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Skeleton: Manipulierte Team Kanada Olympia-Qualifikation?

Jonathan Crane
12. Januar 2026

Eine Skeleton-Pilotin aus den USA wirft Joe Cecchini, dem Cheftrainer Kanadas, Manipulation vor. Ihr und anderen Konkurrenten fehlen deswegen nun wichtige Qualifikationspunkte für die Olympischen Winterspiele.

Skeleton: Katie Uhlaender im Frauenrennen
Skeleton-Pilotin Katie Uhlaender hat für die USA an fünf Olympischen Winterspielen teilgenommenBild: David Kirouac/BEAUTIFUL SPORTS/picture alliance

"Ich habe geweint, als ich erfuhr, dass er seinen Plan tatsächlich umgesetzt hat", sagt Katie Uhlaender aus den USA gegenüber der DW. Die Skeleton-Pilotin hat ihr Land seit Turin im Jahr 2006 bei fünf Olympischen Spielen vertreten.

"Ich wusste nicht, was mehr schmerzt: Dass ein Freund seit 20 Jahren meinen Traum begräbt - mein Olympiatraum ist vorbei. Oder dass er seit 20 Jahren etwas so Schreckliches tut, das so vielen Menschen schadet", sagt sie.

Im "besten Interesse des Nationalteams"

Laut Uhlaender soll Kanadas Cheftrainer Joe Cecchini ihr in einem Telefonat am vergangenen Freitag verraten haben, was er plant, damit sich seine Top-Athletin Jane Channell sicher für die Olympischen Spiele qualifiziert: Beim North American Cup in Lake Placid, der vom 2. bis 11. Januar stattfand, sollten ursprünglich sechs kanadische Skeleton-Pilotinnen starten. Allerdings wurden vier von ihnen kurzfristig angewiesen, ihre Teilnahme zurückzuziehen. 

Dadurch sank die Teilnehmerzahl unter 21, und das hatte entscheidende Folgen: Es gab weniger Qualifikationspunkte, was es schwieriger machte, kanadische Athletinnen wie Channell in der Olympia-Rangliste noch einzuholen.

Uhlaender zufolge habe Cecchini - der 2018 für Italien bei Olympia antrat - ihr am Telefon gesagt, dass er "jede Möglichkeit ausschließen" wolle, dass Channell, eine erfahrene Olympia-Teilnehmerin, die Qualifikation verpasst.

Ihre Schilderung des Anrufs wird durch eine E-Mail gestützt, die von Cecchini an Mitglieder des kanadischen Teams geschickt und der DW von einer anderen Quelle weitergeleitet wurde. Darin erklärt der Trainer seine Entscheidung, Athleten zurückzuziehen, um "ein vollständiges und genaues Verständnis der Punkte-Landschaft, der Qualifikationsauswirkungen und der bestätigten Startnummern sicherzustellen". Er fügt hinzu, dass die Teilnahme im "besten Interesse des Nationalteams" bestimmt werde.

Als Uhlaender Cecchini am Telefon anflehte, seine Meinung zu ändern, habe der Italiener gefragt, warum es seine Aufgabe sei, "andere Länder zu fördern".

Zwar gewann Uhlaender den Wettbewerb in Lake Placid, für ihre sechste Olympiateilnahme reichte es aber nicht mehr. Cecchinis Vorgehen habe ihre Hoffnung zerstört, in Italien ein sechstes Mal bei Olympia dabei zu sein. 

Jüngere Athleten "haben Angst, sich zu äußern"

Nun fordert sie den internationalen Bob- und Skeleton-Verband (IBSF) auf, Cecchinis Verhalten zu untersuchen. Sie wirft dem Trainer vor, andere Nationen und sein eigenes Team mit "Mobbing-Taktiken" unter Druck gesetzt zu haben. 

Uhlaender gewann den Wettkampf in Lake Placid zwar, dennoch fehlten ihr Punkte für die Olympia-QualifikationBild: Seth Wenig/AP Photo/picture alliance

"Er hat seinen jüngeren Athleten gezeigt, dass eine Athletin wichtiger ist als sie", sagte die 41-Jährige. "Was lehrt das die anderen? Sie haben Angst, sich zu äußern. Sie wollen einfach nur fahren."

Cecchini, so Uhlaender, gehe es nicht darum, seine Athleten zu schützen, sondern das System zu manipulieren. Auch Athleten aus Dänemark, Israel und Malta waren von den Rückzügen des kanadischen Teams betroffen. Gemeinsam mit den USA schrieben ihre Cheftrainer an die Athletenkommission des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) und äußerten "ernsthafte Bedenken" hinsichtlich des Qualifikationsprozesses.

Als Reaktion auf eine Anfrage der DW bestätigte die IBSF am Montag, dass sie die Vorwürfe prüfe. "Nach den jüngsten Diskussionen über den Rückzug mehrerer kanadischer Skeleton-Athleten beim IBSF North American Cup (NAC) am vergangenen Wochenende in Lake Placid (USA) hat die IBSF ihre Integritätseinheit beauftragt, eine Untersuchung des Vorfalls durchzuführen", erklärte der Verband in einer E-Mail.

Kanadischer Verband verteidigt Vorgehen

Ob tatsächlich Regeln verletzt wurden, ist allerdings unklar. Laut Statuten spricht nichts dagegen, sechs Fahrerinnen anzumelden und vier davon auch kurzfristig wieder aus dem Wettbewerb zu nehmen. Uhlaender vermutet jedoch, dass Cecchinis Handeln gegen den Ethikkodex des IOC zur Manipulation von Wettbewerben verstoße, den alle Skeleton-Athleten und Trainer einhalten müssen.

"Ich hoffe, dass die IBSF das Richtige tut und für dieses Rennen volle Punkte vergibt, wegen der Manipulation, die Kanada gezeigt hat", sagt Uhlaender. "Und ich hoffe, dass jemand sein [Checchinis] Verhalten untersucht. Ich mache mir Sorgen um die Athleten, weil ich nicht will, dass Joe sich an ihnen rächt."

Als Cecchini die Möglichkeit bekam, persönlich Stellung zu nehmen, verwies er die DW an seinen nationalen Verband, Bobsleigh Canada Skeleton (BCS).

Sie soll von den Personal-Rochaden ihres Trainers profitiert haben: Kanadas zweimalige Olympia-Teilnehmerin Jane ChannellBild: Romans Koksarovs/IMAGO

In einer Stellungnahme erklärte BCS, dass es "nicht im besten Interesse" der "jungen und relativ neuen" Athleten gewesen sei, zu starten, und dass der Rückzug "angemessen, transparent und im Einklang mit dem Wohlergehen der Athleten und der Integrität des Sports" erfolgt sei.

Zudem habe eine erfahrene Athletin den kanadischen Trainern im Namen des Teams geschrieben, um ihre "volle Unterstützung" für die Entscheidung auszudrücken. Die Behauptung, Athleten hätten Angst, sich zu äußern, "könnte gar nicht weiter von der Wahrheit entfernt sein", so BCS.

Dieser Artikel wurde aus dem englischen Original "Cheating scandal hits skeleton Winter Olympic qualifier" adaptiert und am 13. Januar aktualisiert.

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