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Politik

"Wir haben nicht aufgehört zu protestieren"

26. Februar 2021

Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja hat im DW-Interview ihre vielzitierte Aussage, die belarussische Opposition habe "die Straße verloren", erläutert. Der Satz sei aus dem Kontext gerissen.

Belarussische Oppositionsführerin Tichanowskaja
Bild: Raul Mee//Estonian Presidential Press Office/AP/dpa/picture alliance

Der Protest habe sich verändert, aber "wir haben nicht aufgehört zu protestieren", sagte Swetlana Tichanowskaja der Deutschen Welle. Massendemonstrationen werde es dann wieder geben, wenn die Menschen dazu bereit seien, wenn sie wieder die Kraft hätten, auf die Straße zu gehen. Die Opposition sei dabei, neue Strukturen aufzubauen, so Tichanowskaja. Es gebe "Chats, Telegram-Kanäle und Instagram, um miteinander zu kommunizieren.“

Zu ihrer vielzitierten Aussage in einem Interview mit der Schweizer Zeitung "Le Temps", die belarussische Opposition habe "die Straße verloren", sagte Tichanowskaja der DW: "Es wurde schon klargestellt, dass dieser Satz aus dem Zusammenhang gerissen war", und sie wolle sich auch nicht nachträglich rechtfertigen. Aber der Kontext der Aussage sei gewesen, dass die Menschen auf den Straßen von Belarus mit Schlagstöcken in den Untergrund getrieben worden sein.

Tichanowskaja: Die Wut ist immer noch da

Es tue wirklich weh, wenn man keine Möglichkeit habe, seinen Protest offen zu zeigen, obwohl es in der Verfassung steht. Die Menschen hätten Angst, ihre Häuser zu verlassen, weil sie Gewalt fürchten. Sie können sich nicht frei äußern oder sich frei bewegen. Dass sie von der Straße verdrängt, mit Knüppeln geschlagen und bedroht wurden, habe sie aber nicht gebrochen. Ihre Wut sei immer noch da.

"Die Menschen waren und sind immer noch auf der Suche nach neuen Möglichkeiten, ihren Protest zu zeigen. Wir haben nicht aufgehört", sagte sie der DW. Sie verstehe, was es für jeden einzelnen bedeute, die Ängste zu überwinden und zu protestieren. Dafür bewundere sie die Menschen. Die Proteste setzten das Regime von Präsident Alexander Lukaschenko unter Druck, denn dadurch wisse die ganze Welt, was in Belarus passiert, so die Oppositionspolitikerin.

Regierungsgegner Anfang Oktober auf den Straßen der Hauptstadt MinskBild: Stringer/Reuters

Die Proteste in Belarus begannen unmittelbar nach der als weithin gefälscht geltenden Präsidentenwahl am 9. August. Lukaschenko hatte sich von der Wahlkommission mit 80,1 Prozent der Stimmen zum Sieger erklären lassen. Die Opposition sieht die Bürgerrechtlerin Tichanowskaja als wahre Gewinnerin. Die EU erkennt Lukaschenko nicht mehr als Präsidenten an.

In den ersten Wochen gingen zehntausende Oppositionsanhänger gegen den seit 1994 autoritär regierenden Staatschef Lukaschenko auf die Straße. Zuletzt gab es nur noch vereinzelt Proteste. Sicherheitskräfte gingen hart gegen die Demonstranten vor. Tausende wurden festgenommen und Berichten zufolge teils schwer misshandelt. Gerichte verhängten immer wieder Urteile gegen Demonstranten - wohl auch zur Abschreckung. Oppositionspolitiker flohen ins Ausland. Tichanowskaja lebt im Exil in Litauen. Ihr Mann sitzt in Belarus in Haft.

qu/ack (dw, dpa)

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