Alte Solaranlagen: Rohstoffquelle der Zukunft
20. Juli 2026
Sie halten jahrzehntelang, doch immer mehr Solarmodule werden demnächst ersetzt und können dann als Rohstoffquelle dienen. Ab Anfang der 2000er Jahre wurden weltweit jährlich über 1,5 Millionen Module installiert, damals vor allem in Deutschland und Japan.
Inzwischen gibt es weltweit rund acht Milliarden Module mit über drei Terawatt Leistung, und der Ausbau beschleunigt sich weiter.
Viele ältere Anlagen erreichen bald ihr Lebensende, aber noch fehlen ausreichend Recyclinganlagen für den kommenden Boom.
Wie lange hält eine Solaranlage?
Solarmodule halten sehr lange: nach 30 Jahren können die meisten noch 85 Prozent der Ursprungs-Leistung bringen.
Neuere Module sind auf der Rückseite häufig mit Glas verschlossen anstatt wie früher mit Kunststoff. Experten rechnen damit, dass diese Glas-Glas-Module über 40 Jahre halten können.
Andere Bauteile wie Wechselrichter, die den Gleichstrom aus den Modulen in Wechselstrom umwandeln, müssen nach etwa 15 Jahren ausgetauscht werden, Batteriespeicher nach 10 bis 15 Jahren. Die Edelstahl-Unterkonstruktionen von Modulen halten 30 bis 50 Jahre, bei Aluminium sind es 25 bis 30 Jahre.
Welche Materialien aus Modulen sind wiederverwertbar?
Über 85 Prozent des Modulgewichts wird recycelt. Das lohnt sich bei einigen Materialien besonders.
- Aluminium Der Alurahmen kann leicht entfernt und eingeschmolzen werden. Wert pro Modul: etwa 4 Euro.
- Glas macht 70 Prozent eines Moduls aus, etwa 10 bis 17 Kg des Gewichts. Es kann zu Dämmstoffen weiterverarbeitet werden. Wert pro Modul: Unter 1 Euro.
- Silizium ist das Halbmetall, was in den meisten gängigen Modulen den Strom erzeugt. Bei hochwertiger Aufbereitung ist es für neue Solarzellen verwendbar. Wert pro Modul: Ca. 1 Euro.
- Silber ist das wertvollste Material im Modul. Etwa 19 Gramm stecken in den sehr dünnen Silber-Leiterbahnen der Solarzellen. Um Silber zurückzugewinnen werden spezielle Verfahren gebraucht. Wert pro Modul: Ca. 25 Euro.
- Kupfer wird im Kabel für die Anschlussdosen verbaut. Wert Pro Modul: Ca. 1 Euro.
Kunststoff-Bauteile und Folien werden derzeit nicht recycelt.
Wie schwierig ist Solar-Recycling?
Solarmodule sollen möglichst lange halten, ob bei Starkregen, Hagel, extremer Hitze oder Frost. Entsprechend robust werden sie produziert. Die Solarzellen, Kunststofffolie und das Glas werden bei hoher Temperatur zu einem fest verbundenen Sandwich gepresst.
Diese fest verbundenen Rohstoffe wieder zu trennen ist eine große Herausforderung. Recyclingbetriebe setzen dazu heiße Messer, starke Lichtblitze, Öfen und Säuren ein. Mit einer Kombination verschiedener Verfahren können bis zu 99 Prozent der Wertstoffe in hoher Qualität wiedergewonnen werden. Aber das ist kostspielig, darum wird nicht immer alles recycelt.
Mit den gewonnenen Rohstoffen können neue Module gefertigt werden oder auch Computerchips oder Fensterscheiben. Einfache Recycling-Anlagen brauchen zum Teil weniger Energie und Chemikalien, holen jedoch nicht alle Produkte in hoher Qualität zurück. Aus dem etwas verunreinigten Glas wird dann zum Beispiel Glaswolle als Dämmmaterial produziert.
Ungenutzt bleiben bislang die verbauten Kunststoffe. Sie zersetzen sich teilweise bei hohen Temperaturen im Ofen, oder sie wandern bei einer mechanischen Abtrennung in Verbrennungsanlagen.
Wohin mit alten Modulen?
Nicht überall ist das Recyling von Solarmodulen bereits geregelt. Deutschland und andere Regionen, in denen schon länger viele Solaranlagen stehen, sind auch beim Recycling schon weiter.
