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Von Zeus bis Batman: Eine kleine Geschichte der Superhelden

14. November 2025

Superman und Co. haben übermenschliche Kräfte und retten die Welt. Doch sie sind nicht die ersten Superhelden: Antike Götter wie Zeus, Diana oder Herakles standen Pate für ihre neuzeitlichen Kollegen.

Das Ausstellungsplakat "Mythos Superhelden – Von Herakles zu Superman". Oben sieht man antike Götter, unten stehen Actionfiguren.
"Mythos Superhelden": Die heutigen Superhelden haben ihren Ursprung in der AntikeBild: Archäologisches Museum Hamburg/Contemporanea Progetti

Superhelden haben es nicht leicht: Im ewigen Kampf gegen das Böse müssen sie sich mit Superschurken herumschlagen und ihre eigenen Wünsche selbstlos zurückstellen. Wenigstens kommen sie aus allen Gefechten heil heraus - dank Superkräften.

Sie können fliegen, sind megastark und beherrschen auch sonst so einige Wunderdinge. Ihre besonderen Fähigkeiten verdanken sie unterschiedlichsten Faktoren. So stammt Superman vom Planeten Krypton, ist also eigentlich ein Außerirdischer, wenn auch in menschlicher Gestalt. Als Kleinkind mit einem Raumschiff auf der Erde ausgesetzt, bezieht er seine übermenschlichen Kräfte von der Sonne, die ihn mit Energie auflädt, und der geringeren Schwerkraft seines Gastplaneten. Spider-Man wiederum wird von einer radioaktiv verseuchten Spinne gebissen und kann fortan Netze weben oder Wände hochklettern. Manchmal hilft auch die Verwandtschaft: Wonder Woman zum Beispiel ist die Tochter einer Amazone und eines Gottes. 

Superhelden gab es schon immer

"Alle Charaktere, die wir in Comics und im Film und wo auch immer heutzutage sehen, haben ihren Ursprung tatsächlich in der Antike und noch weiter zurück in der Zeit", sagt der Archäologe Michael Merkel, der im Archäologischen Museum Hamburg die Ausstellung "Mythos Superhelden" betreut.

Die Götter der griechischen oder nordisch-germanischen Mythologie verfügten über erstaunliche Kräfte, klärt er auf: "Da ist ein Zeus, der Blitze schleudert, oder ein Neptun, der in der Lage ist, eine Sturmflut auszulösen. Thor, der Donnergott, kann Stürme heraufbeschwören." Auch die Pharaonen stellten sich als Superhelden dar, als Söhne des Sonnengotts - zuständig für das Licht in der Welt. "Dahinter steckt wohl, dass man sich ungewöhnliche Naturerscheinungen im Grunde nur so hat erklären können. Unsere Superhelden heute ähneln diesen Göttern, auch wenn wir sie nicht als solche titulieren." 

Superman, der Saubermann 

Die meisten Menschen denken bei Superhelden in der Tat wohl weniger an Götter als an Actionfiguren aus ihrer Kindheit und ahnen nicht, dass diese schon vor 2000 Jahren populär waren - Actionfiguren der Antike sozusagen. "Man konnte damals rund um die großen Arenen Gladiatorenfiguren kaufen", erzählt Merkel der DW. "Die waren aus Ton geformt, hatten einen abnehmbaren Helm oder konnten einen Arm bewegen."

Die siegreichen Gladiatoren und Götter der Antike sind den Heldinnen und Helden der Neuzeit gewichen - den legendären kostümierten Charakteren, deren Geschichten in Comics ihren Anfang nahmen und die heutzutage in Blockbustern auf der Kinoleinwand für klingende Kassen sorgen.

Superman war der erste Superheld, der es zu Weltruhm brachte. Er erblickte im Jahr 1938 das Licht der Welt - mit Erscheinen des Heftes Action Comics #1.

Das erste Heft mit Superman wurde 2021 für 3,25 Millionen US-Dollar versteigert; bei Erscheinen kostete es 10 Cent.Bild: Emily Clements/AP/picture alliance

Muskelbepackt, im engen Ganzkörperkostüm und mit rotem Cape, kämpft er immer und überall für Gerechtigkeit und ist über jeden Zweifel erhaben: "Viele der Superhelden sind ja in einer Zeit entstanden, die von festen Moralvorstellungen der Amerikaner geprägt waren", sagt Merkel. "Sie taten nichts Illegales, sie mussten immer 'clean' und anständig sein." 

Allzu menschliche Gottheiten 

Hätte man sich im Comic ein Vorbild an den griechischen Göttern genommen, wäre Superman wohl nicht ganz so tugendhaft geraten. Denn Zeus, Herakles (bei den Römern hieß er Herkules, Anm. d. Red.), Hera und Co. scherten sich nicht um einen moralischen Kompass. Im Olymp waren Neid, Gier, sexuelle Ausschweifungen, Jähzorn und Rachsucht an der Tagesordnung.

