1. Zum Inhalt springen
  2. Zur Hauptnavigation springen
  3. Zu weiteren Angeboten der DW springen

"Sollten Tschetschenen mit atomarer Erpressung beginnen, wird es auf der Welt kein Tschetschenien mehr geben"

4. Dezember 2002

– Ehemaliger Atomminister Russlands über verschwundenes Atommaterial und mögliche Anschläge

Moskau, 4.12.2002, ISWESTIJA, russ.

Jurij Wischnewskij, der Chef der Atomaufsichtsbehörde Gosatomnadsor, hat kürzlich erklärt, dass in den letzten zehn Jahren Nuklearmaterial aus Atomkraftwerken verschwunden ist, die sich auf dem Territorium der ehemaligen UdSSR befinden. Konnte dieses Material in die Hände von Terroristen gelangen? Muss man die atomare Erpressung seitens tschetschenischer Kämpfer fürchten? (...) Dazu äußerte sich der ehemalige Atomenergieminister Russlands und jetzige Direktor des Instituts für strategische Stabilität, Wiktor Michajlow, in einem Gespräch mit unserem Korrespondenten Aleksandr Chochlow. (...)

Frage:

Wiktor Nikitowitsch, Schamil Bassajew droht Russland mit atomarem Terrorismus? Müssen wir denn Angst haben?

Antwort:

Sollten tschetschenische Kämpfer versuchen, ein Atomkraftwerk in ihre Gewalt zu bringen oder beschließen, radioaktives Material zu zerstreuen, damit versuchen, den Boden und die Luft zu verseuchen, so wird das einer atomaren Kriegserklärung an Russland gleichkommen. Die USA haben Angst uns zu drohen, und irgendwelche Terroristen hier... Die Antwort, die den Tschetschenen gegeben wird, wird sehr hart ausfallen.

Frage:

Wie sicher werden die russischen Nuklearobjekte geschützt?

Antwort:

Haben Sie keine Zweifel: sehr sicher. Nicht nur durch uns, das Atomministerium, sondern auch durch das Verteidigungsministerium. Alles, bei dem es um Atomanlagen, Atomwaffen geht, wird äußerst sicher geschützt.

Frage:

Theoretisch kann man jedoch davon ausgehen, dass sich in jedem "Zaun" ein "Schlupfloch" findet ...

Antwort:

Theoretisch kann man alles mögliche annehmen. Die Rebellen müssen begreifen, dass die Verantwortung für deren Vorgehen das ganze Volk tragen wird. Sollten Tschetschenen mit atomarer Erpressung beginnen, wird es auf der Welt kein Tschetschenien mehr geben.

Frage:

Der Chef der Atomaufsichtsbehörde Russlands, Jurij Wischnewskij, erklärte, dass in den letzten zehn Jahren nukleares Material verschwunden ist. Konnte das in die Hände von Terroristen gelangen?

Antwort:

Es konnte.

Frage:

Wo und wie?

Antwort:

Sie konnten Uran-235 oder Uran-238 in Objekten erwerben, in denen Atomenergie für zivile Zwecke hergestellt wird. In Atomkraftwerken, in Brennstoffverarbeitungsbetrieben. All das abhanden gekommene atomare Material, von dem die Rede war, ist dort abhanden gekommen. Kaufen konnten sie es auch bei den Russen, die heute alles mögliche verkaufen, auch ihr Heimatland, um sich zu bereichern.

Frage:

Können die Terroristen aus diesem Material eine Atombombe bauen?

Antwort:

Atomwaffen das sind hohe Technologien, Labors, einmalige Anlagen. In einer Höhle geht das nicht.

Frage:

Kann man mit dem entwendeten Atommaterial ernsthaft den Boden verseuchen?

Antwort:

Mit dem "friedlichen Atom"? Nein. Würde man auf einer großen Fläche Uranerz oder gering angereicherten Brennstoff für Atomkraftwerke zerstreuen, so wird das die natürliche Untergrundstrahlung nur gering übersteigen. Ja, womöglich wird der Boden wieder urbar gemacht werden müssen. Aber die Wirkung, den die Terroristen erwarten, - massenhaftes Sterben von Menschen, Panik – wird es nicht geben. (...) (lr)

Den nächsten Abschnitt Top-Thema überspringen

Top-Thema

Den nächsten Abschnitt Weitere Themen überspringen