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Steigende Rohstoffpreise machen Recycling attraktiver

Sabine Kinkartz 5. Juli 2006

Recycling wird in Deutschland groß geschrieben. Das hat aber nicht nur etwas mit Umweltschutz zu tun: Die Rohstoffpreise steigen immer weiter und so werden Altstoffe zu einem begehrten Gut.

Elektroschrott auf einem Recyclinghof in BerlinBild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Deutsche bringen ihre leeren Getränkedosen in den Supermarkt zurück und sie spülen ihre Joghurtbecher und sammeln sie in gelben Säcken. "Wir sind ja in Deutschland oftmals belächelt worden für unsere vielen Mülltonnen in den Küchen, für die typisch deutsche sehr disziplinierte Mülltrennung - das hat sich mittlerweile aber geändert", erklärt Stephan Hamening vom Bundesverband der Deutschen Entsorgungswirtschaft (BDE). "Überall in der Welt - und ich bin gerade am Wochenende von einer Konferenz in China zurück gekommen, die genau dieses Thema zum Inhalt hatte - überall auf der Welt überlegt man, was man aus dem, was im Mülleimer liegt, an Rohstoffen schöpfen kann."

Höheres Inlandsprodukt

100 Tage nach der Einführung des neuen Recycling-Systems für Elektroschrott in Deutschland ziehen die Industrieverbände eine positive Bilanz. Insgesamt 24.000 Container mit gebrauchten Waschmaschinen, Kühlschränken, Fernsehern, Computern und Handys wurden bundesweit bereits eingesammelt und weiterverwertet.

Mülltrennung in der Berliner U-BahnBild: Bilderbox

Das liegt vor allem an den kräftig gestiegenen Rohstoffpreisen. Das macht das Recycling von Schrott, Glas, Papier und Kunststoff immer rentabler. "Für die Gesamtwirtschaft folgt daraus, dass Importe von Primärrohstoffen durch inländische Wertschöpfung ersetzt werden und zwar in beiden Dimensionen, es gilt also auch für den Energieverbrauch", erklärt Michael Hüther, Direktor des Instituts der Deutschen Wirtschaft Köln. Daraus resultiere ein höheres Bruttoinlandsprodukt - die Wertschöpfung werde in die deutsche Volkswirtschaft verlagert, indem Import-Ausgaben im Wert von 3,7 Milliarden Euro vermieden würden. Zudem entstünden in der Branche rund 60.000 Jobs.

Spareffekte

Von der Gesamtsumme gehen allein 2,2 Milliarden Euro auf das Konto eingesparter Energie, die unter anderem zur Neu-Erzeugung der Materialien nötig gewesen wäre. Den größten Spareffekt erzielt die deutsche Wirtschaft bei der Stahlerzeugung, dort werden zurzeit jährlich 2,3 Milliarden Euro erzielt. Es folgt die Aluminiumproduktion mit 700 Millionen Euro. Die Nutzung von Müll als Brennstoff steuert 340 Millionen Euro bei und das Recycling von Verpackungen 225 Millionen Euro.

"65 Prozent des deutschen Abfallaufkommens werden heute recycelt oder als Ersatz für primäre Energieträger genutzt", erklärt Stephan Harmening vom BDE. " Man könnte auch sagen, das Potenzial liegt immer noch bei 35 Prozent." Trotzdem sei Deutschland damit in Europa Spitzenreiter bei der Recycling-Quote. Deutsche Entsorger erwirtschaften einen Jahresumsatz von 19 Milliarden Euro und beschäftigen 160.000 Mitarbeiter.

Tendenz steigend. Stephan Harmening geht davon aus, dass die Recycling-Quoten weiter steigen. Bei Stahlschrott beispielsweise liegt die Quote derzeit bei 44 Prozent, in den USA sind es bereits 70 Prozent. Stahl, Aluminium und Kupfer sind weltweit so nachgefragt, dass Russland die Ausfuhr von Stahlschrott mit einem Exportzoll von 15 Prozent belegt hat; bei Aluminium und Kupfer sind es sogar 50 Prozent. Und immer häufiger finden deutsche Entsorger von Elektroschrott in den Containern Geräte nur noch ohne Stromkabel vor. Die mit Kupferdrähten gefüllten Kabel sind bares Geld wert. Ein Container bringt auf dem Weltmarkt derzeit rund 30.000 Euro ein.

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