Die Seattle Seahawks nehmen im Finale der NFL erfolgreich Revanche an den New England Patriots. Während das Spiel lange Zeit ohne große Highlights auskommt, setzt die Halbzeitshow ein Ausrufezeichen.
Die Seatlle Seahawks freuen sich über ihren zweiten Erfolg im Super Bowl nach 2014Bild: Carlos Barria/REUTERS
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In einem einseitigen Finale haben die favorisierten Seattle Seahawks zum zweiten Mal den Super Bowl gewonnen. Seattle setzte sich mit 29:13 (9:0) gegen die New England Patriots durch, die erstmals seit der Ära Tom Brady wieder im großen NFL-Finale standen.
Beide Teams gehören zu den besten Defensivmannschaften der National Football League (NFL) und verteidigten vor allem in der ersten Halbzeit so gut, dass es nur wenige Punkte gab. Keine der beiden Mannschaften schaffte es zum Touchdown in die gegnerische Endzone. Stattdessen wurde der 60. Super Bowl zum "Field-Goal-Festival". Seattles Kicker Jason Myers stellte einen neuen Rekord von fünf verwandelten Versuchen auf.
Erst in der zweiten Halbzeit gelang Seattle der erste Touchdown, der fast umgehend mit einem Touchdown von den Patriots gekontert wurde. Allerdings hatten die Seahawks da bereits einen relativ beruhigenden Vorsprung, und richtig eng wurde es bis zum Schluss nicht mehr.
Sänger Bad Bunny verwandelte die Halbzeit-Show in eine Hommage an lateinamerikanische KulturBild: Mike Blake/REUTERS
Bad Bunny kritisiert seit Jahren Trumps Umgang mit Puerto Rico und die Einwanderungspolitik des US-Präsidenten, was die Grundlage eines seit 2017 anhaltenden Konflikts bildet.
Als die NFL Bad Bunny für die Super-Bowl-Halbzeitshow 2026 auswählte, bezeichnete Trump diese Entscheidung als "lächerlich" und "schrecklich". Der Auftritt "sähe Hass", so Trump. Er kündigte daher an, dem Finale fernzubleiben. Nach dem Auftritt verschärfte Trump den Ton weiter und nannte die Show "absolut furchtbar" und "abstoßend".
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Liebe ist stärker als Hass
Allerdings hatte der Latino-Superstar wie erwartet ein Zeichen gegen Hass und Spaltung und für Zusammenhalt gesetzt. Die Bühne verwandelte sich mit großem Umbauaufwand in eine Hommage an die lateinamerikanische Kultur mit Domino-spielenden Seniorinnen, Boxern, Zuckerrohrfeldern, sowie Nachbarschaftsszenen auf Straßen mit Barber Shop und Cafés.
"God bless America - all Americas", sagte Bad Bunny und zählte anschließend alle Länder Nord- und Südamerikas auf. Lady Gaga und Ricky Martin waren ebenfalls dabei. Auch andere Prominente wie Schauspielerin Jessica Alba und ihr Hollywood-Kollege Pedro Pascal übernahmen Statistenrollen. Am Ende war auf der Anzeigetafel zu lesen: "The only thing more powerful than hate is love".
Während der Halbzeit-Show kam es sogar zu einer Eheschließung. Ein Bräutigam kniete zunächst vor einer Braut und machte ihr einen Antrag, dann standen sie neben einem Geistlichen und schließlich küsste sich das Paar.
Wie die "New York Times" berichtete, war die Zeremonie auf dem Rasen des Stadions von Santa Clara echt. Das Brautpaar hatte Bad Bunny, bürgerlich Benito Antonio Martínez Ocasio, ursprünglich auf seine Hochzeit eingeladen. Der Sänger habe ihnen daraufhin angeboten, live in seiner Show zu heiraten.
Erfolgreiche Revanche für 2015
Für die Seahawks, die bereits 2014 triumphiert hatten, war es nicht nur der zweite gewonnene Super Bowl, sondern auch eine gelungene Revanche für die bittere Finalniederlage gegen die Patriots im Jahr 2015.
