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KonflikteSyrien

Syrien: Armee vertreibt Kurden-Kämpfer aus ihren Regionen

Veröffentlicht 18. Januar 2026Zuletzt aktualisiert 18. Januar 2026

Nach Gefechten haben syrische Truppen über weitere Kurdengebiete im Nordosten des Landes die Kontrolle übernommen. Kurdische Kämpfer zogen sich auch von zwei bedeutenden Ölfeldern zurück.

Syrien 2026 | Konvoi syrischer Regierungstruppen
Konvoi syrischer Regierungstruppen 50 Kilometer östlich der Großstadt Aleppo (Aufnahme vom Samstag) Bild: Ghaith Alsayed/AP Photo/picture alliance

Ungeachtet der Warnung der USA haben syrische Armeeeinheiten ihren Vorstoß im Norden und Nordosten des Landes fortgesetzt. Sie vertrieben die kurdisch dominierten Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) und verbündete Kämpfer aus Regionen, in denen die Kurden bislang de facto Autonomie genossen.

Kontrolle über Tabka, Euphrat-Staudamm und größtes Ölfeld al-Omar

Die staatliche syrische Nachrichtenagentur SANA berichtet, Regierungstruppen hätten die nördliche Stadt Tabka sowie die größte Talsperre des Landes am Fluss Euphrat eingenommen. Laut SANA sprengten kurdische Kämpfer eine strategisch bedeutende Brücke in Tabka sowie eine weitere Brücke über den Euphrat.

Darüber hinaus hätten Regierungssoldaten mehrere Dörfer in der ostsyrischen Provinz Deir al-Sur erobert, nachdem sich SDF-Kämpfer zuvor aus dem Gebiet zurückgezogen hätten, meldet die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Die SDF hätten zudem die Kontrolle über das größte Ölfeld al-Omar und über das Ölfeld al-Tanak aufgegeben - woraufhin Regierungstruppen nachgerückt seien. Die Beobachtungsstelle mit Sitz in Großbritannien bezieht ihre Informationen aus einem Netz von Informanten vor Ort.

Kampf um bedeutenden Tischrin-Staudamm

Die SDF-Truppen teilten unterdessen mit, es sei ihnen gelungen, im Bereich des Tischrin-Staudamms im Norden Syriens drei versuchte Angriffe von Milizen abzuwehren, die mit den Regierungstruppen verbündet seien. Die Gefechte dauerten dort an, heißt es in der Mitteilung. Der Staudamm ist wichtig für die Wasser- und Stromversorgung. 

In den vergangenen Tagen hatte die Armee kurdische Kämpfer bereits aus zwei überwiegend von Kurden bewohnte Viertel der Großstadt Aleppo vertrieben.

International vermitteltes Abzugsabkommen

Der Vorstoß der Regierungstruppen in kurdisch kontrollierte Gebiete folgte auf ein international vermitteltes Abzugsabkommen, das am Freitag von SDF-Chef Maslum Abdi angekündigt worden war, um die Spannungen zwischen beiden Seiten zu entschärfen. Die Entscheidung zum Rückzug sei als Geste des guten Willens getroffen worden, erklärte Abdi. Sie sei Teil der Verpflichtung, eine im vergangenen Jahr geschlossene Vereinbarung umzusetzen, die die Integration der SDF in die Regierungstruppen vorsieht - nach dem Sturz des langjährigen syrischen Machthabers Baschar al-Assad im Dezember 2024.

Die SDF warfen der in Damaskus ansässigen Übergangsregierung unter Staatschef Ahmed al-Scharaa jedoch vor, die Vereinbarung zu verletzen und in Gebiete vorzurücken, die nicht Teil des Abkommens seien.

Syrische Truppen übernahmen in den vergangenen Tagen auch die Kontrolle über Maskana westlich des Euphrats Bild: Izz Aldien Alqasem/Anadolu Agency/IMAGO

USA rufen Regierungstruppen auf, die Angriffe sofort zu stoppen

Das Hauptquartier des US-Regionalkommandos (CENTCOM) für den Nahen Osten hatte die syrischen Regierungstruppen zuvor dazu aufgefordert, jegliche Angriffe in den Gebieten zwischen der Stadt Aleppo und der rund 160 Kilometer weiter östlich gelegenen Stadt Tabka einzustellen. Für den Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) sei eine koordinierte Zusammenarbeit mit den syrischen Partnern notwendig, erklärte der Chef des US-Zentralkommandos, Brad Cooper, im Onlinedienst X weiter.

Die SDF sind ein wichtiger Verbündeter der USA bei der Bekämpfung des IS. Allerdings unterstützt die Regierung in Washington unter Präsident Donald Trump auch die neue syrische Führung in Damaskus.

Am frühen Sonntagabend meldete das syrische Staatsfernsehen, die Regierung in Damaskus und die kurdisch geführten SDF-Kräfte hätten sich auf eine sofortige Waffenruhe an allen Fronten geeinigt. 

se/fab (dpa, afp, rtr, ap)

Redaktionsschluss: 17.45 Uhr (MEZ) - dieser Artikel wird nicht weiter aktualisiert

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