbesondere nach den Anschlägen vom 11. September 2001. "Was sunnitischen Fundamentalismus und Al-Kaida betrifft, waren wir uns einig", unterstreicht Lesser. " Wir könnten uns sogar in Bezug auf Energiesicherheit einig sein, schließlich haben beide Länder ein großes Interesse an der Liefersicherheit ihrer Exporte." Doch diese gemeinsamen Interessen überstanden nur selten einen Wechsel in der politischen Führung.

Im Iran widersetzten sich die Hardliner den Reformbestrebungen und die Hoffnungen auf eine Veränderung schwanden. In den USA wiederum wurde die Befürchtung, der Iran sei auf dem Weg, Atomwaffen zu entwickeln, zu Beginn der 2000er Jahre immer zentraler. Washington hegte den Verdacht, der Iran baue eine Bombe, während Teheran insistierte, sein Atomprogramm sei ausschließlich ziviler Natur. Jahre der Sanktionen, des Drucks und der Drohungen folgten und setzten einen Kreislauf der Eskalation in Gang, der die Politik auf beiden Seiten prägte.

Menschen protestieren 2022 in Teheran gegen die "Moralpolizei"Bild: AA/picture alliance

Diplomatische Bemühungen führten 2015 zu einem Atomabkommen, in dem der Iran als Gegenleistung für die Reduzierung seiner Anreicherungsaktivitäten Sanktionserleichterungen erhielt. Doch Kritikern in den USA war das Abkommen zu eng gefasst und zeitlich zu begrenzt. Als die Regierung von Donald Trump 2018 aus dem Abkommen ausstieg, vertiefte sich das Misstrauen erneut.

Neuverhandlungen kamen nach dem Scheitern des Abkommens immer wieder zum Erliegen. Der Iran weitete seine nuklearen Aktivitäten aus, die USA verschärften ihre Sanktionen. Im Juni 2025 begannen die USA, iranische Atomanlagen zu bombardieren. Im Februar 2026 schließlich starteten die USA gemeinsam mit Israel Luftangriffe, bei denen der Oberste Führer Ali Chamenei getötet wurde.

Lesser hält eine Annäherung zwischen den beiden Seiten noch immer für möglich, schließlich werde sich der Generationenwechsel positiv auswirken. "Große Teile der iranischen Gesellschaft, insbesondere junge Menschen, sind schlicht nicht mehr bereit, dieses Regime zu unterstützen", ist er sich sicher.

Ian Lesser ist Experte für US-Außenpolitik und NahostpolitikBild: Samuel Corum/AA/picture alliance

Der amerikanische Traum sei "durch Filme und das Internet exportiert" worden, meint Shiraghaei. Das habe trotz der staatlichen Einschränkungen die Ansichten junger Iraner und Iranerinnen geformt. Selbst während des aktuellen Krieges seien anti-amerikanische Gefühle unter jungen Menschen nicht stark vertreten gewesen, "weil sie nicht auf der Suche nach einem äußerem Feind sind. Ihr Feind steht im Inneren, neben ihnen."

Adaptiert aus dem Englischen von Phoenix Hanzo.

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