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Nach Ceuta-Streit: Spanien weist Reisende aus Italien zurück

9. August 2026

Im Konflikt über den Umgang mit Migranten geben sich die EU-Länder Italien und Spanien unnachgiebig - vorerst. Die Leidtragenden der wieder eingeführten Grenzkontrollen: die Reisenden.

Spanien Madrid 2026 | Ein Polizist kontrolliert am Flughafen Madrid die Papiere eines Einreisenden aus Italien (am Samstag)
Ein Polizist kontrolliert am Flughafen Madrid die Papiere eines Einreisenden aus Italien (am Samstag) Bild: Spanish Police/Handout/REUTERS

​Nach der Wiedereinführung von Grenzkontrollen durch die Regierung in Rom hat Spanien zehn Personen aus Italien die Einreise verweigert. Dies teilte das Innenministerium in Madrid mit. Insgesamt seien 199 Reisende an mehreren Flughäfen kontrolliert worden.

Auf Anweisung der linksgerichteten Regierung unter Ministerpräsident Pedro Sánchez werden seit Samstag an Flughäfen und Häfen Ankömmlinge aus Italien überprüft. Die Behörden hatten zuvor mitgeteilt, diese Maßnahme vorerst bis zum 7. September beizubehalten.

Spanien reagiert auf Italiens Kontrollen

Die ​Zentralregierung ‌in Madrid antwortet damit auf das entsprechende Vorgehen Italiens im Streit über unerlaubte Einwanderung. Dort hatte die rechtsgerichtete Regierungschefin Giorgia Meloni bereits zum 1. August die Schengen-Regeln für das Reisen ohne Grenzkontrollen mit Spanien ausgesetzt. Rom will die Kontrollen mindestens bis zum 15. August aufrechterhalten.

Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni (Archivbild) Bild: Stefano Costantino/Avalon/Photoshot/picture alliance

Der Schengen-Raum ermöglicht Reisen ohne Grenzkontrollen zwischen 29 europäischen Ländern. Die Mitgliedstaaten können jedoch aus Gründen der Sicherheit oder der öffentlichen Ordnung vorübergehend wieder Kontrollen einführen.

Italiens Tourismusverband: erhebliche Probleme 

Am Flughafen Madrid sagte eine Reisende aus Italien dem spanischen TV-Sender RTVE, schon im Flugzeug sei angekündigt worden, dass man die Maschine nur mit Ausweis verlassen dürfe. Vor dem Flugzeug hätten dann spanische Beamte gestanden. "Der Polizist hat gesehen, dass wir einen Pass hatten. Kontrolliert hat er ihn nicht, nur gesehen, dass wir ihn hatten", schilderte sie weiter. 

Spanische Polizisten am Flughafen Madrid vor einer Maschine aus Italien (am Samstag) Bild: Spanish Police/Handout/REUTERS

Der italienische Tourismusverband FIAVET sprach von erheblichen Problemen. "Es gibt Warteschlangen, Beeinträchtigungen bei den Dienstleistungen und bei den Verbindungen mit den Mietwagenunternehmen. Wer ein Reisebüro betreibt, hat bereits Probleme mit den Kunden."

Jedes Jahr reisen Millionen Touristen ins jeweils andere Land - etwa 5,4 Millionen Italiener nach Spanien und mehr als 3,2 Millionen Spanier nach Italien.

Rom: EU-Bürger nicht betroffen

Italiens Regierung hatte erklärt, die Maßnahme betreffe keine spanischen oder anderen Bürger der Europäischen Union. Vielmehr richte sie sich an Nicht-EU-Bürger, die per Flugzeug oder Schiff aus Spanien einreisten. Spanien und Italien haben keine gemeinsame Landesgrenze.

Als Grund für die Kontrollen nennt Meloni den Ansturm von 72.000 Migranten aus Marokko ​auf die spanische Nordafrika-Exklave Ceuta am 30. Juli.

Madrid: "Torpedo" gegen europäische Einheit

Aus Sicht der spanischen Regierung sind die von Italien zuerst verhängten Grenzkontrollen unfair, den Interessen der EU zuwiderlaufend und diskriminierend. Außenminister José Manuel Albares bezeichnete Italiens Vorgehen als "Torpedo unterhalb der Wasserlinie der europäischen Einheit".

Bislang gibt es auch keine Hinweise darauf, dass sich von den Migranten aus Ceuta jemand auf den Weg nach Italien gemacht hat. Die Menschen durften auch nicht das spanische Festland betreten. Die meisten von ihnen kehrten bereits wenige Tage nach dem Ansturm nach Marokko zurück. 

Meloni war 2022 mit dem Versprechen als Regierungschefin gewählt worden, hart gegen unerwünschte Migration vorzugehen. Im kommenden Jahr wird in Italien eine neues Parlament gewählt.

EU: Grenzkontrollen laut Rom und Madrid befristet

EU-Innenkommissar Magnus Brunner teilte am Samstagabend im Onlinedienst X mit, Spanien und Italien hätten zugesichert, die jeweiligen Grenzkontrollen seien nur vorübergehend. "Ich habe die Fortschritte hervorgehoben, die wir bei der Bekämpfung der illegalen Migration erzielt haben, und dass das Vertrauen zwischen den Mitgliedstaaten unser wertvollstes Gut ist", fuhr Brunner fort.

Die spanischen Behörden hätten versichert, dass die Ereignisse in Ceuta "keine dauerhaften Auswirkungen auf den Schengen-Raum haben werden".

se/gri (rtr, dpa, afp)

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