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PolitikGlobal

Immer weniger Geld - bald keine Friedensmissionen mehr?

25. Mai 2026

Den Vereinten Nationen fehlen Milliarden US-Dollar. In Krisengebieten gibt es immer weniger friedenssichernde Truppen. SIPRI-Forscher sehen eine gefährliche Abwärtsspirale.

Libanon 2025 | UNIFIL-Fahrzeuge fahren neben zerstörten Gebäuden auf einer Straße
Fahrzeuge der UNIFIL-Mission im Süden des Libanons (Archivbild) Bild: Hassan Ammar/AP Photo/picture alliance

Blauhelmsoldaten der Vereinten Nationen sollen Frieden sichern, wo Konflikte eskalieren. Sie sind weltweit im Einsatz, oft unter gefährlichsten Bedingungen. Doch um solche internationalen Friedensmissionen und auch um regionale Initiativen ist es immer schlechter bestellt.

Nach einer Analyse des Stockholmer SIPRI-Instituts fiel die Zahl der internationalen Einsatzkräfte bei Friedensoperationen 2025 auf den niedrigsten Stand seit mindestens 25 Jahren. Ende Dezember waren demnach 78.633 Friedenssichernde im Einsatz. Das sind dem Bericht der Friedensforscher zufolge 49 Prozent weniger als noch vor zehn Jahren. Das Jahr 2025 verzeichnete mit 17 Prozent den stärksten jährlichen Rückgang der vergangenen zehn Jahre.

Die meisten Einsatzkräfte in Afrika südlich der Sahara

SIPRI- Forscher Jaïr van der Lijn warnte vor einer "dramatischen Schwächung der multilateralen Konfliktbewältigung" und einer "fast vollständigen Marginalisierung von Institutionen wie den Vereinten Nationen". Dies könne auch mehr Konflikte zur Folge haben. "Und diese werden wahrscheinlich noch schwerwiegendere Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung haben", machte van der Lijn deutlich.

UN-Blauhelmsoldaten in der Nord-Kivu-Provinz in der Demokratischen Republik Kongo (Archivbild) Bild: Justin Kabumba/AP/picture alliance

Das SIPRI-Institut berücksichtigte für die Datenerhebung multilaterale Friedensmissionen, sowohl mit als auch ohne UN-Mandat. In Afrika südlich der Sahara und in Europa waren im vergangenen Jahr jeweils 18 Missionen im Einsatz, im Nahen Osten und in Nordafrika zusammen 14, fünf auf dem amerikanischen Doppelkontinent sowie drei in Asien und Ozeanien. Insgesamt 70 Prozent der Einsatzkräfte waren in Afrika südlich der Sahara stationiert.

Immer weniger Geld

Die Forscher sehen einen Grund für den Rückgang vor allem bei der mangelnden Finanzierung. Den Friedenssicherungseinsätzen der Vereinten Nationen hätten im Juli 2025 zwei Milliarden US-Dollar ihres für 2024 bis 2025 vorgesehenen Budgets von 5,6 Milliarden Dollar gefehlt. Wichtige Geldgeber hatten ihre Zusagen laut SIPRI nicht rechtzeitig oder vollständig erfüllt. Bei mehreren Einsätzen sei deshalb in erheblichem Umfang beim Personal gekürzt worden.

Erst Ende Januar warnte UN-Generalsekretär António Guterres nochmals vor einem finanziellen Kollaps der Vereinten Nationen Bild: China News Service/VCG/IMAGO

Auch die geopolitische Lage und die damit verbundenen politischen Pattsituationen im UN-Sicherheitsrat sind dem Bericht zufolge ein Problem. Die fünf ständigen Mitglieder im höchsten Gremium der Vereinten Nationen -  USA, China, Russland, Großbritannien und Frankreich - können Vorhaben mit ihrem Veto blockieren. Allein die Androhung eines Vetos erschwere Entscheidungen über die Verlängerung von Mandaten für die Einsätze.

Regionale Bündnisse können Lücke nicht füllen

Friedensmissionen, die von regionalen Organisationen oder Bündnissen wie etwa der Afrikanischen Union (AU) eingesetzt sind, können die Vereinten Nationen laut den SIPRI-Forschern nicht ersetzen. Denn auch sie hätten mit Unterfinanzierung und festgefahrenen Entscheidungsprozessen bei Friedensoperationen zu kämpfen. Auch fehle regionalen Organisationen oft die Expertise.

Das international renommierte SIPRI-Institut wurde 1966 gegründet. Bekannt sind die Friedensforscher vor allem für die Berichte und Daten zu den globalen Militärausgaben oder Waffentransfers zwischen Staaten.

se/pgr (epd, kna, dpa, afp)

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