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KonflikteIran

Straße von Hormus: So gefährlich sind Seeminen

18. April 2026

Seeminen stellen im Iran-Krieg eine große Gefahr für Schiffe im Persischen Golf dar. Räumung und Entschärfung sind riskant - und bisher können Unterwasser-Drohnen nur einen Teil der Arbeit übernehmen.

Unterwasser-Drohne "Greyshark" der Firma Euroatlas unterhalb der Wasseroberfläche - von unten fotografiert
Unterwasser-Drohnen wie dieses Modell sind bereits bei der Erkennung von Seeminen im Einsatz - so müssen sich weniger Menschen in Gefahr begebenBild: Euroatlas

Vor dem Hintergrund des Iran-Krieges haben sich mehr als ein Dutzend Länder auf einen internationalen Einsatz zur Absicherung der Straße von Hormus nach einem Ende der Kampfhandlungen geeinigt. Bundeskanzler Friedrich Merz stellte in Paris die Beteiligung der Bundeswehr beim Minenräumen und bei der Seeaufklärung in Aussicht.

Noch während der von Frankreich und Großbritannien einberufenen Konferenz am Freitag erklärte der Iran, dass die für den Welthandel wichtige Meerenge während der derzeitigen Waffenruhe geöffnet werden solle. Merz begrüßte die iranische Ankündigung und forderte zugleich, dass die Öffnung "zuverlässig" und "dauerhaft" sein müsse. 

Eine Gefahr für Handelsschiffe

Bis auf weiteres bleiben der Persische Golf und die umliegende Region eine Gefahrenzone für Handelsschiffe, auch wenn der Iran eine Durchfahrt während der Waffenruhe erlaubt. Zu den Risikofaktoren gehören nicht nur ein möglicher Beschuss durch die Kriegsparteien, sondern auch Gefahren, die unter Wasser lauern könnten. Anfang April verkündeten die iranischen Revolutionsgarden, die Führung in Teheran habe die Meerenge verminen lassen.

"Wir wissen gar nicht genau, ob dort wirklich Minen liegen, aber die latente Gefahr reicht aus. Im Kriegsgebiet kann das aktuell niemand überprüfen", sagt Johannes Peters, Leiter der Abteilung für Maritime Strategie und Sicherheit am Institut für Sicherheitspolitik der Kieler Christian-Albrechts-Universität.

Ein Frachtschiff in der Straße von Hormus (Archivfoto)Bild: Giuseppe Cacace/AFP

Wie funktionieren Seeminen?

Seeminen wurden schon im Ersten und Zweiten Weltkrieg eingesetzt. Damals handelte es sich um Ankertauminen: Mit einem Gewicht wurde ein Tau am Meeresboden fixiert, an dessen oberem Ende eine Kugel mit sogenannten Zündhörnern trieb. Fuhr ein Schiff oder ein U-Boot gegen diese Zündhörner, explodierte die Mine. Auslösung durch direkten Kontakt war damals die Funktionsweise. "Moderne Minen haben damit nur noch relativ wenig zu tun", so Peters zur DW.

Auch heute werden die Minen noch im Meeresboden verankert. Die Seekriegsmittel sollen schließlich einer Kriegspartei die Kontrolle über ein bestimmtes Areal sichern. "Dafür muss man sie ortsfest machen", erklärt Peters. Aber die Auslösung läuft nicht mehr über direkten physischen Kontakt.

Stattdessen arbeiten neuere Seeminen mit einer Auslösung durch Druckwellen, elektromagnetische Signale oder Schallwellen. Jede Schiffsbauart hat eine eigene Druck-, elektromagnetische- oder akustische Signatur, sendet also unterschiedliche Signale aus. Die Minen können darauf programmiert werden, beispielsweise nur auf die Schallwellen einer ganz bestimmten Schiffsart zu reagieren.

"Mithilfe von U-Booten kann man die akustische Signatur feindlicher Schiffe feststellen", sagt Peters. Darauf werden die Minen dann programmiert. "Die feindlichen Schiffe lösen mit ihrer akustischen Signatur die Minen aus, während man mit den eigenen Schiffen problemlos durch das verminte Gebiet fahren kann", erklärt der Experte.

Zeitaufwendige Minenjagd im Meer

Die Räumung, die sogenannte Minenjagd, ist zeitaufwendig. Wenn ein verdächtiges Objekt geortet wurde, muss zunächst festgestellt werden, ob von ihm eine Gefahr ausgeht. Sollte das der Fall sein, wird immer individuell entschieden, was mit dem Sprengsatz geschehen soll. Soll er zunächst geborgen werden? Oder muss die Mine unter Wasser entschärft oder kontrolliert zur Explosion gebracht werden? Diese gefährliche Aufgabe kann von Militärpersonal mit entsprechender Ausbildung übernommen werden, quasi dem "Kampfmittelräumdienst unter Wasser", wie Peters ihn nennt.

