Superman und Co. haben übermenschliche Kräfte und retten die Welt. Doch sie sind nicht die ersten Superhelden: Antike Götter wie Zeus, Diana oder Herakles standen Pate für ihre neuzeitlichen Kollegen.
"Mythos Superhelden": Die heutigen Superhelden haben ihren Ursprung in der AntikeBild: Archäologisches Museum Hamburg/Contemporanea Progetti
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Superhelden haben es nicht leicht: Im ewigen Kampf gegen das Böse müssen sie sich mit Superschurken herumschlagen und ihre eigenen Wünsche selbstlos zurückstellen. Wenigstens kommen sie aus allen Gefechten heil heraus - dank Superkräften.
Sie können fliegen, sind megastark und beherrschen auch sonst so einige Wunderdinge. Ihre besonderen Fähigkeiten verdanken sie unterschiedlichsten Faktoren. So stammt Superman vom Planeten Krypton, ist also eigentlich ein Außerirdischer, wenn auch in menschlicher Gestalt. Als Kleinkind mit einem Raumschiff auf der Erde ausgesetzt, bezieht er seine übermenschlichen Kräfte von der Sonne, die ihn mit Energie auflädt, und der geringeren Schwerkraft seines Gastplaneten. Spider-Man wiederum wird von einer radioaktiv verseuchten Spinne gebissen und kann fortan Netze weben oder Wände hochklettern. Manchmal hilft auch die Verwandtschaft: Wonder Woman zum Beispiel ist die Tochter einer Amazone und eines Gottes.
Superhelden gab es schon immer
"Alle Charaktere, die wir in Comics und im Film und wo auch immer heutzutage sehen, haben ihren Ursprung tatsächlich in der Antike und noch weiter zurück in der Zeit", sagt der Archäologe Michael Merkel, der im Archäologischen Museum Hamburg die Ausstellung "Mythos Superhelden" betreut.
Superhelden: Weltretter mit Superkräften
Ohne sie wäre die Filmwelt halb so spannend: Ein Superbösewicht, der die Weltherrschaft ergattern will, und der Superheld, der die Welt vor dem Untergang rettet. Häufig stammen die Weltretter aus dem Comic-Universum.
Bild: Cinema Publishers Collection/IMAGO
Spider-Man, der Star der Marvel-Comics
Der Biss einer radioaktiv verseuchten Spinne verleiht ihm Superkräfte. Seine Spezialität: An Wänden haften und Gefahr frühzeitig wittern. Aus Drüsen an seinen Händen kann er Spinnennetze verschießen, um seine Gegner unschädlich zu machen. Er stellt seine Verantwortung über alles und lässt selbst seine große Liebe stehen. Er wurde 1962 erschaffen und stammt von DC's Konkurrenten, dem Marvel-Verlag.
Bild: Marvel/Mary Evans/IMAGO
Hulk - wehe, wenn er wütend wird
Auch ein Marvel-Charakter. Der Wissenschaftler Bruce Banner wird eines Tages einer starken Gammastrahlung ausgesetzt: Wenn er wütend wird, verwandelt sich Banner seitdem in ein großes grünes Monster. Anfangs kann er es kaum beherrschen, doch als er lernt, diese Kraft gezielt einzusetzen, wird aus dem vermeintlichen Monster ein nützlicher Superheld.
Bild: Marvel Studio/Ronald Grant/IMAGO
Mit Captain America gegen Hitler
1941 startete mit diesem durch und durch US-amerikanischen Patrioten eine Propaganda-Kampagne gegen die deutschen Nazis. "Cap" ist eine Kampfmaschine, seine einzige Waffe ist ein nahezu unzerstörbares Schild. Seine Körperkraft, Ausdauer und seine Reaktionen werden durch ein vom Militär entwickeltes Serum verstärkt. Das Serum gerät jedoch in die Hände der Nazis.
Bild: Marvel Studio/Mary Evans/IMAGO
Daredevil - stärker als die Justiz
Bei einem Unfall verliert Matthew sein Augenlicht und wird mit radioaktiver Flüssigkeit übergossen. Diese schärft sämtliche Sinne - Matthew kann selbst durch Wände hören. Er wird ein erfolgreicher Anwalt und nimmt nachts seine zweite Identität als Daredevil an. Nur so kann er die Verbrecher stellen, die tagsüber der Rechtsprechung entgangen sind.
