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Miese Umfragewerte: Hat die SPD ausgedient?

17. Februar 2026

Über Jahrzehnte war die älteste Partei Deutschlands eine feste politische Größe. Inzwischen kämpft die SPD um ihre politische Bedeutung.

Rote SPD-Fähnchen mit weißer Schrift stecken in einem Krug.
Die SPD tut sich schwer, in Deutschlands Parteiensystem ein klares Profil zu findenBild: Daniel Karmann/dpa/picture alliance

2026 ist ein Superwahljahr in Deutschland. In fünf der 16 Bundesländer wird ein neues Landesparlament gewählt. Die SPD hat wenig Grund für Optimismus. In zwei Bundesländern könnte ihr nach Jahrzehnten an der Macht die Abwahl drohen, so sehen es derzeit die Meinungsforscher. In zwei weiteren Bundesländern kommen die Sozialdemokraten in aktuellen Umfragen nur noch auf einstellige Ergebnisse. Allerdings wählen drei der fünf Bundesländer erst im Herbst eine neue Landesregierung. 

Erfolge bleiben aber auch auf Bundesebene aus. Schon lange dümpelt die SPD nur noch zwischen 13 und 16 Prozent. Was ist aus der einstigen Volkspartei geworden, die in ihren besten Zeiten fast jeden zweiten Wähler in Deutschland für sich einnehmen konnte? 

Der SPD sind die Arbeiter abhandengekommen

Um zu verstehen, was in der SPD schiefgelaufen ist, muss man weit zurückblicken. Gegründet wurde sie als klassische Arbeiterpartei in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts - als politische Interessenvertretung der praktisch rechtelosen Fabrikarbeiter. Lange Arbeitszeiten, niedrige Löhne, unsichere Jobs, fehlender Arbeitsschutz und Wohnungsnot prägten ihr prekäres Leben.

19. Jahrhundert: Die SPD setzte sich auch für die Arbeiter in den Kohlebergwerken einBild: Austrian Archives/brandstaetter images/picture alliance

Einfache Arbeiter blieben bis weit hinein in die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland die klassischen Wähler der SPD. Die Sozialdemokraten standen für eine Politik, die Bildung, Aufstieg und Erfolg unabhängig von der Herkunft versprach. Inzwischen gibt es die klassische Arbeiterschaft nicht mehr. Gut verdienende Industriearbeiter bilden längst den Mittelstand der Gesellschaft.

Die Linke: Eine Abspaltung von der SPD

Laut einer Analyse des Meinungsforschungsinstituts Forsa vom November 2025 würden von einfachen Arbeitern und Arbeitslosen heute nur noch neun Prozent die SPD wählen. Wer das Gefühl hat, gesellschaftlich benachteiligt zu sein, sympathisiert heute mit der in in Teilen rechtsextremen Alternative für Deutschland (AfD). Die Meinungsforscher von infratest-dimap veröffentlichten im Februar 2025 Zahlen, wonach 38 Prozent der Arbeiter AfD wählen.

Auch zur Linkspartei sind viele ehemalige SPD-Wähler gewechselt. Bitter für die Sozialdemokraten: Die Linke entstand auch aus der Unzufriedenheit über die Sozialpolitik der SPD unter dem früheren Bundeskanzler Gerhard Schröder.

Mit seiner SPD hatte Schröder 1998 die Bundestagswahl mit fast 41 Prozent der Stimmen gewonnen. Sein Credo: Wahlen gewinnt man nicht links, sondern in der Mitte der Gesellschaft. Angesichts einer hohen Arbeitslosigkeit und einer darniederliegenden Wirtschaft setzte er eine radikale Reform des Sozialstaats durch: die "Agenda 2010". Staatliche Sozialleistungen wurden gekürzt, der Kündigungsschutz gelockert, der Niedriglohnsektor ausgebaut.

Die SPD hat die Hälfte ihrer Wähler verloren

Von den konservativen Parteien CDU/CSU kam begeisterter Beifall für die Reform-Agenda. Für die deutsche Wirtschaft war sie ein Erfolg. Innerhalb der SPD hingegen kam es zu massivem Streit. Der linke Parteiflügel rebellierte und wollte Schröders Politik nicht mehr mittragen. 2005 gründeten prominente ehemalige SPD-Mitglieder und Gewerkschafter eine eigene, linke Partei.

