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PolitikGlobal

Klimagipfel: Doch kein Fahrplan zum Fossil-Ausstieg?

21. November 2025

In den letzten Stunden des UN-Klimagipfels in Brasilien bemühen sich die Staaten um eine Einigung über Streitthemen wie Finanzierung und Abkehr von Kohle, Öl und Gas. Der Gipfel geht wieder in die Verlängerung.

Deutschland | Sonnenaufgang am Kohlekraftwerk Mehrum
Bekommen Kohlekraftwerke wie dieses in Mehrum ein Verfallsdatum?Bild: Julian Stratenschulte/dpa/picture alliance

Nach zwei Wochen intensiver Verhandlungen am Rand des Amazonas-Regenwalds haben die Vereinten Nationen am Freitag einen neuen Entwurf für das Abschlussdokument der Klimakonferenz zur Bewältigung der Klimakrise vorgelegt.

In der aktuellen Fassung des Abkommens fehlt allerdings ein Fahrplan für die Abkehr von der Verbrennung fossiler Brennstoffe, die die Klimaveränderungen auf der Erde vorantreiben und zu mehr Dürren, Überschwemmungen, Stürmen und tödlicher Hitze führen.
 
Obwohl dieser Übergang weg von Öl, Kohle und Gas bereits in einem früheren Entwurf erwähnt wurde, enthält der neueste Text stattdessen Vorschläge zur Erhöhung der Finanzmittel für Anpassung, Handel und beschleunigte Senkungen von Emissionen in nationalen Klimaplänen der Staaten.

Dabei hatte besonders das Thema der beschleunigten Abkehr der Welt von fossilen Brennstoffen diese Woche zu hitzigen Verhandlungen geführt. Dabei wurden tiefe Gräben deutlich zwischen den Ländern, die einen Fahrplan befürworten, und einem großen Block, zu dem auch Ölstaaten wie Saudi Arabien und der Iran gehören, die strikt dagegen sind.

"Wir sind enttäuscht von dem Text, der derzeit auf dem Tisch liegt", sagte Wopke Hoekstra, der Klimakommissar der Europäischen Union, in einer Erklärung gegenüber AFP.

Frühzeitige Einigung durch Brand verhindert

Gastgeber Brasilien hat die Unterhändler stark unter Druck gesetzt, um eine schnelle Einigung auf dem Klimagipfel zu erzielen. Die Gipfel mussten in den letzten Jahren sehr häufig über die angesetzte Zeit verlängert werden. Die diesjährigen Gespräche waren zwar durch Proteste der indigenen Bevölkerung, die Abwesenheit der USA und tiefe Meinungsverschiedenheiten zu den Themen Finanzen, Handel und Ausstieg aus fossilen Brennstoffen gekennzeichnet. Doch es gab die Hoffnung, dass bis zum offiziellen Ende am späten Freitag eine Einigung zustande kommen würde.

Ein Brand im Veranstaltungsgebäude der Klimakonferenz unterbrach die Verhandlungen für mehrere Stunden Bild: Douglas Pingituro/REUTERS

Doch am vorletzten Tag mussten die Gespäche unterbrochen werden, weil ein Feuer - vermutlich durch einen elektrischen Defekt ausgelöst -  einen Teil der offiziellen UN-Verhandlungsräume erfasste. Es wurden keine ernsthaften Verletzungen gemeldet, aber der Veranstaltungsort musste evakuiert werden und blieb mehrere Stunden lang geschlossen.

Die Verhandlungen über den neuesten Textentwurf, der im Konsens angenommen werden muss, sind noch im Gange.

Gleichzeitig wächst der Druck auf den diesjährige UN-Klimagipfel am Rande des Amazonas-Regenwaldes. Rekordverdächtige Emissionen und Temperaturen verschärfen die Wetterextreme und treiben die Welt in eine zunehmend ungewisse Zukunft.

Trotz aller Herausforderungen eröffnete Brasilien den Gipfel mit trotzigem Optimismus und rief die Länder dazu auf, sich im Geiste des "mutirao,  ein portugiesisches Wort indigenen Ursprungs, das kollektive Anstrengung bedeutet, zu vereinen und versprach einen COP der "Umsetzung" und "Wahrheit".

Ausstiegs-Fahrplan für fossile Brennstoffe im Fokus

Ob die Verhandlungen eine Einigung über den Fahrplan für fossile Brennstoffe bringen, wird ein entscheidender Lackmustest für die Erfüllung dieser Versprechen.

Vor zwei Jahren wurde auf der COP28 in Dubai ein historisches Abkommen über die Abkehr von fossilen Brennstoffen geschlossen.

Dort wurden jedoch keine konkreten Ziele oder Fristen für diesen Ausstieg festgeschrieben. Und während die globalen Emissionen auf Rekordniveau sind, haben mehr als 80 Länder, darunter Frankreich, Deutschland, Kenia und Kolumbien, in Belém darauf gedrängt, dass den Worten Taten folgen.

Präsident Lula hat einen konkreten Fahrplan für den Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas unterstützt. Bild: Pablo Porciuncula/AFP/Getty Images

Ein überraschender zweiter Besuch des brasilianischen Präsidenten Luiz Inacio Lula da Silva bei den Gesprächen in dieser Woche verlieh dem Fahrplan politisches Gewicht und brachte ihn wieder auf die Tagesordnung.

"Wir meinen es ernst: wir müssen die Treibhausgasemissionen reduzieren", sagte Lula vor Journalisten. "Wir müssen anfangen, darüber nachzudenken, wie wir ohne fossile Brennstoffe leben können".

Der jüngste Textentwurf hat diesen Schwung ausgebremst.