Bild: Mary Evans Picture Library/Ronald Grant/IMAGO
Deadpool - der Anti-Held
Als Wade Wilson von seiner Krebserkrankung erfährt, unterzieht er sich einem riskanten Experiment. Danach ist er geheilt - aber entstellt. Aus Wade wird "Deadpool", der einen Rachefeldzug gegen seine Peiniger beginnt. Brutal, psychotisch und mit bitterbösem Humor - der Anti-Held trifft offenbar den Geschmack des Kinopublikums: Wochenlang führte "Deadpool" die deutschen Kinocharts an.
Bild: Twentieth Century Fox/dpa/picture alliance
Batman, der dunkle Ritter
Als Kind wird Bruce Wayne Zeuge des Mordes an seinen Eltern. Als Erwachsener macht er es sich zur Lebensaufgabe, seine Stadt Gotham City vom Verbrechen zu befreien. Seine Kraft basiert auf hartem Training, Intelligenz und technischen Hilfsmitteln. Eines der wichtigsten ist das Batmobil: ein Fahrzeug, das quasi alles kann. Sein Kostüm, einer Fledermaus nachempfunden, soll Angst einflößen.
Bild: Karo Premiere Film Company/Itar-Tass/dpa/picture alliance
Batman V Superman - unfreiwillige Allianz
In "Batman V Superman" (2016) sind sich die beiden zunächst nicht grün, müssen sich aber verbünden, um die Welt zu retten. Unterstützung bekommen sie von Wonder Woman. Eine Geschichte, wie es sich für Superhelden und -heldinnen gehört: Kräfte einsetzen, um die Menschheit vor üblen Unholden zu retten. Diese Drei stammen aus dem DC-Verlag, der bereits 1934 gegründet wurde.
Bild: Cinema Publishers Collection/IMAGO
Superman, der Alleskönner
Der Urvater aller Superhelden: Superman, 1933 erschaffen von den beiden Comiczeichnern Jerry Siegel und Joe Shuster. Fähigkeiten: Superohren, Superpuste, superschnell, superstark, unverwundbar, er kann fliegen. Die Molekulardichte seines Körpers ist größer als beim Menschen, daher die Superkräfte. Er kommt vom Planeten Krypton und kann sich durch das Sonnenlicht der Erde energetisch aufladen.
Bild: ZUMA Press/IMAGO
Supergirl, Supermans Cousine
Sie hatte ihre ersten Auftritte in den Superman-Comics, 1959 aber bekam sie ihre eigene Reihe. Supergirl besitzt die gleichen Kräfte und Fähigkeiten wie ihr Cousin. Der Supergirl-Film von 1984 mit Helen Slater floppte, 2015 entstand eine TV-Serie, die im März 2016 auch in Deutschland startete. Funfact: Helen Slater spielt in der Serie die Adoptivmutter von Supergirl.
Bild: Ronald Grant/Mary Evans Picture Library/picture alliance
Catwoman - Batmans Gegenspielerin
Eigentlich war sie als Gegnerin von Batman gedacht. Aber irgendwann wurden sich die beiden auch sympathisch, was gelegentliche Techtelmechtel zur Folge hatte. Der Katzenfrau wurden mehrere Filme gewidmet - mit namhaften Schauspielerinnen. 1994 verkörperte Michelle Pfeiffer die Figur, 2004 entstand ein weiterer Film mit Halle Berry (oben), Anne Hathaway tauchte 2012 in "The Dark Knight Rises" auf.
Bild: United Archives/picture alliance
Hellboy - kein klassischer Superheld
Er ist ein Dämon und stammt aus einer Zwischendimension - direkt aus dem Vorhof der Hölle. Aus Flammen geboren, ist er natürlich feuerfest, megastark, und quasi unverwundbar. Seine Waffe: Ein Spezialrevolver mit Munition aus allem, was die Schattenwelt nicht mag: Weihwasser, Knoblauch, Silber. Damit geht er auf Dämonenjagd und rettet die Menschheit schließlich vor der Apokalypse.
Bild: United Archives/picture alliance
Heldenkollektiv 1: The Watchmen
Auch nicht gerade die Vorzeige-Superhelden sind "The Watchmen". Das Magazin "Time" zählt die bei DC erschienene Graphic Novel zu den besten 100 englischsprachigen Romanen, die zwischen 1923 und 2005 veröffentlicht wurden. 2009 wurde die Story verfilmt: Der ehemalige Superheld "The Comedian" wird ermordet. Sein Kollege Rorschach sucht nach den Tätern und kommt einer Verschwörung auf die Spur.
Bild: Mary Evans Picture Library/picture alliance
Heldenkollektiv 2: X-Men
Es sind junge Mutanten mit übernatürlichen Fähigkeiten. Wolverine (oben) hat ein mit Stahl überzogenes Skelett und kann Stahlkrallen ausfahren. Andere Mutanten töten kraft ihrer Gedanken Menschen, können sich teleportieren, ihre Umgebung vereisen oder Feinde mit Blicken vernichten. Der stärkste Mutant ist Magneto, der aber gleichzeitig der Superbösewicht ist und von den X-Men gejagt wird.
