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KonfliktePakistan

Taliban: Steuern Islamabad und Kabul auf einen Krieg zu?

5. November 2025

Erst Verbündete, jetzt Feinde: Pakistan wirft Afghanistan vor, einem Ableger der Taliban in Pakistan (TTP) Schutz zu gewähren. Wenn die aktuellen Friedensgespräche zwischen den beiden Ländern scheitern, droht Krieg.

Afghanistan Khost 2025 | Taliban-Sicherheitskräfte an der Grenze zu Pakistan. Ein Mann in Uniform und mit Tarnkappe hält ein Maschinengewehr im Anschlag
Gewehr im Anschlag: Taliban-Soldaten überwachen die Grenze zwischen Afghanistan und PakistanBild: AFP

Am 6. November soll eine weitere Runde der Friedensgespräche zwischen Pakistan und Afghanistan in Istanbul stattfinden. Nach den schwersten Zusammenstößen zwischen den beiden Nachbarländern seit der Rückkehr der Taliban an die Macht im Jahr 2021 versuchen beide Seiten unter Vermittlung der Türkei und Katars, ein Friedensabkommen zu erzielen.

Am 9. Oktober hatte es Explosionen in der afghanischen Hauptstadt Kabul gegeben. Die Taliban machten dafür Pakistan verantwortlich. Dieser Vorfall eskalierte in der Folge zu einer tödlichen Auseinandersetzung zwischen beiden Ländern. Nach Angaben der Taliban bombardierte die pakistanische Armee mehrere Ziele, auch in Kabul.

Bis zur Vermittlung eines Waffenstillstands Mitte Oktober durch die Türkei und Katar wurden mehr als 70 Menschen getötet und Hunderte verletzt. "Alle Parteien haben der Fortsetzung der Waffenruhe zugestimmt", erklärte das türkische Außenministerium letzte Woche. Weiter hieß es, ein Überwachungsmechanismus solle eingerichtet werden, um den Frieden zu sichern und Vertragsbrüche zu ahnden.

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"Noch sind jedoch viele technische Fragen offen", sagt Omar Samad, Experte des Think-Tanks New America Foundation in Washington. Der ehemalige Diplomat war als afghanischer Botschafter in Kanada und Frankreich (2004–2011) tätig.

Für ihn stellt sich die Frage: "Wer soll die Einhaltung des Waffenstillstands überwachen: ein drittes Land oder eine internationale Organisation? Das tiefe Misstrauen zwischen Kabul und Islamabad, historische Grenzkonflikte und unterschiedliche Definitionen von Terrorismus erschweren die Gespräche zusätzlich."

Mehr islamistische Anschläge in Pakistan

Die Beziehungen zwischen den einstigen Verbündeten, die eine 2.600 Kilometer lange Grenze teilen, haben sich in den letzten Jahren deutlich verschlechtert. Islamabad wirft Kabul vor, einem Ableger der Terrorgruppe Tehrik-i-Taliban Pakistan (TTP) – in Afghanistan Schutz zu gewähren. Die Taliban-Machthaber in Kabul bestreiten das.

Seit der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan hat die Zahl mutmaßlich islamistisch motivierter Angriffe und Anschläge in Pakistan zugenommen. Um Druck auf die Taliban-Machthaber aufzubauen, führt Pakistan seit letztem Jahr grenzüberschreitende Luftangriffe auf mutmaßliche TTP-Zufluchtsorte im Osten Afghanistans durch.

Ende Dezember 2024 seien bei Angriffen mit Kampfjets und Drohnen mindestens 46 Menschen getötet worden, darunter Frauen und Kinder, sagen die Taliban.

 "Wenn die Gespräche scheitern, droht ein umfassender Krieg zwischen beiden Ländern," warnt der afghanische Politikanalyst Ahmad Saeed. Er weist gleichzeitig auf die verfahrene Lage hin.

"Die Taliban betrachten die TTP nicht als Terroristen. Sie haben dem Taliban-Führer in Afghanistan ihre Treue geschworen und verfolgen eine gemeinsame Ideologie". Die Taliban betonen dagegen, die TTP-Kämpfer seien Gegner der pakistanischen Regierung und hätten nichts mit ihnen zu tun.

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Im August 2021 hatte die politische Führung in Pakistan zunächst die Rückkehr der Taliban an die Macht in Afghanistan begrüßt. Sie sahen in den Taliban einen potenziellen strategischen Verbündeten in der Region.

Doch die Euphorie hielt nicht lange an. "Pakistan hoffte, seinen Einfluss nach der Machtergreifung der Taliban in Afghanistan geltend zu machen", sagt Ahmad Saeedi.

"Die Taliban streben nach Souveränität und Anerkennung durch andere Länder und Mächte in der Region, wie zum Beispiel Indien. Und sie werden die TTP, mit deren Männern sie gegen die Amerikaner und gegen die Republik Afghanistan gekämpft haben, nicht als Terroristen bezeichnen."

Afghanische Migranten leben in Angst

Der Druck auf die Afghanen in Pakistan hat sich unterdessen massiv erhöht. Polizeirazzien gegen von Afghanen betriebene Geschäfte und von ihnen gemietete Wohnungen haben nicht nur in den Grenzregionen, sondern auch in Islamabad und anderen Großstädten zugenommen.

"Wir leben im Versteck, unsere Familien sind zersplittert, weil wir aus Angst vor Verhaftung und Polizeigewalt nicht an einem Ort bleiben können. Unsere Geschäfte stehen still, unsere Kinder gehen nicht mehr zur Schule, und wir wissen nicht, wie es weitergehen soll", sagte ein afghanischer Migrant, der anonym bleiben möchte, Anfang der Woche gegenüber der DW.

Viele haben Angst vor realen Konsequenzen, wie etwa, dass ihre Mietverträge nicht verlängert werden oder Probleme beim Visaverfahren auftreten, das ohnehin teuer, unsicher und oft langwierig ist.

Die Grenze zwischen Afghanistan und Pakistan ist seit mehr als zwei Wochen geschlossen und wird nur zur Abschiebung afghanischer Migranten geöffnet. Laut Taliban-Behörden wurden am Wochenende 8.000 afghanische Migranten über den Grenzübergang Spin Boldak in die Provinz Kandahar abgeschoben.

Mitarbeit: Ahmad Waheed Ahmady 

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