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Springer-Konzern: Gespräche mit Kanzler Merz über die AfD

21. Juli 2026

Will der mächtige deutsche Medienkonzern, dass Kanzler Merz mit der AfD zusammen arbeitet? Fest steht nur: Merz und Springer-Chef Döpfner haben über die AfD gesprochen.

Das Bild zeigt Friedrich Merz (links) und Mathias Döpfner, sie gehen durch den Gang eines Gebäudes in Berlin, einige Männer in dunklen Anzügen folgen ihnen
Freundliche Gesichter, auch hinter den Kulissen? Friedrich Merz (links) mit Springer-Chef Mathias Döpfner in Berlin im Januar 2025Bild: Eventpress Kochan/Eventpress/IMAGO

Hat Mathias Döpfner, mächtiger Chef des deutschen Medienkonzerns "Axel Springer",  Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) dazu gedrängt, mit der in Teilen rechtsextremen "Alternative für Deutschland" (AfD) zusammen zu arbeiten? Schon seit Monaten kursieren im politischen Berlin Berichte und Gerüchte über zwei Treffen der beiden Männer, die sich schon lange kennen. Kontrovers sollen sie verlaufen und im Streit geendet sein. Der Tenor, so viel ist allen Berichten gemein: Döpfner wünsche, dass Merz die so genannte "Brandmauer" beim Umgang mit der AfD einreiße. Merz will sie beibehalten.

Mit der "Brandmauer" ist das klare Nein der konservativen Union von CDU und CSU zu jeglicher Zusammenarbeit mit der AfD gemeint, vor allem auf Ebene der Bundesländer, erst recht auf Ebene der Politik für ganz Deutschland, im Bundestag etwa.

Auf kommunaler Ebene aber ist die AfD vor allem im Osten mittlerweile so stark vertreten​​​​​​, dass von einer Brandmauer kaum noch die Rede sein kann. Dort kommen die Union und auch die anderen demokratischen Parteien an Kontakten und Kooperationen mit AfD-Vertretern schon lange nicht mehr vorbei.

Merz bleibt dabei: keine Kooperation mit der AfD

Zuletzt hatte sich der Bundeskanzler etwa bei seiner Sommerpressekonferenz in Berlin vor gut einer Woche zur AfD geäußert. Da war er nach seiner Erwartung vor den drei wichtigen Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und in der Hauptstadt Berlin im September gefragt worden. Vor allem in Sachsen-Anhalt ist die AfD auf dem Höhenflug und könnte laut aktuellen Umfragen stärkste Partei werden.

In der ersten Reihe: der einflussreiche Springer-Konzern-Chef Mathias Döpfner (3.v.l.) mit Ex-Kanzlerin Angela Merkel (2.v.l.) und Kanzler Friedrich Merz (4.v.l.) bei der Trauerfeier für die Holocaust-Überlebende Margot Friedländer im Mai 2025Bild: Kay Nietfeld/dpa/picture alliance

Merz sagte: "Die Wahlkämpfe beginnen jetzt gerade. Ich bin und bleibe zuversichtlich, dass es uns gelingt, in den drei Ländern, vor allem in Sachsen-Anhalt und in Mecklenburg-Vorpommern, zu verhindern, dass es hier eine Mehrheit der AfD nach Mandaten in den Landesparlamenten gibt." Merz verwies auf den so genannten "Unvereinbarkeitsbeschluss" seiner Partei.

Inzwischen ist klar: Es gab zwei Treffen von Merz mit Döpfner

Die CDU hatte im Dezember 2018 auf einem Parteitag in Hamburg beschlossen, "Koalitionen und ähnliche Formen der Zusammenarbeit" sowohl mit der Linkspartei als auch mit der AfD abzulehnen. Der Kanzler sagte jetzt: "Wir haben hier klare Parteitagsbeschlüsse. Und ich habe keinen Anlass, daran zu zweifeln, dass wir die einhalten."

Wann haben sich Merz und Döpfner getroffen, was haben sie besprochen? Anfang Juli berichtete das "Redaktionsnetzwerk Deutschland" (RND) in einem Podcast von den Treffen und lieferte darin auch Zitate, die während der Zusammenkünfte gefallen sein sollen. Davon hat sich das RND inzwischen in einer Richtigstellung distanziert,für den genauen Wortlaut der Zitate fanden sich keine hinreichenden Beweise. Seitdem gab es immer mehr Berichte und Mutmaßungen, was Merz und der Springer-Chef genau besprochen haben.

