Star-Trek-Schauspieler Patrick Stewart ist tot
30. Oktober 2026
Für "Star Trek"-Fans war er der legendäre Captain Picard: Der britische Schauspieler und Regisseur Patrick Stewart, langjähriges Mitglied der Royal Shakespeare Company, ist am Mittwoch im Alter von 86 Jahren gestorben, nach einem "kurzen und bewegenden Kampf" gegen Alzheimer und Lewy-Körperchen-Demenz, wie aus einer offiziellen Erklärung auf seinen Social-Media-Accounts hervorgeht.
Weit weg von seinem Geburtsort Mirfield, einer Kleinstadt in der englischen Grafschaft West Yorkshire, gelangte Patrick Stewart mit 47 Jahren zu Weltruhm. Der Schauspieler, der eigentlich auf den Theaterbühnen zu Hause war, startete von Hollywood aus mit dem Raumschiff "Enterprise" in den Weltraum und drang dabei als Captain Jean-Luc Picard in Galaxien vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat.
Mit dieser Rolle trat er in der Serie "Star Trek - The Next Generation" in riesengroße Fußstapfen: die des Captain James T. Kirk, gespielt von William Shatner, der die erste "Enterprise" durch das Weltall steuerte. Stewart gelang dies mit Bravour: Seine ruhige und feine britische Art machte Jean-Luc Picard zur nächsten Kultfigur im Star-Trek-Universum - und die sollte er bis zur letzten Folge der Spin-Off-Serie "Star Trek: Picard" (2023) auch bleiben.
Häusliche Gewalt - eine prägende Kindheitserfahrung
Stewarts Eltern hatten nichts mit Schauspielerei zu tun. Der Vater war im Zweiten Weltkrieg ein hochgeschätzter Offizier bei der britischen Armee, zuhause hingegen schlug und misshandelte er seine Frau regelmäßig. Über seine Erfahrungen mit häuslicher Gewalt schrieb Stewart 2009 eindrücklich in der englischen Zeitung "The Guardian". Die Bühne, bekennt er dort, erschien ihm als "ein weitaus sichererer Ort" als die Realität; in der Schauspielerei sah er eine Möglichkeit, dieser zu entfliehen.
Das Interesse an der Schauspielerei hatte ein Lehrer im damals 12-jährigen Patrick geweckt. Er soll ihn aufgefordert haben, ein Werk von Shakespeare vorzutragen. Der englische Dramatiker und Dichter ließ den jungen Patrick nicht mehr los - und bald schon stand er auf der Bühne. Mit 16 verließ er frühzeitig die Schule und konnte dank eines Stipendiums in Bristol Schauspiel studieren. Nebenbei arbeitete er als Journalist. 1965 wurde er dann offizielles Mitglied der Royal Shakespeare Company - und blieb es für ein Vierteljahrhundert. Seine Leidenschaft für Shakespeare war so groß, dass er während der Corona-Pandemie 2020 jeden Tag auf Twitter (jetzt "X") ein Shakespeare-Sonett vortrug - mehr als 150 Stück.
Für Aufsehen in der Theaterwelt sorgte Stewart mit einer eigenen Bühnen-Adaption der von Charles Dickens 1843 veröffentlichten Weihnachtsgeschichte "A Christmas Carol". Die mehr als 30 Rollen spielte er alle selbst. Nach der Uraufführung 1987 in Stewarts Heimatstadt Mirfield wurde die One-Man-Show Favorit der Kritiker und ein Dauerbrenner am New Yorker Broadway.
"Star Trek"-Angebot aus Hollywood
Im selben Jahr geschah es auch, dass Stewart vom Bühnenschauspieler, der er bis auf wenige Film-Nebenrollen hauptsächlich war, zum internationalen Weltstar wurde: "Star-Trek"-Produzent Robert Justman bot ihm die Rolle des Captain Jean-Luc Picard an, die Hauptrolle in der neuen Star Trek-Serie "The Next Generation".
Der erfolgreiche Shakespeare-Mime zögerte zunächst. Bis dato hatte er mit Hollywood nie etwas zu tun gehabt. Doch sein Agent habe ihn ermuntert anzunehmen, erinnerte sich Stewart 2020 in einem Interview mit der Zeitung "Die Welt". "Das Angebot kannst du als Einstieg erst mal annehmen. Das wird keine große Sache, eine so ikonische Serie wie das Original von 'Star Trek' kann man eh nicht wiederbeleben."