Die Befürworter des Fahrplans haben Berichten zufolge angedeutet, dass sie jede Vereinbarung blockieren werden, die keine Verpflichtung zum Ausstieg aus fossilen Brennstoffen enthält.Faa

In einem von Kolumbien verfassten Schreiben an die COP30-Präsidentschaft erklärten rund 30 Länder: "Wir können kein Ergebnis unterstützen, das keinen Fahrplan für die Umsetzung eines gerechten, geordneten und ausgewogenen Übergangs weg von fossilen Brennstoffen enthält".

Monique Barbut, Frankreichs Ministerin für den ökologischen Wandel, bezeichnete gegenüber AFP die fehlende Erwähnung fossiler Brennstoffe in dem neuen Text als "eine unverständliche Auslassung in einer Zeit des Klimanotstands".

Die Spannungen in dieser Frage werden sich wahrscheinlich zuspitzen während jetzt die Gespräche in die letzten Stunden gehen.

Klimafinanzierung: Die milliardenschwere Frage 

In dem am Freitag vorgelegten Textentwurf wird außerdem vorgeschlagen, dass die Staaten die Finanzmittel für die Anpassung an den Klimawandel bis 2030 gegenüber 2025 verdreifachen -  das war ein weiterer zentraler Streitpunkt in Belém.

Besonders gefährdete Entwicklungsländer haben von den Industrieländern eine deutliche Aufstockung der Hilfen für die Umstellung auf saubere Energie und die Bewältigung der Folgen extremer Wetterereignisse gefordert, die durch die Erwärmung des Planeten noch verstärkt werden.

Die Verhandler stehen unter Druck, globale Emissionen zu reduzieren.Bild: Jochen Tack/picture alliance

Letztes Jahr auf der COP29 in Aserbaidschan wurde das Ziel von 300 Milliarden Dollar pro Jahr bis 2035 vereinbart. Doch viele Länder halten den Betrag für weit unter dem, was nötig ist. 

Eine besondere Herausforderung ist die Stärkung der Finanzierung für Anpassungsmaßnahmen.

"Wir müssen hier in Belem mit echten Zusagen für die Anpassungsfinanzierung abreisen. Wir brauchen Partner, die ihre Zusagen einhalten", erklärte Steven Victor, Umweltminister des pazifischen Inselstaats Palau, gegenüber DW. "Leider wurden wir in unserem Ziel, die Anpassungsfinanzierung zu erhöhen, herausgefordert. Dabei basieren unsere Forderungen auf dem, was wir vor Ort erleben."

Was der neue Text nicht klärt, ist, ob die verdreifachte Summe der Anpassungsfinanzierung von reichen Industrieländern oder aus anderen Quellen - wie dem Privatsektor und Entwicklungsbanken -  kommen würde.

Ärmeren Länder, die auf stärkere Garantien für öffentliche Gelder gedrängt hatten, könnten daher auch in diesem Jahr enttäuscht sein.

Es ist oft schwer, private Finanzinvestitionen in die Anpassung an den Klimawandel zu motivieren - darunter auch Projekte wie die Verstärkung von Gebäuden und Infrastrukturen gegen Stürme. Denn diese sind zwar für die Rettung von Menschenleben wichtig, bringen aber kaum finanziellen Gewinn.

Mehr Raum für heikle Handelsfragen bei künftigen Klimagipfeln

Der jüngste Entwurf enthält auch den Vorschlag, auf den nächsten drei Klimakonferenzen einen Dialog über den Handel einzuleiten, an dem sowohl Regierungen als auch andere Akteure wie die Welthandelsorganisation beteiligt wären.

Das dürfte vor allem China positiv sehen, das Land hatte sich für eine stärkere Berücksichtigung des Handels bei den Klimaverhandlungen eingesetzt.

Die Europäische Union geriet in Belém unter Beschuss von Ländern wie Südafrika und Indien wegen ihres Vorschlags einer Abgabe auf besonders CO2-intensive Importe. Kritiker sagen, das würde Produkte aus Entwicklungsländern, die langsamer auf erneuerbare Energien umstellen, teurer und damit weniger wettbewerbsfähig machen.

Was ist mit den steigenden Emissionen?

Der jüngste Entwurf betont auf, dass Anstrengungen zur Emissionssenkung im Einklang mit dem Pariser Abkommen zu verstärkt werden sollen.

Das Verbrennen von Kohl, Öl und Gas treibt die Klimaerwärmung, die immer mehr Extremwetter in der Welt befördert Bild: Andre Penner/AP Photo/picture alliance

Ein Jahrzehnt nach der Unterzeichnung des historischen Pariser Abkommens, in dem das Ziel festgelegt wurde, die Erwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, rechnen Wissenschaftler jetzt bis zum Jahr 2100 mit einer Erwärmung von weit über 2 Grad.

Die nationalen Klimaschutzpläne, auch NDCs genannt, die die Länder im Vorfeld der COP30 vorlegen sollten,  wurden dafür kritisiert, dass sie das 2015 vereinbarte Ziel weit verfehlt haben.  

In dem dem jetzigen Entwurf wird eine freiwillige Initiative vorgeschlagen, um die Umsetzung der nationalen Klimapläne zu beschleunigen und die internationale Zusammenarbeit zu fördern, damit das Ziel von 1,5°C nicht gefährdet wird. Außerdem wird der Start der neuen "Belém to 1,5 Mission" beschrieben, die Investitionen in NDCs und Pläne für den Klimaschutz und die Anpassung an den Klimawandel fördern soll.

Der Artikel wurde aus dem Englischen adaptiert.

 

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