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Sudan-Konferenz: Der grausame, vergessene Konflikt

15. April 2026

Der Krieg im Sudan ist für Menschen dort seit drei Jahren die Hölle auf Erden. Eine Feuerpause ist nicht in Sicht. In Berlin wollen die Teilnehmer einer Geberkonferenz zumindest das Leid der Menschen lindern.

Das Bild zeigt mehrere Menschen, die im Staub und auf dem Boden sitzend auf eine Behandlung im Krankenhaus warten, Ort ist Gidel in den Nuba-Bergen im Sudan
Menschen campieren vor einem Krankenhaus in Gidel in den Nuba-Bergen im Sudan - zwei Drittel der Bevölkerung sind dringend auf jede Hilfe angewiesenBild: Marco Simoncelli

Seit genau drei Jahren ereignet sich - von der Weltöffentlichkeit kaum beachtet - im Sudan die wohl schwerste humanitäre Katastrophe weltweit. Rivalisierende Fraktionen des im Land herrschenden Militärs liefern sich erbitterte Kämpfe, rund 150.000 Menschen wurden dabei getötet. Rund zwölf Millionen Sudanesen waren zur Flucht gezwungen, fast jeder vierte Einwohner des Landes. Mehr als 33 Millionen Menschen sind im Land selbst auf Hilfe angewiesen, etwa zwei Drittel der Bevölkerung.

Ziel des Berliner Treffens: Den Konflikt nicht vergessen

Das Leid der Menschen in dem Land im Osten Afrikas war am Mittwoch Thema einer Konferenz in Berlin. Im Auswärtigen Amt in Berlin trafen sich Vertreter der Europäischen Union, aus Großbritannien, den USA und der Afrikanischen Union, in der 55 Länder des Kontinents vertreten sind. Um vor allem weitere Mittel für die Versorgung der Bevölkerung bereitzustellen - und um den Konflikt trotz der vielen anderen globalen Krisenherde nicht zu vergessen.

Pekka Haavisto, UN-Sondergesandter für den Sudan, UN-Nothilfekoordinator Tom Fletcher und der deutsche Außenminister Johann Wadephul bei der Konferenz in BerlinBild: Liesa Johannssen/REUTERS

Mahamud Ali Jussuf, ein Diplomat aus Dschibuti und gleichzeitig Vorsitzender der Afrikanischen Union, traf bereits am Dienstag mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zu einem kurzen Gespräch zusammen. Merz sagte dabei über den Sudan: "Dort leiden zur Zeit über 20 Millionen Menschen an Hunger. Das ist fast die Hälfte der Landesbevölkerung. Deutschland zählt zu den größten Gebern der humanitären Hilfe. Wir unterstützen deswegen auch alle Bemühungen der USA, Saudi-Arabiens, der Vereinigten Arabischen Emirate und Ägyptens um einen Waffenstillstand dort."

Finanzzusagen für den Sudan im Fokus

Aber auch Merz weiß: Die Chancen auf eine Feuerpause zwischen den regulären Sudanesischen Streitkräften (SAF) und den paramilitärischen "Rapid Support Forces" (RSF) sind denkbar gering. So sind auch in Berlin Vertreter der beiden Konfliktparteien gar nicht dabei. Vor einem Jahr endete eine ähnliche Konferenz in London zu diesem Thema ohne Ergebnis, ebenso im Jahr 2024 in Paris. Deswegen standen in Berlin auch Finanzzusagen für die darbende Bevölkerung im Mittelpunkt der Konferenz.

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Zwar betonte auch Ali Jussuf, im Sudan müsse es jetzt rasch einen Waffenstillstand geben. Aber im Moment sei es fast wichtiger, dem Leid der Menschen dort global größere Aufmerksamkeit zu widmen: "Wenn die ganze Welt sich auf die Ukraine, den Iran und andere Krisen konzentriert, dann ist es glaube ich doch sehr begrüßenswert, dass Deutschland auch dieses Thema auf den Tisch bringt, damit wir das Leiden der Menschen nicht aus dem Blick verlieren." 

