Stromausfall in Berlin: Wie gefährlich ist Linksextremismus?
5. Januar 2026
Die Attacke auf ein Gaskraftwerk im Südwesten der deutschen Hauptstadt Berlin mitten im Winter war offenbar gut geplant. Nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden wurden am Samstag (03.01.2026) Kabel gezielt mit Brandsätzen zerstört. Die Folgen: kalte Heizungen, unbeleuchtete Straßen und Wohnungen, unterbrochene Bahnstrecken, kein Internet.
Stromausfall wird noch mehrere Tage dauern
Von den ursprünglich betroffenen 45.000 Haushalten hatten zwei Drittel auch am Montag noch keinen Strom. Wahrscheinlich müssen sie sich wegen der massiven Schäden noch bis Donnerstag gedulden – so lange werden die Reparaturen vermutlich dauern. Und das bei eisigen Temperaturen.
Bis dahin bleibt vielen Betroffenen nichts anderes übrig, als bei Freunden und Verwandten oder in Notquartieren unterzukommen. Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen wurden evakuiert, Patienten verlegt. Zahlreiche Schulen und Kindertagesstätten bleiben geschlossen.
Bekennerschreiben der "Vulkangruppe"
Der folgenschwere Anschlag auf das mit fossilem Brennstoff betriebene Kraftwerk geht nach eigenem Bekunden auf das Konto der linksextremistischen "Vulkangruppe". Polizei und Senat, wie die Landesregierung in Berlin heißt, halten ein bei den Behörden eingegangenes Bekennerschreiben für echt. Darin brüsten sich die Täter unter der Überschrift "Den Herrschenden den Saft abdrehen" damit, das Gaskraftwerk im Ortsteil Lichterfelde "erfolgreich sabotiert" zu haben.
Auch auf ihre Motive geht die "Vulkangruppe" ein: "In der Gier nach Energie wird die Erde ausgelaugt, ausgesaugt, verbrannt, geschunden, niedergebrannt, vergewaltigt, zerstört." Stromausfälle seien angeblich nicht Ziel der Aktion gewesen, sondern die fossile Energiewirtschaft. Fachleute bewerten den Anschlag als lebensgefährlich für unbeteiligte Dritte. Denkbar wären Todesfälle in Krankenhäusern gewesen, weil medizinische Geräte vom Strom abgeschnitten worden waren.
Verfassungsschutz stochert schon lange im Nebel
Der Verfassungsschutz hat die "Vulkangruppe" schon lange im Blick, konnte ihre personellen und organisatorischen Strukturen bislang allerdings nicht entschlüsseln. Anscheinend agieren ihre Mitglieder dezentral. Im aktuellen Bericht des deutschen Inlandsgeheimdienstes werden sie als "gewaltorientiert" eingestuft.
"In Berlin und Brandenburg begehen sogenannte Vulkangruppen bereits seit dem Jahr 2011 in unregelmäßigen Abständen Brandanschläge auf neuralgische Punkte der Infrastruktur – oft mit spürbaren Auswirkungen für die Bevölkerung."
Elon Musks Tesla-Fabrik war schon mehrmals betroffen
Für Schlagzeilen sorgten in den vergangenen Jahren mehrere Attacken auf deutsche Standorte des Elektroauto-Herstellers Tesla. Im Mai 2021 verübten Unbekannte erstmals einen Brandanschlag auf die Fabrik des umstrittenen US-Unternehmers Elon Musk in Grünheide bei Berlin. Am folgenschwersten war die Zerstörung eines Hochspannungsmastes im März 2024: Das Tesla-Werk musste die Produktion einstellen und umliegende Ortschaften hatten tagelang keinen Strom.
Auch damals bekannte sich eine "Vulkangruppe" zu der Tat. Im Verfassungsschutzbericht steht ein ausführlicher Absatz über die nach Lesart der Behörde wesentlichen Motive: "Das Unternehmen wurde angegriffen als Repräsentant eines als totalitär diffamierten 'Herrschaftssystems', das wegen seines technologischen Fortschritts und der damit verbundenen Zerstörung der Natur sowie der Unterdrückung des Menschen bekämpft werden müsse."
Auch das Heinrich-Hertz-Institut war Ziel eines Anschlags
Aber auch Forschungseinrichtungen sind schon ins linksextremistische Visier geraten. Im Jahr 2020 bekannte sich eine "Vulkangruppe" zum Brandanschlag auf das Heinrich-Hertz-Institut in Berlin, weil es an der Entwicklung einer App zur Bekämpfung der Corona-Pandemie beteiligt gewesen sei. Nach Einschätzung des Berliner Verfassungsschutzes sollen solche Sabotageakte die Verwundbarkeit der urbanen Mobilitäts- und Kommunikationsinfrastruktur offenbaren, die öffentliche Ordnung stören und erheblichen Sachschaden anrichten.
Unter dem Eindruck des jüngsten Anschlags auf ein Kraftwerk in Berlin kündigte der Regierende Bürgermeister Kai Wegner im TV-Sender ZDF an, die Sicherheit des Stromnetzes verbessern zu wollen. Zwar verliefen 99 Prozent der Leitungen unter der Erde, aber der Rest müsse noch besser vor terroristischen Angriffen geschützt werden. Das gelte auch für die kritische Infrastruktur insgesamt, betonte der Christdemokrat.