Bild: imago images/Mary Evans
Heldenkollektiv 3: Fantastic Four
Die Fantastischen Vier sind eine Gruppe von Helden mit verschiedenen Fähigkeiten, die sie bei einer Reise durch eine Art Wurmloch erlangen: Reed wird extrem dehnbar, Susan kann sich unsichtbar machen und Kraftfelder erzeugen, ihr jüngerer Bruder Johnny kann Feuer kontrollieren, sich selbst entzünden und fliegen, und Ben wird zum steinernen Muskelprotz. Gemeinsam retten sie die gesamte Menschheit.
Bild: Twentieth Century Fox /AP Photo/picture alliance
Das ultimative Heldenkollektiv: Avengers
Aufmarsch der Marvel-Superhelden: Außer Captain America und Hulk treffen wir hier unter anderem Black Widow (Spionin und Nahkämpferin), Iron Man (Kämpfer in hochtechnisierter Eisenrüstung) und Thor (der mit seinem Hammer Donner und Blitz erzeugen kann). Viele weitere Marvel-Figuren sind seit 1963 in den Avengers-Comics aufgetaucht, die Filme gehören zu den erfolgreichsten Kino-Blockbustern.
Bild: Marvel Studios/Mary Evans/IMAGO
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Die Götter der griechischen oder nordisch-germanischen Mythologie verfügten über erstaunliche Kräfte, klärt er auf: "Da ist ein Zeus, der Blitze schleudert, oder ein Neptun, der in der Lage ist, eine Sturmflut auszulösen. Thor, der Donnergott, kann Stürme heraufbeschwören." Auch die Pharaonen stellten sich als Superhelden dar, als Söhne des Sonnengotts - zuständig für das Licht in der Welt. "Dahinter steckt wohl, dass man sich ungewöhnliche Naturerscheinungen im Grunde nur so hat erklären können. Unsere Superhelden heute ähneln diesen Göttern, auch wenn wir sie nicht als solche titulieren."
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Superman, der Saubermann
Die meisten Menschen denken bei Superhelden in der Tat wohl weniger an Götter als an Actionfiguren aus ihrer Kindheit und ahnen nicht, dass diese schon vor 2000 Jahren populär waren - Actionfiguren der Antike sozusagen. "Man konnte damals rund um die großen Arenen Gladiatorenfiguren kaufen", erzählt Merkel der DW. "Die waren aus Ton geformt, hatten einen abnehmbaren Helm oder konnten einen Arm bewegen."
Die siegreichen Gladiatoren und Götter der Antike sind den Heldinnen und Helden der Neuzeit gewichen - den legendären kostümierten Charakteren, deren Geschichten in Comics ihren Anfang nahmen und die heutzutage in Blockbustern auf der Kinoleinwand für klingende Kassen sorgen.
Superman war der erste Superheld, der es zu Weltruhm brachte. Er erblickte im Jahr 1938 das Licht der Welt - mit Erscheinen des Heftes Action Comics #1.
Das erste Heft mit Superman wurde 2021 für 3,25 Millionen US-Dollar versteigert; bei Erscheinen kostete es 10 Cent.Bild: Emily Clements/AP/picture alliance
Muskelbepackt, im engen Ganzkörperkostüm und mit rotem Cape, kämpft er immer und überall für Gerechtigkeit und ist über jeden Zweifel erhaben: "Viele der Superhelden sind ja in einer Zeit entstanden, die von festen Moralvorstellungen der Amerikaner geprägt waren", sagt Merkel. "Sie taten nichts Illegales, sie mussten immer 'clean' und anständig sein."
Allzu menschliche Gottheiten
Hätte man sich im Comic ein Vorbild an den griechischen Göttern genommen, wäre Superman wohl nicht ganz so tugendhaft geraten. Denn Zeus, Herakles (bei den Römern hieß er Herkules, Anm. d. Red.), Hera und Co. scherten sich nicht um einen moralischen Kompass. Im Olymp waren Neid, Gier, sexuelle Ausschweifungen, Jähzorn und Rachsucht an der Tagesordnung.