- Vorreiter EU: Die Rückgewinnung ist gesetzlich geregelt. Mindestens 80 Prozent der Bestandteile müssen recycelt werden. Wer als Privathaushalt alte Module entsorgen will, kann sie zum Beispiel in Deutschland beim regionalen Wertstoffhof kostenlos abgeben.
- USA: Ein nationales Gesetz für den Umgang mit alten Modulen gibt es derzeit nicht, in zwei Bundesstaaten jedoch Verwertungsgesetze. Das Recyceln von großen Modulen kostet zwischen 15 und 45 Dollar. Die Deponierung hingegen maximal fünf Dollar.
- China: Die Regierung hat im März 2026 Richtlinien zum Umgang mit ausgedienten Modulen veröffentlicht. Das Ziel ist die umfassende und hocheffiziente Verwertung der Rohstoffe aus den alten Modulen mit innovativer Technik. 12 Millionen Module sollen 2027 recycelt werden können.
- Japan, Australien und Südkorea: Module sollen ebenfalls möglichst umfassend recycelt werden. Vorgaben für die Sammlung und Wiederverwertung gibt es bereits in Südkorea. In Japan und Australien werden innovative Recylingsysteme aufgebaut.
Der Recyclingboom hat grade erst begonnen
Die weltweite Recyclingkapazität liegt derzeit bei rund 10 Millionen Solarmodulen pro Jahr. Die Anlagen stehen in den Ländern, wo seit den 2000er Jahren die meisten Module installiert wurden: in Europa, Japan, USA, China, Australien und Südkorea. Dort werden jetzt immer mehr alte Module ausgetauscht, weil die neuen auf gleicher Fläche doppelt so viel Strom erzeugen.
Der Solarausbau boomt immer schneller, 2025 wurden weltweit schon mehr als 1,5 Milliarden Solarmodule neu installiert. Recyclingunternehmen stellen sich darum auf einen schnell wachsenden Bedarf der Rohstoffgewinnung aus alten Modulen ein.
In vielen Ländern wird an neuen, effizienten Methoden geforscht, um das Solar-Recycling noch effizienter und lukrativer zu machen.
Andreas Obst, Forscher für PV-Recycling beim Fraunhofer CSP in Halle in Ostdeutschland, sieht einen Aufbruch der noch jungen Branche mit vielen Innovationen. "Ich rechne stark damit, dass die Automatisierung steigt, wir immer schneller die Module recyceln können und sich die Reinheit der gewonnen Materialien weiter erhöht", so Obst gegenüber der DW.
Wo die meisten Module recycelt werden
Für das Recyceln von den gängigen Siliziummodulen hat Deutschland derzeit die größte Kapazität mit rund 3,7 Millionen Modulen pro Jahr. In Italien und Frankreich können derzeit etwa 0,8 Millionen pro Jahr wieder aufbereitet werden.
Weitere Recyclinganlagen für Siliziummodule stehen in Australien, China, Japan und Südkorea, laut aktueller Studie mit einer Kapazität für rund 2,5 Millionen Module.
Die weltweit größte Recyclingkapazität hat derzeit nach eigenen Angaben der Modulhersteller First Solar. Das US-Unternehmen produziert sogenannte Dünnschichtmodule mit dem giftigen Cadmium statt Silizium.
Darum hat das Unternehmen die Rücknahme der Module mit Recycling streng geregelt. Laut der Firma können mit den Wiederverwertungsanlagen in den USA, Indien, Malaysia und Vietnam jährlich rund 2,6 Millionen Module recycelt werden. Dabei werden 95 Prozent der Materialien zurückgewonnen, einschließlich des Cadmiums.
Schutz für Gesundheit und Umwelt
Neben dem Wiederverwenden von Materialien ist es auch für Menschen und die Natur gesünder, ausgediente Solarmodule fachgerecht zu entsorgen.
Auch einige Module mit Silizium enthalten giftige Stoffe wie das Blei im Lötzinn. Blei ist ein starkes Nervengift und gesundheitsgefährdend. Beim Verrotten von Modulen in der Natur kann das Blei durch Regen auswaschen und ins Trinkwasser gelangen.
Den Export von noch funktionstüchtigen älteren Gebrauchtmodulen wie derzeit aus Europa in Länder ohne Recyclinganlagen sehen Experten deshalb kritisch.