Abenteuer im Universum
Doch der Agent sollte unrecht haben: In sieben TV-Staffeln mit insgesamt 178 Episoden und vier abendfüllenden Kinofilmen führte Patrick Stewart das Raumschiff Enterprise als kommandierender Offizier Jean-Luc Picard durch ihre galaktischen Abenteuer.
Die TV-Serie hatte in kürzester Zeit astronomischen Erfolg auf Erden - und das trotz anfänglicher Sorgen, ob Stewarts britischer Akzent wirklich zum Kommandanten eines US-Raumschiffs im 24. Jahrhundert passen könnte. Irgendwann war das leichte Understatement des feinsinnig-diplomatischen Captain Picard nicht mehr aus der Serie wegzudenken. Schnell wurden Picards Shakespeare-Zitate, die er gerne in seiner Kabine oder auf der Brücke von sich gab, Kult. Stewart merkte dazu einmal augenzwinkernd an, dass seine Zeit als Shakespeare-Darsteller ihn einzig und allein auf die Rolle des Jean-Luc Picard vorbereitet habe.
Doch Patrick Stewart glänzte auch in anderen Kinofilmen - vor allem als Professor X in dem Marvel-Franchise "X-Men". In dieser Rolle wird er auch noch ein letztes Mal auf der Leinwand zu sehen sein: "Avengers: Doomsday" soll im Dezember in die Kinos kommen und dürfte nun erst recht zu einem Ansturm von Fans führen.
Picard wird reaktiviert
2010 wurde der Schauspieler von Königin Elizabeth II. zum Ritter geschlagen und in den Adelsstand erhoben. Dass er dadurch mit Schauspielgrößen wie Sir Laurence Olivier und Sir Alec Guinness in einer Reihe stand, empfand Stewart als die größte Ehre seiner Laufbahn.
Stewart war auch ein engagierter Sozial- und Menschenrechtsaktivist. Besonders in den letzten Jahren machte er öffentlich auf Themen wie Gewalt gegen Frauen, Altersdiskriminierung und den Schutz von Kindern aufmerksam.
Make it so - Energie!
Ob der Wahl-New Yorker daran gedacht habe, mit der Schauspielerei bald aufzuhören, fragte ihn der "Playboy" in einem Interview im Juni 2020. "Nein", erwiderte Stewart, damals kurz vor seinem 80. Geburtstag, "noch nie! Das würde bedeuten, mein Leben aufzugeben." Er drehte damals für die zweite von insgesamt drei Staffeln von "Star Trek: Picard", die letzte Folge der Serie, in der der pensionierte Sternenflotten-Admiral noch einmal in Erscheinung tritt.
Von seinem Weingut in der französischen Provence wird Picard immer wieder in den Weltraum gebeamt, um dort die Krise der "Vereinten Planeten" zu bewältigen und auf der Brücke der Enterprise sein berühmtes "Make it so" - in der deutschen Fassung: "Energie!" - von sich zu geben.
In dieser Serie zeigte sich auch Stewarts Liebe zu seiner Pitbull-Dame Ginger und dieser Hunderasse allgemein: Dort hat Jean-Luc Picard einen treuen vierbeinigen Begleiter namens "Number One" - und dieser ist ein Pitbull. Ein Verweis auf Stewarts Engagement im echten Leben: Für seinen Einsatz gegen Vorurteile gegenüber der Rasse und seine Unterstützung für die Adoption von Pitbulls wurde er unter anderem von der US-Tierschutzorganisation ASPCA ausgezeichnet.
Weltweit bekunden nun Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter sowie Millionen Fans ihre Trauer. Stewarts enger Freund und "X-Men"-Kollege Ian McKellen schrieb über ihn auf Instagram: "Er trug sein Herz auf der Zunge, was ihn zu einem Mann machte, auf den man sich verlassen konnte, den man bewundern konnte und - in meinem Fall - lieben konnte."
Auch Schauspieler William Shatner, Captain der Enterprise-Originalserie, zollte Tribut: "Sir Patrick Stewart war ein Freund, ein Kollege und ein großartiger Schauspieler. Von der Bühne bis zur Brücke der Enterprise brachte er Intelligenz, Anmut und ein tiefes Gefühl von Menschlichkeit in alles ein, was er tat. Captain Picard stand für das Beste in uns, und das galt auch für den Mann, der ihn spielte."
Jetzt hat sich der Brite im Alter von 86 Jahren endgültig in eine andere Galaxie verabschiedet. Farewell, Patrick Stewart!