Mitte Juli berichtete das Hamburger Magazin "Stern" nun, tatsächlich habe es zwei Treffen von Döpfner und Merz gegeben: eines im Winter 2024, als Merz noch Oppositionschef war, eines im Frühjahr 2026. Laut "Stern" soll es schon beim ersten Treffen zu einer Art Zerwürfnis beim Thema AfD gekommen sein, auch das zweite Treffen im Hochhaus des Presse-Konzerns im Herzen Berlins verlief dem Medienbericht zufolge nicht besser.

Springer: Medien-Konzern mit großem Einfluss

Dieses zweite Treffen hat Merz-Sprecher Stefan Kornelius mittlerweile bestätigt. Ein Sprecher des Medien-Unternehmens ergänzte: "Selbstverständlich hat Mathias Döpfner auch die Gelegenheit genutzt, um mit Friedrich Merz über die AfD zu sprechen." Allerdings dementierte der Konzern scharf, Döpfner habe Merz zur Zusammenarbeit mit der AfD gedrängt.

"Keine Zusammenarbeit mit der AfD": Kanzler Friedrich Merz in der vergangenen Woche während seiner Sommerpressekonferenz in Berlin Bild: Michael Kappeler/dpa/picture alliance

Die Linie, die der Springer-Konzern, benannt nach seinem Gründer Axel Springer, zu wichtigen politischen Themen in Deutschland einnimmt, ist für Politiker in Deutschland eine immens wichtige Angelegenheit. Vor allem das auflagenstarke Boulevard-Blatt "Bild-Zeitung" hat großen Einfluss auf die Meinungsbildung in Deutschland.

Immer mehr Bürger für Kooperation mit der AfD

Zwar hatte sich der Springer-Konzern in der Vergangenheit stets auch skeptisch zu den Positionen der AfD geäußert, zu beobachten ist aber auch das Bemühen, den Anschluss an sich wandelnde Ansichten in der Bevölkerung nicht zu verpassen.

So sagten im "ARD-Deutschlandtrend" des Meinungsforschungsinstituts infratest-dimap im Juni 47 Prozent der repräsentativ Befragten Bürgerinnen und Bürgern, sie fänden den Ausschluss der Kooperation mit der AfD falsch. Das waren 12 Prozent mehr als noch vor gut zwei Jahren. Im Dezember 2024 hatte der Konzern Schlagzeilen gemacht, als in seiner Tageszeitung "Welt" ein Gastbeitrag mit einem Wahlaufruf des umstrittenen US-Milliardärs Elon Musk abgedruckt wurde - ein Wahlaufruf zugunsten der AfD

CDU in Sachsen-Anhalt wohl auf die Linkspartei angewiesen

Richtig brisant könnte die Frage des Umgangs mit der AfD nach der Wahl in Sachsen-Anhalt am 6. September werden. In aktuellen Umfragen kommen die Rechtspopulisten hier auf Werte zwischen 41 und 42 Prozent, die regierende CDU auf Prozentsätze zwischen 23 und 26 Prozent. Um im Landtag wieder gewählt zu werden, wäre der jetzige Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) deshalb auf die Stimmen etwa der Sozialdemokraten und der Linkspartei angewiesen.

So eine mögliche Zusammenarbeit mit der Linkspartei setzt die CDU in Sachsen-Anhalt stark unter Druck. Der erste nach der Deutschen Einheit frei gewählte Regierungschef in dem ostdeutschen Bundesland, Gerd Gies, ebenfalls CDU, warnte seinen Nachfolger Schulze eindringlich vor einem solchen Schritt. Im Gespräch mit dem Münchner Magazin "Fokus" sagte Gies: "Ich kann Herrn Schulze nur raten, eine Gestaltungsmehrheit für CDU-Positionen zu suchen, und da sind die Übereinstimmungen mit der Programmatik der AfD am größten."

Springer-Konzern: "Döpfner sieht AfD kritisch"

In einem offenen Brief schrieben Gies und andere CDU-Mitglieder, es drohe ein großer Bedeutungsverlust für die CDU, wenn Schulze nach der Wahl eine Tolerierung mit den Linken  vereinbare. Das hieße: Wenn er sich erneut wählen ließe, ohne eine formale Koalition mit den Linken einzugehen.

Der Axel-Springer-Verlag betonte noch einmal: Döpfner habe Merz nicht zu einem anderen Umgang mit der AfD aufgefordert. Ein Sprecher sagte: "Er hat im Gegenteil seine kritische Haltung zur AfD dargelegt und seine Verwunderung über anderslautende und offenbar gezielt gestreute Gerüchte dargelegt." Wer genau diese Gerüchte gezielt gestreut haben soll, blieb unklar.

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