Syrische Armee beschießt kurdische Stadtviertel von Aleppo
7. Januar 2026
Wie die französische Nachrichtenagentur AFP meldet, beschoss die syrische Armee die kurdischen Stadtviertel der Großstadt Aleppo mit Artillerie. Das Militär hatte die zwei von Kurden kontrollierten Stadtviertel Scheich Maksud und Aschrafija zuvor zu militärischem Sperrgebiet erklärt und Zivilisten aufgefordert, die Bezirke über zwei eingerichtete Korridore zu verlassen. Hunderte Menschen, darunter viele Familien mit Kindern, ergriffen die Flucht, wie Korrespondenten in Syrien berichten.
Zwei Stadtviertel noch unter kurdischer Kontrolle
Seit dem Sturz von Machthaber Baschar al-Assad im Dezember 2024 wird das nordsyrische Aleppo von der neuen islamistischen Übergangsregierung kontrolliert. Nur die Stadtviertel Scheich Maksoud und Aschrafija standen bisher noch unter der Kontrolle kurdischer Einheiten, die Verbindungen zu den mehrheitlich kurdischen Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) und anderen kurdischen Milizen haben.
Am Montag und Dienstag war es in Aleppo zu Gefechten zwischen Truppen der Übergangsregierung und kurdischen Kämpfern gekommen, am Dienstag gab es nach Berichten syrischer Staatsmedien dabei neun Tote. Am Mittwoch kam es weiter zu vereinzelten Zusammenstößen. Schulen, Hochschulen, Behörden und der Flughafen der zweitgrößten Stadt Syriens blieben geschlossen.
Ein tiefer Riss geht durch das Land
Seit dem Umbruch in Syrien Ende 2024 streben die neuen Machthaber in Damaskus eine Zentralregierung für das Land an. Das Land wurde durch die jahrzehntelange Herrschaft der Assad-Familie und den fast 14 Jahre dauernden Bürgerkrieg tief gespalten.
Unter den ethnischen Minderheiten in Syrien stellen Kurden die größte Gruppe. Sie leben vor allem im Nordosten in einem selbstverwalteten Gebiet. In ihrem Konflikt mit der Regierung in Damaskus geht es vor allem um die Frage, wie viel Autonomie und welche Rechte sie erhalten, aber auch um Ressourcen. Im Nordosten liegen die meisten Öl- und Gasreserven des Landes.
Eingliederung nur auf dem Papier
Im März vergangenen Jahres hatten sich die Kurden und die Übergangsregierung auf eine Eingliederung der bisher autonomen Institutionen in die staatlichen Strukturen geeinigt. Der Vereinbarung nach sollten auch die kurdischen Kämpfer in die Armee eingegliedert werden. Bis heute wurde die Vereinbarung jedoch nicht umgesetzt.
Die islamistische HTS-Miliz und mit ihr verbündete sunnitische Gruppen hatten am 8. Dezember 2024 die syrische Hauptstadt Damaskus erobert. Assad, der Syrien mit eiserner Hand regiert hatte, floh nach Russland.
Übergangspräsident wurde der HTS-Anführer Ahmed al-Scharaa. Er sicherte zwar den Schutz von religiösen und ethnischen Minderheiten zu, doch kam es seit seiner Machtübernahme wiederholt zu Gewalt gegen Alawiten, Drusen und den Kurden.
haz/se (afp, dpa, rtr)
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