Damals fing New Englands Malcolm Butler 20 Sekunden vor dem Ende in der eigenen Endzone den Pass ab, der den Seahawks den Sieg gebracht hätte. Bis heute ist das die wohl legendärste Interception der NFL-Geschichte.
Damals waren die Patriots mit Quarterback Tom Brady das Nonplusultra der Liga. Sie gewannen 2002, 2004, 2005, 2015, 2017 und 2019. Mit einem siebten Titel wären sie alleiniger Rekord-Champion geworden, auch die Pittsburgh Steelers haben sechsmal gewonnen.
American Football - ein simples Spiel?
Die Sportart ist eigentlich einfach: zwei Teams, 100 Yards, zwei Endzonen, zwei Tore. Jedoch steckt mehr als nur ein bisschen Passen, Laufen und Kicken dahinter. Hier die wichtigsten Begriffe.
Bild: Getty Images/R. Foldy
Spielidee
Das Spielfeld ist 100 Yards lang. Das angreifende Team hat jeweils vier Versuche, um zehn Yards weiter zu kommen. (First, Second, Third and Fourth Down). Gelingt das, gibt es wieder vier Versuche für die nächsten zehn Yards. Der Ball kann getragen oder gepasst werden. Ziel ist die Endzone an der Kopfseite des Spielfelds. Dahinter stehen die Torstangen, durch die Field Goals erzielt werden können.
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Elf gegen Elf
Jede Mannschaft hat elf Spieler auf dem Feld, die sich an der "Line of Scrimmage" (Gedrängelinie) gegenüberstehen. Eine Mannschaft besteht aus mehreren Teams, dem angreifenden Team (Offense), dem verteidigenden Team (Defense) und Special Teams für besondere Spielsituationen, wie Field Goal oder Kickoff. Im Schnitt bestehen die Profikader der National Football League (NFL) aus 35 bis 40 Spielern.
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Kickoff
Durch Münzwurf wird entschieden, welche Mannschaft zunächst verteidigt - sie führt auch den Kickoff aus. Der Ball wird aus einem kleinen Plastikständer, dem "Tee", weit in die gegnerische Hälfte gekickt. Das angreifende Team fängt ihn und läuft damit so weit wie möglich nach vorne. Dort wo der Kickoff Return gestoppt wird, geht es anschließend mit dem ersten First Down des Spiels weiter.
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Touchdown
Wird der Ball erfolgreich in die gegnerische Endzone getragen oder gepasst, ist das ein Touchdown, der sechs Punkte bringt. Anschließend gibt es die Möglichkeit, weitere Punkte zu erzielen. Entweder durch den Extra-Point-Kick, bei dem der Ball von der 15-Yard-Linie durch die Torstangen gekickt wird (ein weiterer Punkt), oder indem er erneut in die Endzone getragen oder gepasst wird (zwei Punkte).
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Field Goal
Neben dem Touchdown ist das Field Goal die gängigste Variante Punkte zu erzielen. Wenn die Offense im vierten Versuch nah genug am gegnerischen Tor ist, das sich hinter der Endzone befindet, versucht sie ein Field Goal. Der Ball muss dabei über die Quer- und zwischen den Vertikalstangen hinduch geschossen werden. Die Defense darf versuchen zu blocken. Ein Field Goal gibt drei Punkte.
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Punt
Muss das angreifende Team in den vierten Versuch und ist dabei noch nicht auf Field-Goal-Distanz an das gegnerische Tor herangerückt, wird der Ball meist gepuntet. Das bedeutet, er wird aus dem Lauf im hohen Bogen über die Defensive hinweg in die gegnerische Hälfte gekickt. Damit wechselt das Angriffsrecht, allerdings möglichst weit weg von der eigenen Endzone.
