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Politik

Simbabwe: Reform der Landreform?

22. Dezember 2017

Ein enteigneter weißer Farmer kehrt auf seinen Hof in Simbabwe zurück. Grenzt sich der neue Präsident damit von den Landreformen seines Vorgängers ab? Sein Ziel ist vor allem eines: die Wirtschaft ankurbeln.

Simbabwe Rob Smart und sein Sohn Darreyn bekommen ihre Farm zurück
Robert Smart und sein Sohn Darreyn bei ihrer Ankunft auf der FarmBild: Reuters/P. Bulawayo

Ein weißer Farmer, der im Zuge der umstrittenen Landreformen in Simbabwe unter Präsident Robert Mugabe enteignet wurde und sein Land an einen Unterstützer des Präsidenten abtreten musste, ist als erster weißer Farmer auf seinen Hof zurückgekehrt. Vom Militär eskortiert und unter Jubeln der Dorfgemeinschaft, kehrten Robert Smart und seine Familie auf das Land ungefähr 200 km außerhalb der Hauptstadt Harare zurück. Das lässt vermuten, dass der neue Präsident Emmerson Mnangagwa sich von dem politischen Kurs seines Vorgängers distanzieren möchte.

Vergeltungskampagne

Unter Mugabe hatte im Jahr 2000 eine Enteignungswelle begonnen, in deren Zuge mehr als 4000 der 4500 weißen Farmer des Landes mit Unterstützung des Staates enteignet und teilweise gewaltsam von ihrem Land vertrieben wurden. Das offizielle Ziel der Landreform war, aus der Kolonialzeit resultierende Ungerechtigkeiten zu beenden. Weiße machen zwar nur ein Prozent der Bevölkerung in Simbabwe aus, besaßen jedoch riesige Flächen an produktivem Land. Nach Angaben von Kritikern profitierten jedoch vor allem Mugabe-Anhänger von der Umverteilung. Die landwirtschaftliche Produktion des Landes brach zusammen.

Der neue Staatschef: Emmerson Mnangagwa Bild: Reuters/P. Bulawayo

In seiner Antrittsrede hatte Mnangagwa, jahrelanger Verbündeter von Mugabe, zwar verkündet, die umstrittenen Landreformen seines Vorgängers nicht umkehren zu wollen. Die Rückkehr von Robert Smart könnte darauf hinweisen, dass der neue Staatschef einen gemäßigteren Kurs bei Landreformen einschlägt.

Schon vor ein paar Wochen sicherte ein Minister der neuen Regierung laut der südafrikanischen Wochenzeitung "African Independent" mehreren weißen Farmern zu, auf ihr Land zurückkehren zu können. Anfang des Monats war der stellvertretende Finanzminister des Landes, Terrence Mukupe, ins Nachbarland Zambia gereist, um weiße Farmer, die Simbabwe im Zuge der Enteignung verlassen mussten und jetzt in Sambia Land bewirtschaften, zu treffen. 

Ein neuer Kurs?

Mnangagwa hatte seit Beginn seiner Amtszeit Armut und Korruption im Land den Kampf angesagt und angekündigt, die Ankurbelung der am Boden liegenden Wirtschaft zur Priorität seines Mandats zu machen. Die Arbeitslosigkeit in Simbabwe liegt bei 90 Prozent. Die Vergeltungskampagne für Kolonialverbrechen gilt neben Korruption und schlechter Regierungsführung als einer der Gründe für Simbabwes zusammengebrochene Wirtschaft. Im August 2018 soll es spätestens Neuwahlen geben und Mnangagwa steht unter Druck, das wirtschaftliche Chaos in dem Land in den Griff zu bekommen. 

Simbabwe: Umjubelte Rückkehr

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Im November hatte Mnangagwa nach einer Intervention des Militärs die Nachfolge Mugabes an der Spitze des Staates angetreten. Mugabe regierte Simbabwe 37 Jahre und stand wegen der verheerenden Wirtschaftskrise und zahlreichen Menschenrechtsverletzungen in der Kritik. Mnangagwa war unter dem Langzeitpräsidenten unter anderem Finanz- und Verteidigungsminister und wird für brutale Unterdrückungsmethoden verantwortlich gemacht. Seine Skrupellosigkeit brachte ihm den Spitznamen "Krokodil" ein.

lh/fab (dpa, Reuters, AFP)

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