Spanien: Wie Waldbrände der Wirtschaft schaden
30. Juli 2026
Verkohlte Baumstümpfe, geschmolzener Asphalt, ausgebrannte Autos, zerstörte Gebäude: Die Waldbrände in Südeuropa hinterlassen eine Schneise der Zerstörung und verursachen Schäden in Milliardenhöhe.
Insbesondere Spaniens Wirtschaft droht unter den Aschewolken zu ersticken. Bereits 206.000 Hektar Waldfläche sind dort nach Angaben des EU-Erdbeobachtungssystems Copernicus in diesem Jahr in Flammen aufgegangen.
Feuer frisst Milliarden
"Im Jahr 2022, als in Spanien rund 300.000 Hektar Fläche durch Waldbrände vernichtet wurde, summierte sich der wirtschaftliche Schaden laut EU-Kommission auf 4,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes", erklärt Wirtschaftswissenschaftler Emilio Vizuete Luciano von der Universität Barcelona gegenüber der DW.
Die Brände zerstörten oft Wirtschaft und Handel in den betroffenen Regionen, so Vizuete Luciano. "Wenn der Tourismus aus den vom Feuer betroffenen Regionen verschwindet, hat dies für ganz Spanien gravierende wirtschaftliche Auswirkungen."
Brände bremsen Wirtschaftswachstum
Klimaökonomin Sarah Meier von der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich hat sich die wirtschaftlichen Verluste durch Waldbrände in Südeuropa genauer angeschaut. Ergebnis: In Regionen mit mindestens einem Waldbrand, verringerte sich die Wachstumsrate um 0,11 bis 0,18 Prozent.
Laut ihrer 2023 veröffentlichten Studiesteigerte sich die Rate der Wachstumsverluste bei mehreren Waldbränden gleichzeitig je nach Ausdehnung auf bis zu 4,5 Prozent. "Unsere Berechnungen sind ein Mittelwert über den Zeitraum von 2011 bis 2018", erläutert sie.
Und sie warnt: "Besonders kostspielig wird es, wenn die Waldbrände größere Städte erreichen, was bisher noch sehr selten passiert ist in Südeuropa."
Auch die Europäische Umweltagentur EEAhat die wirtschaftlichen Verluste vergangener Waldbrände berechnet. Im Jahr 2017, als im Süden Europas knapp 990.000 Hektar Fläche verbrannten, beliefen sich die Verluste auf knapp zehn Milliarden Euro (siehe Grafik).
Europa brennt
Laut EU-Kommission verliert die Staatengemeinschaft rund 500.000 Hektar Fläche pro Jahr durch Waldbrände. Spanien, Griechenlandund Frankreich gehören zu den Ländern, in denen die meisten Waldbrände wüten.
Zu den wirtschaftlichen Schäden gehören neben Einbußen im Tourismus unter anderem auch der Verlust von Biodiversität, Einnahmeverluste aus der Forstwirtschaft, Bodenerosion, zerstörte Infrastruktur und Immobilien sowie die Kosten für die Bekämpfung der Waldbrände.
Zu wenig Geld für Prävention
Über die Kosten für die Bekämpfung von Waldbränden ist in Spanien eine heftige Debatte ausgebrochen. Denn seit 2009 sinken ausgerechnet die Investitionen für die Prävention, obwohl Anzahl und Ausmaß von Waldbränden in den vergangenen zehn Jahren alarmierende Ausmaße angenommen haben.
Nach offiziellen Angaben haben sich die Ausgaben für Waldbrandpräventionin Spanien zwischen 2009 und 2024 von 364 Millionen Euro auf 144 Millionen Euro verringert. Die jährlichen Ausgaben für die direkte Löscharbeiten sind im gleichen Zeitraum stabil bei 417 Millionen Euro geblieben.
Für Wirtschaftsexperte Luciano "entbehrt dies nicht einer gewissen Ironie, denn Prävention ist nachgewiesenermaßen die beste langfristige Investition. Sie ist deutlich günstiger als die Bekämpfung von bereits ausgebrochenen Waldbränden."
Teure Löscharbeiten
Nach Angaben des spanischen Forst-Dienstleistungsunternehmen Forescatkostet die Bekämpfung und Löschung von Waldbränden rund 19.000 Euro pro Hektar. Angesichts der knapp 400.000 Hektar Waldfläche, die 2025 in Spanien in Flammen aufging, führte dies zu Kosten in Höhe von rund 7,6 Milliarden Euro.
Wie hoch die Kosten für die Bekämpfung der Feuer in Spanien in diesem Jahr ausfallen, ist noch nicht abzusehen. Für die Ärztin María Inmaculada Mármol Tardáguila vom Sozialverband Mats, der Beschäftigte im öffentlichen Gesundheitssektor vertritt, steht jedoch fest, dass es so nicht weiter gehen kann.
"Die Sicherheit unserer Wälder weiterhin auf die heldenhafte Leistungsfähigkeit der Löschmannschaften zu bauen, ist ökologischer Leichtsinn und haushaltspolitische Fahrlässigkeit", schreibt sie auf der Plattform des Verbandes, der zugleich vor der Zunahme von Atemwegserkrankungen durch den Rauch der Waldbrände warnt.
"Die Lösung besteht nicht darin, immer mehr Löschflugzeuge anzuschaffen, sondern zum Beispiel Brennmaterial wie Totholz aus den Wäldern zu entfernen, bevor der erste Funke überspringt."
Solange öffentliche Entscheidungsträger dies nicht verstünden, werde Spanien seinen "Etat weiterhin mit der gleichen Geschwindigkeit verbrennen, wie seine Wälder in Flammen aufgehen."