April 2005: SPD-Bundeskanzler Gerhard Schröder (re.) mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin, mit dem ihn eine enge Freundschaft verbandBild: R. Jensen/dpa/picture-alliance

Innerhalb von zehn Jahren verlor die SPD fast die Hälfte ihrer Wähler, auch an die Grünen und die CDU. Angela Merkel, CDU-Vorsitzende und Bundeskanzlerin, rückte die CDU inhaltlich in die politische Mitte. Kritiker sprachen von einer Sozialdemokratisierung der CDU.

Fehlendes Profil in der "großen Koalition"

Für die Wähler wurde es immer schwerer, zwischen Union und SPD inhaltlich zu unterscheiden. Zumal CDU, CSU und SPD von 2005 bis 2021 die meiste Zeit zusammen in einer Koalition regierten. Die SPD ging in dieser Zeit viele politische Kompromisse ein und verlor zunehmend an Profil.

Forderungen nach einer inhaltlichen Neuausrichtung kamen angesichts des massiven Vertrauensverlusts bei den Wählern vom linken Parteiflügel. Mehr linke Sozial- und Steuerpolitik sollte helfen. Gutverdiener und Vermögende sollten über höhere Steuern und Abgaben stärker in die Pflicht genommen, Abstriche bei den Sozialleistungen verhindert werden. Doch in den Koalitionsregierungen, in denen die SPD steckte, war davon kaum etwas durchzusetzen.

Die "Ampel-Regierung": Intermezzo mit negativen Folgen

Vor der Bundestagswahl 2021 lag die SPD in den Umfragen bei 16 Prozent. Doch dann machte die CDU große Fehler, die SPD holte auf und gewann. Die Partei hoffte, nun endlich wieder auf der Erfolgspur zu sein. 

Das Gegenteil war der Fall. In der von SPD-Kanzler Olaf Scholz geführten Koalition mit den Grünen und der wirtschaftsliberalen FDP kam es rasch zu massivem Streit und Blockaden. Die sogenannte Ampel-Koalition platzte vorzeitig und das Ansehen der SPD war weiter ramponiert. Bei der Bundestagswahl 2025 kam sie nur noch auf rund 16 Prozent. Der Chef des Meinungsforschungsinstituts Forsa, Manfred Güllner, sprach nach der Wahl von einer "existenzbedrohenden" Situation für die SPD.

Neues SPD-Grundsatzprogramm geht nach links

Trotzdem gingen die Sozialdemokraten erneut als Juniorpartner in eine Koalition mit CDU/CSU - und haben nun die alten Probleme. Wieder laufen sie Gefahr, neben der Union kein eigenes Profil zeigen zu können. In der SPD wird bis 2027 ein neues Grundsatzprogramm erarbeitet, in dem viel linke Sozialpolitik vorkommen soll. Doch wie glaubwürdig ist das? Gegenüber dem Koalitionspartner sind solche Forderungen nicht durchsetzbar.

Die CDU ist unter ihrem Parteichef und Bundeskanzler Friedrich Merz wieder deutlich konservativer geworden und nach rechts gerückt. Angesichts leerer Staatskassen und einer sehr schwachen Wirtschaft werden Kürzungen bei den Sozialausgaben und ein erneuter "Agenda-Moment" verlangt. Eine große Reform des Sozialstaats, bei Rente, Gesundheit und Pflege sei nötig. 

Sind die Deutschen zu faul?

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Wie lange wird die Koalition halten?

Reformen hält auch die SPD für nötig, aber sie fordert, dass es niemandem hinterher schlechter gehen dürfe. Daher müssten Reiche höher besteuert werden und mehr Sozialabgaben zahlen. In der Bevölkerung gibt es dafür Zustimmung. Die SPD profitierte in Umfragen zuletzt leicht von der Forderung nach mehr Gerechtigkeit.

Die Union lehnt Steuerhöhungen aber ab. Einen offenen Streit versuchen Union und SPD derzeit wegen der bereits im März anstehenden ersten beiden Landtagswahlen zu vermeiden. Doch die Bundesregierung erscheint innenpolitisch zunehmend gelähmt. Allenfalls beim Vorschlag, den Zugang von Kindern unter 14 Jahren zu Social-Media-Plattformen zu verbieten, gibt es aktuell Übereinstimmung.

Man kann davon ausgehen, dass nach den ersten beiden Landtagswahlen wieder Bewegung in die Koalition kommen wird. Je schlechter die SPD in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz abschneidet, umso mehr dürfte allerdings der Druck in der Partei wachsen, wieder mehr Profil zu zeigen und sich von der Union abzugrenzen. Vielleicht kann man es mit einem Bild vergleichen: Wer zu ertrinken droht, der schlägt immer stärker um sich.

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