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PolitikChile

Sozialistin gewinnt erste Runde der Präsidentenwahl in Chile

17. November 2025

Chiles Präsidentschaftswahl geht in die entscheidende Runde: Die linke Jeannette Jara siegt vor dem Rechtspolitiker Kast, doch der gilt als Favorit für die Stichwahl. Sicherheit und Migration dominieren den Wahlkampf.

Porträtbild der linken Kandidatin Jeannette Jara
Die Linke Jeannette Jara gewinnt die erste Runde in Chile, gilt in der Stichwahl aber nicht als FavoritinBild: Rodrigo Arangua/AFP

Die Regierungskandidatin Jeannette Jara hat die erste Runde der Präsidentenwahl in Chile knapp gewonnen, muss Mitte Dezember jedoch in eine Stichwahl. Die gemäßigte Kommunistin erreichte fast 27 Prozent, wie das Wahlamt nach Auszählung nahezu aller Stimmen mitteilte. Der deutschstämmige Rechtspolitiker José Antonio Kast kam demnach auf gut 24 Prozent. Die beiden stärksten Bewerber treten nun am 14. Dezember gegeneinander an.

Jara rief nach dem ersten Wahlgang zu Zuversicht auf. "Lasst nicht zu, dass die Angst eure Herzen einfriert", sagte sie. Die 51-Jährige, ehemalige Arbeits- und Sozialministerin, gehört zwar der Kommunistischen Partei an, gilt aber als moderat und tritt für ein breites Mitte-Links-Bündnis an.

Rechtsaußen-Kandidat Jose Antonio Kast nach der Verkündung der Ergebnisse der ersten WahlrundeBild: Esteban Felix/AP Photo/picture alliance

Um die Nachfolge von Präsident Gabriel Boric hatten sich insgesamt acht Kandidatinnen und Kandidaten beworben. Das Wahlrecht schreibt eine Stichwahl vor, wenn kein Bewerber im ersten Durchgang die absolute Mehrheit erzielt.

Boric, der laut Verfassung nicht erneut antreten darf, gratulierte den Erfolgreichsten der ersten Runde. "In einer Demokratie sollten die Kandidaten, die die Bürger in den Gemeinden und Regionen vertreten wollen, öffentliche Amtsträger mit Ehrlichkeit, Integrität und Dienstbereitschaft sein", sagte er an seine möglichen Nachfolger gerichtet.

Kast bewundert früheren rechten Diktator

Für eine Überraschung sorgte der Wirtschaftswissenschaftler Franco Parisi, der entgegen den jüngsten Umfragen den dritten Platz erreichte. Hinter ihm folgten der ultrarechte Johannes Kaiser und die Konservative Evelyn Matthei.

Acht Kandidaten waren angetreten, um neuer Präsident oder neue Präsidentin von Chile zu werdenBild: Juan Gonzalez/REUTERS

Trotz Jaras Vorsprung gilt Kast nun als Favorit für die Stichwahl. Der ultrakonservative Kandidat der Republikanischen Partei könnte die Stimmen der unterlegenen rechten Bewerber auf sich vereinen. "Chile ist wichtiger als die Parteien", sagte der strenggläubige Katholik und neunfache Vater. Der 59-Jährige, der bereits zum dritten Mal antritt, zeigte sich siegesgewiss: "Wir werden unser Heimatland wieder aufbauen."

Kast, Sohn eines ehemaligen Wehrmachtssoldaten, wäre der erste Rechtsaußen-Präsident seit dem Ende der Pinochet-Diktatur im Jahr 1990. Er hat seine Bewunderung für den früheren Diktator, unter dessen Regime tausende Oppositionelle verfolgt, gefoltert und getötet wurden, nie verhehlt.

Der amtierende Präsident Chiles, Gabriel Boric (Archivbild)Bild: Kay Nietfeld/dpa/picture alliance

Der konservative Johannes Kaiser gestand seine Niederlage ein und rief seine Anhänger zur Unterstützung Kasts auf. Auch Matthei gratulierte den beiden Erstplatzierten. "Unser Vaterland verlangt demokratische Verantwortung, echte Lösungen für unsere großen Probleme und Dialogfähigkeit", erklärte sie.

Chilenen waren verpflichtet zu wählen

Sicherheit und Migration bestimmten den Wahlkampf. Obwohl die Mordrate während Borics Amtszeit um zehn Prozent sank, wächst die Sorge vor kriminellen Banden. Zugleich stiegen die Migrationszahlen, und viele Chilenen sehen einen Zusammenhang zwischen illegaler Einwanderung und Kriminalität.

Kast kündigte Massenabschiebungen der rund 337.000 Menschen ohne gültige Papiere - überwiegend Venezolaner - an. Zudem versprach er eine Grenzmauer, eine stärkere Polizeiausrüstung und Armeeeinsätze in besonders betroffenen Regionen. "Wir brauchen Einheit, um die Probleme im Zusammenhang mit der Sicherheit anzugehen", sagte er bei seiner Stimmabgabe.

Lange Schlangen in den Wahllokalen - zum ersten Mal seit 2012 galt wieder eine WahlpflichtBild: Javier Torres/AFP

Jara entgegnete nach ihrem Urnengang, sie habe "keinerlei Komplexe in puncto Sicherheit". Angst zu schüren reiche nicht aus, um ein Land zu regieren, betonte sie.

Parallel zur Präsidentschaftswahl wurden die Abgeordnetenkammer und die Hälfte des Senats neu gewählt. Erstmals seit 2012 galt in Chile wieder Wahlpflicht.

pgr/haz (dpa, afp, epd)

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