Spenden der Geberländer gehen zurück

Im Jahr 2024 spendeten die weltweiten Geberländer zusammen 2,07 Milliarden Dollar, um die Menschen im Sudan mit dem Nötigsten zu versorgen. 2025 waren es dann nur noch 1,77 Milliarden Dollar, was nach Expertenschätzungen nur rund 40 Prozent des tatsächlichen Bedarfs entsprach.

Ein Grund: Die starke Minderung von Hilfen aus den USA unter Präsident Donald Trump, aber auch die Konzentration im reichen Norden auf die aktuellen Konflikte um den Iran oder in der Ukraine.  Allein auf der Sudan-Konferenz in London vor einem Jahr kam rund eine Milliarde Euro an Zusagen zustande. Ein Wert, der jetzt auch in Berlin nach Angaben von Außenminister Johann Wadephul (CDU) erreicht wird. 

20 Millionen Euro mehr Unterstützung aus Deutschland

Die deutsche Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (SPD) will die deutsche Hilfe für die Notleidenden jetzt um 20 Millionen Euro erhöhen. Und nimmt dabei vor allem die Frauen in den Blick.

In einer Pressemitteilung noch vor der Konferenz schrieb die Ministerin: "Während viele Männer durch den Krieg abwesend sind, kümmern sie sich um die Familien und den Lebensunterhalt. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit unterstützt die sudanesische Bevölkerung, aber auch die Flüchtlinge in den aufnehmenden Gemeinden der Nachbarländer, und baut so Grundlagen für eine friedliche Zukunft im Sudan auf." Insgesamt belaufen sich alle deutschen Gelder für den Sudan auf nun 232 Millionen Euro. 

Ein vergessener Konflikt - weil kaum Geflüchtete kommen

Aber von einer friedlichen Zukunft ist der Sudan weit entfernt. Experten befürchten, dass sich der Konflikt bald auch auf Nachbarländer wie den Tschad ausweiten könnte. Im Land selbst herrschen unbeschreibliche Zustände.

Die britische Außenministerin Yvette Cooper am Mittwoch in BerlinBild: Odd Andersen/AFP

So wies die britische Außenministerin Yvette Cooper auf der Konferenz darauf hin, dass immer wieder Vergewaltigungen als Waffe im Krieg benutzt würden. Fast im industriellen Maßstab, wie sie betonte. Cooper stellte Gelder Großbritanniens für den Sudan in Höhe von umgerechnet rund 168 Millionen Euro für 2026 in Aussicht. 

Drohnen aus dem Ausland verschärfen den Konflikt

Volker Türk ist seit dreieinhalb Jahren der Hohe Kommissar der Vereinten Nationen für Menschenrechte. Der Jurist aus Österreich sagte der DW auf dem Berliner Treffen, die Lage im Sudan werde durch umfangreiche Waffenlieferungen aus vielen Ländern für die Konfliktparteien immer weiter angeheizt: "Es gibt keine einzige Waffe, die im Sudan produziert wird. Die modernsten Waffensysteme kommen jetzt in den Sudan, wir haben es gerade mit Drohnen gesehen. Mein Büro hat seit Anfang des Jahres 700 tote Zivilisten aufgrund von Attacken von Drohnen dokumentiert."

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Und warum wird dieser grausame Konflikt trotzdem so oft vergessen?  Thorsten Klose-Zuber, Generalsekretär der Nichtregierungsorganisation "Help - Hilfe zur Selbsthilfe", sagte am Mittwoch der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA), dies liege auch daran, dass aus dem Land bislang kaum Geflüchtete nach Europa gekommen seien. Nach Angaben des UN-Flüchtlingswerks UNHCR wurden 2025 in Europa lediglich gut 14.000 Flüchtlinge aus dem Sudan gezählt. Wesentlich weniger als etwa aus Syrien.  Entsprechend gering ist die Wahrnehmung. Trotz aller Appelle auf Konferenzen wie der in Berlin.

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