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Quarterback
Der Quarterback ist der Regisseur des Spiels. Er sagt die Spielzüge an und verteilt die Bälle an seine Mitspieler. Zum Beispiel an den Running Back, einen Läufer, der versucht, den Ball möglichst weit durch die Verteidungsreihe des Gegners zu tragen - oder mit einem langen Pass auf Spieler, die sich weiter vorne freigelaufen haben. Der Quarterback darf aber auch selbst mit dem Ball laufen.
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Wide Receiver
Die Wide Receiver sind normalerweise die schnellsten Spieler des Teams. Sie sprinten an den Außenseiten nach vorne, laufen sich frei und warten auf einen langen Pass. Haben sie den Ball gefangen, versuchen sie, ihn bis in die Endzone zu tragen. Mit einem erfolgreichen Pass auf den Wide Receiver kann das angreifende Team oft mehr als 20, 30 oder mehr Yards mit nur einem Spielzug überbrücken.
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Tackle
Während die Offense versucht, den Ball möglichst weit nach vorne zu tragen, ist es das Ziel der Defense dies zu unterbinden. Allerdings darf nur der ballführende Spieler getackelt und zu Fall gebracht werden. Auch beim Tacklen gibt es Regeln: Verboten sind zum Beispiel der Griff ins Helmgitter, das Behindern des Passempfängers beim Fangen oder ein Stoß mit dem Helm gegen den Helm des Gegners.
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Sack
Führt die Defense ein erfolgreiches Tackling gegen den Quarterback aus, nennt man das einen Sack. Meist kommt es dazu, wenn die Defensive gut steht, der Quarterback keine passende Anspielstation findet und den Ball daher zu lange hält. Gesackt zu werden, ist für den Quarterback immer peinlich, möglicherweise schmerzhaft und wird von der Defense entsprechend gefeiert.
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Fumble
Lässt ein Spieler den Ball unfreiwillig aus den Fingern gleiten, kann das schlimme Folgen haben. Durch solch ein Fumble wird der Ball frei, das bedeutet die verteidigende Mannschaft kann sich beeilen, ihn aufzunehmen und sich dadurch das Angriffsrecht sichern. Insbesondere gegen Ende von knappen Spielen und in der Nähe der eigenen Endzone können Fumbles daher schmerzhaft sein.
Bild: picture alliance/TNS/S. Riche
Interception
Laut wird es auf den Rängen immer dann, wenn es der Defense gelingt, einen Pass abzufangen. Der Verteidiger, der den Ball fängt, wird damit sofort zum Angreifer und kann versuchen, durch die gegnerischen Reihen soweit es geht nach vorne zu sprinten. Für den Quarterback ist eine Interception eine Peinlichkeit. Sie passiert in der Regel aber nicht öfter als maximal ein- bis zweimal pro Partie.
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Coaches
Neben dem Cheftrainer (Head Coach) hat jedes NFL-Team etwa 15 Assistenztrainer. Es gibt eigene Koordinatoren für die Offense und die Defense, einen Trainer für den Quarterback, einen für die Special Teams und weitere für einige andere Positionen. Während des Spiels sind die wichtigsten Trainer per Headset miteinander und mit den Schlüsselspielern auf dem Feld verbunden und geben Kommandos.
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Schiedsrichter
Da American Football ein sehr schnelles Spiel mit hohem Körpereinsatz ist, braucht es eine ganze Crew von Schiedsrichtern, um alles mitzubekommen. Mindestens sind vier, in der Profiliga NFL sogar sieben Unparteiische pro Partie auf dem Feld. Jeder von ihnen überwacht einen anderen Bereich des Spiels. Der Ober-Schiedsrichter heißt Referee, oder wegen seiner weißen Kappe auch "Whitecap".
Bild: picture-alliance/AP Photo/J. Dempsey
Cheerleader
Für gute Stimmung im Publikum sorgen - neben gelungenen Aktionen auf dem Feld - die Cheerleader. Für viele US-amerikanische Mädchen und junge Frauen ist es ein Traum, ein NFL-Cheergirl zu werden. Allerdings sind die Auswahlverfahren und die Arbeitsbedingungen hart - bei geringer Bezahlung.