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ReiseEuropa

Silbo Gomero: Pfeifen als Schulfach

Patricia Szilagyi
9. Juni 2021

Auf La Gomera gibt es eine besondere Kommunikationsform: die Pfeifsprache Silbo Gomero. Warum diese Tradition auf der Kanareninsel bis heute bewahrt wird, erfahren Sie in Teil XIV unserer Reihe "Extreme Orte".

Spanien  La Gomera - Einheimischer demonstriert die Pfeifsprache
Spezielle Technik: Traditionell wird für Silbo Gomero der angewinkelte Zeigefinger genutztBild: Hans Zaglitsch/DUMONT Bildarchiv/picture alliance

La Gomera ist die zweitkleinste der Kanarischen Inseln. Gerade einmal 22 Kilometer lang und 25 Kilometer breit ist das vulkanische Eiland, das wie alle Kanaren zu Spanien gehört. Doch wer glaubt, dass man hier schnell von A nach B kommt, hat sich getäuscht. La Gomera ist von hohen Bergen und tiefen Schluchten geprägt. Unzählige Serpentinen winden sich durch die zerklüftete Landschaft der Insel. Da verwundert es nicht, dass sich hier eine besondere Kommunikationsform entwickelt hat: die Pfeifsprache Silbo Gomero.

Verständigung von Berggipfel zu Berggipfel

Pfiffe hört man viel weiter als Rufe, daher sind sie die perfekte Art der Kommunikation auf der Vulkaninsel Bild: Hendrik Welling

In Zeiten, in denen Handys oder Festnetztelefone noch in ferner Zukunft lagen, konnte man mit Pfiffen Nachrichten über tiefe Täler hinweg übermitteln und Informationen austauschen. Schon die Ureinwohner der Insel sollen sich so verständigt haben. Und während ähnliche Pfeifsprachen in anderen Regionen Europas inzwischen fast ausgestorben sind, wird die Tradition auf La Gomera lebendig gehalten. Seit rund 20 Jahren ist Silbo Gomero Pflichtfach an allen Schulen der Insel. Und seit 2009 gehört die Sprache zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO. Gerade einmal sechs Pfeiftöne umfasst das Kommunikationssystem: vier Konsonanten und zwei Vokale. Einfach ist es aber längst nicht. Rund 4.000 Begriffe kann man damit – je nach Abfolge, Lautstärke und Tonhöhe – abdecken. Die genaue Bedeutung erschließt sich meist durch den Zusammenhang.

Richtig pfeifen will gelernt sein

Wie schwierig es ist, auch nur die Grundlagen der Pfeifsprache zu lernen, musste sich DW-Reporter Hendrik Welling bei seinem Aufenthalt auf La Gomera eingestehen. Für die Reihe "Europa maxximal" im Lifestyle- und Kulturmagazin "Euromaxx" wollte er wissen, was es mit dieser besonderen Tradition auf sich hat. Bei seinem Besuch auf der Kanareninsel hat er sich mit echten Silbo-Gomero-Profis getroffen und sogar noch einmal die Schulbank gedrückt. Ob er sich am Ende seiner Reise mit Pfiffen verständigen konnte, erfahren Sie in unserem Video.

Bis zu drei Kilometer weit kann man die Pfiffe bei guten Bedingungen hören. Viele Insulaner nutzen die Sprache bis heute regelmäßig. Anhand des Klangs der Pfiffe können sie sogar ihr Gegenüber identifizieren – denn genau wie die Stimme sind die Pfeiftöne aller Menschen verschieden. Silbo Gomero ist ein kulturelles Relikt, das dank des Schulunterrichts auf La Gomera nicht nur eine Vergangenheit, sondern auch eine Zukunft hat.


Service-Tipps:

Adresse: La Gomera, Kanarische Inseln, Spanien

Anreise: Mit dem Flugzeug nach Teneriffa-Süd, weiter mit Bus nach Los Cristianos. Von dort geht es mit der Fähre nach La Gomera.

Der besondere Tipp: Im Nationalpark Garajonay im Zentrum der Insel gibt es auf dem Aussichtspunkt "Mirador de Igualero" ein Denkmal für den Silbo Gomero. Die moderne Skulptur symbolisiert einen pfeifenden Inselbewohner.

 

Das Buch zur Reihe

Europa von seiner extremen Seite: Die Reihe "Europa maxximal" im Lifestyle- und Kulturmagazin "Euromaxx" macht europäische Superlative erlebbar – von außergewöhnlicher Architektur über spektakuläre Landschaften bis hin zu einzigartigen kulturellen Phänomenen. Begleitend zur Reihe erscheint das Buch "111 extreme Orte, die man gesehen haben muss" in Kooperation mit dem Emons Verlag. Ein alternativer Reiseführer, informativ und unterhaltsam zugleich. Für Reiselustige, Europa-Fans und alle, die gerne mit ausgefallenem Partywissen angeben. Rekordverdächtig gut!

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