Spritkrise im Iran
2. September 2026
Zunächst kündigte Washington eine neue Runde von Wirtschaftssanktionen gegen den Iran an. Wenige Tage später wurde die Benzinknappheit auf den iranischen Straßen immer deutlicher sichtbar.
In den Städten berichten Autofahrer von stundenlangem Warten an den Tankstellen. Videos in den sozialen Medien zeigen, wie manche Menschen bereits vor Mitternacht ankommen oder in ihren Fahrzeugen übernachten, um sich am nächsten Morgen Benzin zu sichern. Teilweise geht den Tankstellen der Kraftstoff aus, bevor die Wartenden bedient werden konnten.
Insbesondere bei Diesel gestaltet sich die Lage besonders angespannt. Lkw-Fahrer berichten, dass sich die Schlangen an Tankstellen nahe großer Städte über mehrere Kilometer erstrecken, sodass sie gezwungen seien, dort die Nacht zu verbringen, nur um ausreichend Kraftstoff für die Rückkehr zur Arbeit zu erhalten. Ein Fernfarher sagte: "Unser ganzes Leben verbringen wir auf der Straße, nun auch in der Warteschlange vor der Tankstelle."
Der Iran verfügt zwar über reiche Rohölvorkommen, besitzt jedoch nicht genügend Raffinierien. Es mangelt täglich an etwa 15 Millionen Litern Benzin. Für private Haushalte gelten gestaffelte Benzinpreise: Je mehr getankt wird, desto höher ist der Preis, wenn die amtliche Quote überschritten ist. Kriegsschäden, Schwierigkeiten beim Import von Raffinerieprodukten und eine verschärfte US-Blockade haben ein altes strukturelles Problem noch deutlicher hervortreten lassen.
Stundenlanges Anstehen befeuert Misstrauen
Ein Einwohner von Karaj, einer Stadt westlich der Hauptstadt Teheran, berichtet der DW, dass einige Tankstellen den Kauf pro Person auf fünf Liter beschränken. "Ich stehe gerade in der Schlange vor der Tankstelle. Allein um so weit zu kommen, habe ich etwa 45 Minuten gebraucht", sagt er. "Gestern war ich an mehreren Tankstellen. Einige waren geschlossen, andere hatten kein Benzin mehr, und wieder andere hatten sehr lange Warteschlangen."
Seiner Befürchtung zufolge nutzt die Regierung die Engpässe, um die Bevölkerung auf höhere Benzinpreise vorzubereiten.
Vahid Ghaneifard, Geschäftsführer der Persian Gulf Star Oil Company, bestätigte kürzlich, dass seine Raffinerie begonnen habe, Methanol in einer Konzentration von etwa 0,5 Prozent als Mischung zu testen. Nach Angaben des Unternehmens lässt die nationale Kraftstoffnorm die Methanolkonzentrationen von bis zu drei Prozent zu, was mit den EU-Vorgaben übereinstimmt. Dabei müssen die Motoren nicht umgebaut werden.
Aber dies stößt auf Unverständnis der Autofahrer. Videos im Internet zeigen Flaschen mit ungewöhnlich klarem Benzin. Die Fahrer behaupten, die Benzinqualität habe sich durch die Beimischung von Methanol verschlechtert. Einige vermuten, dass Wasser oder übermäßige Mengen Alkohol beigemischt würden. Diese Vorwürfe konnten bislang nicht unabhängig bestätigt werden. Rohbenzin ist an sich farblos; manche Mineralölkonzerne färben das Benzin leicht gelblich.
Es gab allerdings mindestens einen bestätigten Vorfall einer Verunreinigung durch Wasser: In der Stadt Rafsanjan räumten örtliche Behörden ein, dass an einer Tankstelle Wasser unter das Benzin gemischt worden war. Der Einzelfall sei auf einen technischen Defekt zurückzuführen und werde derzeit untersucht, sagen die Behörden.
Steht eine Preiserhöhung bevor?
Der Ökonom Hassan Mansour ist der Ansicht, dass die Regierung die Spritpreise anheben möchte. Die iranischen Benzinpreise seien künstlich niedrig gehalten, weshalb große Mengen Kraftstoff ins Ausland geschmuggelt würden. An der Grenze zwischen dem Iran und Pakistan zum Beispiel transportierten organisierte kriminelle Banden Kraftstoffe in großen Mengen über die Grenze.
Teheran beabsichtige nun, die Kraftstoffpreise an das internationale Niveau anzupassen, sagt Mansour gegenüber der DW. "Wieder einmal bereitet die Regierung den Boden für eine Preiserhöhung vor." Die iranische Ölindustrie befindet sich derzeit in einer finanziellen Schieflage. So hat die National Iranian Oil Company Dutzende Milliarden Euro Schulden bei der iranischen Zentralbank und anderen Geschäftsbanken.
Sollten diese Schulden nicht zurückgezahlt, so argumentierte Mansour, würde dies die Staatsfinanzen schwächen und indirekt zu Währungsinstabilität sowie Inflation beitragen. Um die Schulden zahlen zu können, müssten zur Kasse gebeten werden.
Aus dem Englischen adaptiert von Dang Yuan.