Sizilien vor dem Kollaps
18. Juli 2012
Italiens Regierungschef Mario Monti befürchtet eine Pleite der hoch verschuldeten Region Sizilien, und dies mitten in der Finanz- und Schuldenkrise des Landes. Für die Krise der Insel seien auch die lokalen Behörden verantwortlich. Monti erklärte, er erwarte von Gouverneur Raffaele Lombardo eine Bestätigung, dass dieser bis zum Monatsende zurücktrete.
Die Mailänder Zeitung "Corriere della Sera" berichtete am Mittwoch, ein Finanzkollaps der Südregion könnte Montis Spar- und Reformplänen schaden. Dagegen erklärte die Ratingagentur Fitch, es gebe kein unmittelbares Risiko, dass die Inselregierung ihren Verpflichtungen nicht nachkommen könnte. Die Bonitätswächter bewerten Sizilien mit BBB+ und damit eine Stufe schlechter als die Regierung in Rom.
Hochverschuldet und aufgeblähte Verwaltung
Die ungewöhnliche Intervention Montis unterstreicht jedoch die Schwere der finanziellen Probleme Siziliens, wo rund 5,5 Prozent des italienischen Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftet werden. Die autonome Region gilt als Armenhaus des Euro-Landes und hat nach Einschätzung von Kritikern einen aufgeblähten Verwaltungsapparat mit Zehntausenden von Beschäftigten. Trotz einer Verschuldung von rund 5,3 Milliarden Euro wurde die Zahl der Angestellten im öffentlichen Dienst 2011 noch einmal um mehr als 30 Prozent erhöht.
Die Arbeitslosenquote Siziliens ist mit 19,5 Prozent doppelt so hoch wie der italienische Durchschnitt. Die Verschuldung lag nach Angaben des italienischen Rechnungshofes Ende 2011 bei 21 Milliarden Euro. Lombardo, seit 2008 Siziliens Präsident, meinte zu Montis Brief nur, die Konten der Region seien in Ordnung.
iw/SC (dpa, rtr)