Ukraine-Krieg: Die gefährliche Arbeit der Marinetaucher

03:12

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Manchmal geht es aber auch, ohne dass Menschenleben riskiert werden. "Wenn es möglich ist, setzen wir Drohnen ein um die Objekte, die wir finden, zu identifizieren und zu zerstören", sagte Mykola, Soldat eines ukrainischen Seeminen-Räumtrupps im Schwarzen Meer, gegenüber der DW Anfang dieses Jahres. Die russische Marine hat das Schwarze Meer im Rahmen von Wladimir Putins Angriffskrieg gegen die Ukraine vermint. 

Marine: Drohnen gegen Seeminen

Auch die deutsche Marine setzt bereits Drohnen bei der Minenjagd ein. "Wir nutzen autonome Systeme vorranging für das Absuchen des Meeresbodens", sagt Fregattenkapitän Andreas vom 3. Minensuchgeschwader der deutschen Marine, den wir aus Sicherheitsgründen nur mit seinem Vornamen zitieren. "Früher ist man dafür mit Sonar-ausgestatteten Booten direkt über das Minen-gefährdete Gebiet gefahren. Dank der unbemannten Systeme müssen sich 40 Mann nicht mehr in direkte Gefahr begeben."

Das heißt nicht, dass kein menschliches Personal gebraucht wird. Die Drohnen schicken Aufnahmen vom Meeresboden zurück, die dann ausgewertet werden müssen. Was ist nur Schrott und was wirklich eine gefährliche Seemine? Diese Entscheidung, und wie mit dem Sprengkörper umgegangen werden soll, übernehmen immer noch Menschen.

Gefährliche Seeminen im Schwarzen Meer

03:45

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Die Nutzung von Drohnen für die Überprüfung des Meeresbodens macht die Marine effizienter, sagt Fregattenkapitän Andreas im DW-Gespräch. Trotzdem: Bis ein Seegebiet nach einem Krieg von Minen befreit ist, dauert es Jahrzehnte oder sogar noch länger. Das bestätigt auch Artjom, ein Ukrainer aus dem Minenräumtrupp im Schwarzen Meer. "Wir finden immer noch Minen aus dem Zweiten Weltkrieg, manchmal sogar aus dem Ersten Weltkrieg", sagt der Soldat. "Das zeigt, wie viel Jahre Arbeit wir vor uns haben."

Drohnen-Einsatz in Straße von Hormus wäre schwierig

Die Drohnen, die aktuell bei der Marine zum Einsatz kommen, können aufgrund der Batterielaufzeit nicht allzu lange im Meer eingesetzt werden. Das bedeutet, sie müssen recht nah an dem Gebiet "ausgesetzt" werden, das sie absuchen sollen.

"Man muss immer dicht dran sein", sagt Fregattenkapitän Andreas. "In einem sensiblen Umfeld wie der Straße von Hormus wäre das schwierig. Der Iran hat große Reichweiten und wir müssen unser Personal schützen."

Verschiedene Unternehmen arbeiten bereits an der Entwicklung von Drohnen, die länger unterwegs sein können. Eines von ihnen ist die Firma Euroatlas aus dem norddeutschen Bremen. Ihre Unterwasser-Drohne "Greyshark" kann aktuell rund sechs Stunden lang bei zehn Knoten Geschwindigkeit durchs Meer fahren, bei einer Geschwindigkeit von vier Knoten dreimal so lang. Im September 2026 wird die batteriebetriebene Version in Serie gehen, für Ende des Jahres ist die Serienproduktion einer "Greyshark"-Drohne mit Brennstoffzellenantrieb geplant. Diese soll dann mehrere Wochen autonom im Meer unterwegs sein können.

"Greyshark"-Drohne vielleicht schon bald im Einsatz

"In der Straße von Hormus sind Schiffe an der Wasseroberfläche durch Beschuss von Land gefährdet, und das betrifft auch Minensuchboote", sagt Markus Beer aus dem Bereich autonome Systeme bei Euroatlas. "Unter Wasser wäre die Aufklärungsarbeit [von Drohnen] gefahrlos möglich, ohne die Situation zu eskalieren."

Der Körper der "Greyshark"-Drohne besteht aus Glasfaser, Spezialschaum und Kohlefaser - hart, aber leicht. Ausgestattet ist sie mit 16 optischen und akustischen Sonaren.Bild: Euroatlas

Und: Der "Greyshark" könnte in sicherer Entfernung zu Wasser gelassen werden. "Die kleinen Drohnen, die heute bei der Minenjagd zum Einsatz kommen, haben nur wenige Stunden Ausdauer. Der 'Greyshark' kann viel weiter fahren", sagte Beer der DW. Außerdem macht die Drohne hochauflösende Bilder und kann Objekte, die sie auf dem Meeresboden entdeckt, selbst identifizieren.

Die deutsche Marine und auch andere Nationen konnten sich beim NATO-Manöver REPMUS 25 im vergangenen September vor der Küste Portugals bereits ein Bild über die Fähigkeiten des "Greyshark" machen.

Carla Bleiker Redakteurin, Channel Managerin und Reporterin mit Blick auf Wissenschaft und US-Politik.@cbleiker
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