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Kriminalität

Sieben Tötungen pro Stunde in Brasilien

30. Oktober 2017

Nie zuvor sind in Brasilien so viele Menschen durch Gewalt umgekommen wie 2016, dem Jahr der Olympischen Spiele. Das Institut, das die Zahlen erhebt, vergleicht sie mit den Opferzahlen des Atombombenabwurfs auf Nagasaki.

Festnahme nach gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Drogengangs in einem Slum in Rio
Festnahme nach gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Drogengangs in einem Slum in RioBild: Reuters/B. Kelly

Mit fast 62.000 gewaltsamen Todesfällen ist in Brasilien im vergangenen Jahr ein neuer trauriger Rekord aufgestellt worden. Das entspreche rechnerisch sieben Todesopfern pro Stunde, teilte das auf Sicherheitsfragen spezialisierte Fórum Brasileiro de Segurança Pública mit Blick auf den Jahresbericht mit. 

Die Zahl von 61.619 Opfern - vor allem durch Mord und Totschlag - ist ein Anstieg um 3,8 Prozent im Vergleich zu 2015. "Das entspricht in etwa den Opferzahlen des Atombombenabwurfs auf Nagasaki 1945", teilte das Institut mit. 

Kinder in einer Favela in RioBild: imago/Agencia EFE/A. Lacerda

Zum Vergleich: Vor 30 Jahren lag die Opferzahl in Brasilien noch bei 23.000, 1997 waren es dann bereits 40.000 und 2007 etwa 47.700. Es gab seither kaum Jahre mit rückläufigen Zahlen, allerdings wächst auch die Bevölkerung - in Brasilien leben 207 Millionen Menschen.

Unter den Gewalttoten waren den Angaben zufolge 437 Polizisten und Soldaten - das sind rund 17,5 Prozent mehr als 2015. Umgekehrt seien 4224 Personen von der Polizei erschossen worden, rund 26 Prozent mehr als 2015. Amnesty International klagt immer wieder eine überbordende Polizeigewalt an. 

Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele im Maracana-Stadion in Rio im August 2016Bild: Getty Images/AFP/L. Neal

Trotz der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro im vergangenen Jahr mit einer starken Militärpräsenz konnte dieser neue Negativrekord nicht verhindert werden. Im Bundesstaat Rio de Janeiro wurden 5010 Tötungsdelikte für 2016 registriert. Am kritischsten war die Lage in den Bundesstaaten Sergipe (statistisch gab es 64 Tötungsdelikte pro 100.000 Einwohner), gefolgt von Rio Grande do Norte (56,9/100.000 Einwohner) und Alagoas (55,9/ 100.000 Einwohner). Zum Vergleich: In Deutschland lag die Quote zuletzt bei rund 0,8 Tötungsdelikten je 100.000 Einwohner. 

Auch im laufenden Jahr sieht die Lage nicht besser aus, in Rio wird ein weiterer Anstieg der Mordzahlen erwartet. Seit Wochen kommt es in Rio de Janeiro in einigen Favelas zu kriegsähnlichen Szenen. 

stu/SC (dpa, kna)
 

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