Göttervater Zeus zum Beispiel ging seiner Gattin Hera ständig fremd, sein Sohn Herakles war das Produkt eines Seitensprungs. Aus Angst vor der eifersüchtigen Hera setzte ihn seine Mutter aus. Doch wie das Leben so spielt: Das Kind landete bei Zeus' Frau, die allerdings nicht wusste, woher es kam. Ihrer göttlichen Muttermilch verdankt Herakles seine Bärenkräfte. Der Knabe geriet auch schnell in Wut: Fühlte er sich beispielsweise zu Unrecht getadelt,wurde er zum Berserker. Verehrt wurden die antiken Götter vor 2000 Jahren gleichwohl - trotz ihrer allzu menschlichen Fehler.
Herakles erdrosselte schon als Kleinkind mühelos zwei Schlangen: Hera hatte gehofft, sie würden ihn töten Bild: Therin-Weise/ImageBroker/picture alliance
Die aktuellen Superhelden sind in einem anderen historischen Kontext entstanden, sagt Merkel. "Superman funktionierte im Grunde als Leitbild für die Soldaten und auch für die Jugend."Auch der Marvel-Comic-Held Captain America galt als Vorbild. Er wurde 1941 als personifizierter Patriotismus erfunden und in den Krieg gegen Nazideutschland geschickt. Sein Gegner: der Superschurke "Red Skull".
Ohne Gewalt geht es nicht
Bei allem Anstand, den sie an den Tag legen: Pazifistisch sind auch die modernen Superhelden nicht, Gewalt ist ein legitimes Mittel im Einsatz gegen das Böse. So auch bei Wonder Woman alias Diana, die 1941 als erste Frau in einem Comic mit Zauberlasso und magischem Armband für Freiheit und Gerechtigkeit kämpfte. Sie war der Urtyp desPin-up-Girlsaus dem Zweiten Weltkrieg: Auf dem roten Bustier prangt der US-amerikanische Adler, ihre Hotpants haben die Farben der US-Flagge, auf dem Kopf trägt sie eine Art Diadem, rote Stiefel vervollständigen das Outfit. Sie ist selbstbewusst, stark und intelligent.
Gal Gadot als Wonder Woman muss mal wieder für Gerechtigkeit sorgen Bild: Warner Bros Pictures/ZUMA/imago images
Als Wonder Woman in die Domäne der Superhelden vorstieß, hatten ihre männlichen Kollegen Superman und Batman - der Fledermaus-Mann erblickte 1939 das Licht der Comic-Welt - bereits zahlreiche Abenteuer bestritten. Ihre Comics waren heißbegehrt und kursierten in Millionenauflagen - auch wenn Eltern sich aufregten, dass zu viel Brutalität in den Heften Kinder negativ beeinflusse. Wonder Woman kam da gerade recht: Sie ging weniger rabiat mit den Schurken um, war eigentlich eher um friedliche Lösungen bemüht.
Wie divers ist die Welt der Superhelden?
Und sie sollte nicht die einzige Frau im ständig wachsenden Superhelden-Universum bleiben. Die Heroen wurden diverser. T'Challa alias Black Panther erschien 1966 als erster schwarzer Superheld im US-amerikanischen Mainstream-Comic. 1975 tauchte die schwarze Mutantin Storm auf, die in Afrika von Schamaninnen großgezogen wurde, und verstärkte die X-Men. Deren Lehrer, der Telepath Charles Xavier, sitzt im Rollstuhl. Auch Batgirl landet im Rollstuhl - und unterstützt Batman fortan als Oracle.
Im Kino allerdings hält sich die Diversität noch in Grenzen. Erst 2018 ließ Marvel einen schwarzen Superhelden, Black Panther, ganz allein die Welt retten. Und 2019 wurde es erstmals einer Frau zugetraut, die Welt ohne männliche Unterstützung vor dem Untergang zu bewahren: "Captain Marvel" avancierte zum Kassenmagneten. Immerhin: Mit der Serie "Ms. Marvel" ist seit 2022 auch eine muslimische, pakistanisch-amerikanische Teenagerin zur Leinwand-Superheldin mutiert; Millionen südasiatischer Frauen haben jetzt endlich ihr eigenes Vorbild.
Ms Marvel wurde zur Identifikationsfigur südostasiatischer Frauen Bild: Disney/AP/picture alliance
"Im Grunde genommen gibt es in allen Ländern Geschichten von Superhelden", sagt Michael Merkel - von Asien bis Afrika, von Europa bis Amerika. Und diese Superhelden würden seiner Ansicht nach auch dringend gebraucht: "Ich denke, es gibt auf dieser Welt noch so viele Superschurken. Da braucht man auch Heldinnen und Helden, die uns Hoffnung geben."
Die Ausstellung "Mythos Superhelden. Von Herakles zu Superman" läuft noch bis zum 26. April 2026 im Archäologischen Museum Hamburg.