Göttervater Zeus zum Beispiel ging seiner Gattin Hera ständig fremd, sein Sohn Herakles war das Produkt eines Seitensprungs. Aus Angst vor der eifersüchtigen Hera setzte ihn seine Mutter aus. Doch wie das Leben so spielt: Das Kind landete bei Zeus' Frau, die allerdings nicht wusste, woher es kam. Ihrer göttlichen Muttermilch verdankt Herakles seine Bärenkräfte. Der Knabe geriet auch schnell in Wut: Fühlte er sich beispielsweise zu Unrecht getadelt, wurde er zum BerserkerVerehrt wurden die antiken Götter vor 2000 Jahren gleichwohl - trotz ihrer allzu menschlichen Fehler.

Herakles erdrosselte schon als Kleinkind mühelos zwei Schlangen: Hera hatte gehofft, sie würden ihn töten Bild: Therin-Weise/ImageBroker/picture alliance

Die aktuellen Superhelden sind in einem anderen historischen Kontext entstanden, sagt Merkel. "Superman funktionierte im Grunde als Leitbild für die Soldaten und auch für die Jugend." Auch der Marvel-Comic-Held Captain America galt als Vorbild. Er wurde 1941 als personifizierter Patriotismus erfunden und in den Krieg gegen Nazideutschland geschickt. Sein Gegner: der Superschurke "Red Skull".

Ohne Gewalt geht es nicht 

Bei allem Anstand, den sie an den Tag legen: Pazifistisch sind auch die modernen Superhelden nicht, Gewalt ist ein legitimes Mittel im Einsatz gegen das Böse. So auch bei Wonder Woman alias Diana, die 1941 als erste Frau in einem Comic mit Zauberlasso und magischem Armband für Freiheit und Gerechtigkeit kämpfte. Sie war der Urtyp des Pin-up-Girls aus dem Zweiten Weltkrieg: Auf dem roten Bustier prangt der US-amerikanische Adler, ihre Hotpants haben die Farben der US-Flagge, auf dem Kopf trägt sie eine Art Diadem, rote Stiefel vervollständigen das Outfit. Sie ist selbstbewusst, stark und intelligent.

Gal Gadot als Wonder Woman muss mal wieder für Gerechtigkeit sorgen Bild: Warner Bros Pictures/ZUMA/imago images

Als Wonder Woman in die Domäne der Superhelden vorstieß, hatten ihre männlichen Kollegen Superman und Batman - der Fledermaus-Mann erblickte 1939 das Licht der Comic-Welt - bereits zahlreiche Abenteuer bestritten. Ihre Comics waren heißbegehrt und kursierten in Millionenauflagen - auch wenn Eltern sich aufregten, dass zu viel Brutalität in den Heften Kinder negativ beeinflusse. Wonder Woman kam da gerade recht: Sie ging weniger rabiat mit den Schurken um, war eigentlich eher um friedliche Lösungen bemüht.

Wie divers ist die Welt der Superhelden?

Und sie sollte nicht die einzige Frau im ständig wachsenden Superhelden-Universum bleiben. Die Heroen wurden diverser. T'Challa alias Black Panther erschien 1966 als erster schwarzer Superheld im US-amerikanischen Mainstream-Comic. 1975 tauchte die schwarze Mutantin Storm auf, die in Afrika von Schamaninnen großgezogen wurde, und verstärkte die X-Men. Deren Lehrer, der Telepath Charles Xavier, sitzt im Rollstuhl. Auch Batgirl landet im Rollstuhl - und unterstützt Batman fortan als Oracle.

Im Kino allerdings hält sich die Diversität noch in Grenzen. Erst 2018 ließ Marvel einen schwarzen Superhelden, Black Panther, ganz allein die Welt retten. Und 2019 wurde es erstmals einer Frau zugetraut, die Welt ohne männliche Unterstützung vor dem Untergang zu bewahren: "Captain Marvel" avancierte zum Kassenmagneten. Immerhin: Mit der Serie "Ms. Marvel" ist seit 2022 auch eine muslimische, pakistanisch-amerikanische Teenagerin zur Leinwand-Superheldin mutiert; Millionen südasiatischer Frauen haben jetzt endlich ihr eigenes Vorbild.

Ms Marvel wurde zur Identifikationsfigur südostasiatischer Frauen Bild: Disney/AP/picture alliance

"Im Grunde genommen gibt es in allen Ländern Geschichten von Superhelden", sagt Michael Merkel - von Asien bis Afrika, von Europa bis Amerika. Und diese Superhelden würden seiner Ansicht nach auch dringend gebraucht: "Ich denke, es gibt auf dieser Welt noch so viele Superschurken. Da braucht man auch Heldinnen und Helden, die uns Hoffnung geben."

Die Ausstellung "Mythos Superhelden. Von Herakles zu Superman" läuft noch bis zum 26. April 2026 im Archäologischen Museum Hamburg.

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