Softwareproblem bei A320-Jets: Airbus-Chef entschuldigt sich
Veröffentlicht 30. November 2025Zuletzt aktualisiert 30. November 2025
Flug Jetblue 1230 von Cancun in Mexiko nach Newark im Nordosten der USA am 30. Oktober: Die 20 Jahre alte Maschine vom Typ A320-232 war gerade gut 45 Minuten unterwegs, als es über dem Golf von Mexiko zu einem Zwischenfall kommt. Der Airbus der US-Airline mit dem Kürzel N605JB sackt ohne Zutun der Piloten plötzlich ab.
Nach Informationen der Datenbank Aviation Safety Network (ASN) konnte der Autopilot die Lage nach vier bis fünf Sekunden stabilisieren. Mehrere Passagiere wurden verletzt, die Maschine musste in Tampa in Florida notlanden, einige Reisende kamen ins Krankenhaus.
Sonneneruption als mögliche Ursache
Mittlerweile gilt eine Eruption auf der Sonne als mögliche Ursache. Der anschließende Partikelsturm könnte die Software in einem der Bordcomputer der Jetblue-Maschine durcheinandergebracht haben. Airbus zog deshalb an diesem Freitagabend Konsequenzen. Der europäische Flugzeughersteller schlug Alarm, empfahl Airlines betroffene Maschinen nicht starten zu lassen, sondern zunächst ein Software-Update durchzuführen. Davon betroffen: mehr als 6000 Flugzeuge aus der A320-Familie.
Während zahlreiche Fluggesellschaften wie American Airlines, United Airlines, Lufthansa, Wizz Air und Air India die notwendigen Software-Aktualisierungen nach eigenen Angaben bereits größtenteils am frühen Samstagmorgen abgeschlossen hatten, kam es andernorts zu erheblichen Störungen. Insgesamt wurden Hunderte Flüge in Europa, Asien und den USA gestrichen.
Die kolumbianische Fluggesellschaft Avianca, die etwa 70 Prozent ihrer Flotte überholen lassen muss, rechnete mit "deutlichen Beeinträchtigungen in den kommenden zehn Tagen" und setzte den Ticket-Verkauf bis zum 8. Dezember aus. Auf den Philippinen mussten Philippine Airlines und Cebu Pacific mehr als 40 Flüge streichen.
In Japan cancelte ANA am Samstag 95 Verbindungen, wovon 13.500 Reisende betroffen waren. In den USA strich Jetblue nach eigenen Angaben Dutzende für diesen Sonntag geplante Flüge.
Zuvor hatte US-Verkehrsminister Sean Duffy noch erklärt, Reisende sollten keine größeren Störungen erwarten. Zu den Unregelmäßigkeiten in den Flugplänen kommt es ausgerechnet am Wochenende nach Thanksgiving, bei dem es in den USA traditionell ein sehr hohes Reiseaufkommen gibt.
Entschuldigung von Airbus-Chef Faury
Der Vorstandsvorsitzende von Airbus, Guillaume Faury, drückte sein Bedauern aus und richtete sich per Social-Media-Post an Fluggesellschaften und Reisende: "Ich möchte mich aufrichtig bei unseren Airline-Kunden und den Passagieren entschuldigen, die jetzt betroffen sind." Die Software-Panne habe zu "erheblichen logistischen Herausforderungen und Verzögerungen" geführt.
"Unsere Teams arbeiten rund um die Uhr, um unsere Betreiber zu unterstützen und sicherzustellen, dass diese Updates so schnell wie möglich bereitgestellt werden, damit die Flugzeuge wieder in die Luft gehen und den normalen Betrieb mit der von Airbus gewohnten Sicherheitsgarantie wieder aufnehmen können", so Faury am Samstag.
Bei der Reparatur, die zwei bis drei Stunden pro Flugzeug dauert, wird eine frühere Software-Version aufgespielt. In einigen Fällen muss allerdings auch die Hardware selbst ausgetauscht werden.
Airbus hatte am Freitagabend mitgeteilt, dass es durch intensive, von der Sonne ausgelöste Partikelströme zu einer fehlerhaften Datenverarbeitung in einem der Flugkontrollrechner kommen könne, was für die Steuerung von entscheidender Bedeutung sei.
Astronomin Barbara Perri von der der Universität Paris-Saclay erläutert das Phänomen: Zu einer wie von Airbus festgestellten Beeinträchtigung von Flugzeugen könne es kommen, wenn von der Sonne ausgesendete elektrisch geladene Teilchen Strahlung in die Erdatmosphäre abgeben.
Im Wesentlichen würden die Partikel zwar von der Atmosphäre abgelenkt, die wie eine Barriere wirke. Einige würden jedoch in Form von Strahlung wieder abgegeben, die in die Erdatmosphäre vordringe, sagte Perri, der französischen Zeitung "Le Parisien". Die Strahlung könne dann von Flugzeugen absorbiert werden, was deren elektronisches System beeinträchtigen und Störsignale erzeugen könne.
Auch Papst-Flieger betroffen
Auch das Flugzeug des Papstes war betroffen, mit dem das katholische Kirchenoberhaupt gerade die Türkei besucht. Leo der XIV. ist mit einem Airbus A320neo der Fluggesellschaft ITA unterwegs.
Ein eigens eingeflogener Techniker habe das Problem inzwischen lösen können, heißt es aus der türkischen Metropole Istanbul. Der geplanten Weiterreise des Papstes am Sonntagnachmittag in Libanons Hauptstadt Beirut steht also nichts mehr im Weg.
AR/fab/haz (rtr, dpa, kna, afp, ASN)