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Taliban verbieten Schönheitssalons für Frauen

Shoaib Tanha | Shabnam von Hein
5. Juli 2023

Mit der landesweiten Schließung von Schönheitssalons für Frauen nehmen die Taliban mehr als 50.000 weiteren Frauen in Afghanistan eine der letzten Verdienstmöglichkeiten.

Afghanistan Taliban schließen Schönheitssalons
Taliban verbieten Schönheitssalons für Frauen Bild: Rahmat Gul/AP/picture alliance

Alle Kosmetik- und Friseursalons für Frauen in Afghanistan sollen schließen. Eine Begründung dafür haben die militanten Islamisten bisher nicht mitgeteilt. Am 4. Juli bestätigte der Sprecher des Ministeriums für Sitte und Tugend, Mohammad Sidik Akif Mahajar lediglich, dass das Verbot, Schönheitssalons weiterzuführen, per Dekret verkündet wurde.

Mit der Umsetzung dieser Entscheidung werden nach Angaben der Kabuler Handwerkskammer mehr als 50.000 weitere Frauen in Afghanistan arbeitslos. "Momentan sind ungefähr 12.000 Damenfriseursalons in Afghanistan in Betrieb", so Abdul Latif Salehi, Geschäftsführer der Handelskammer in Kabul, in einem Gespräch mit der DW. Diese Salons haben nun bis zum 26. Juli Zeit, ihre Abrechnungen abzuschließen, da sie ab diesem Datum nicht mehr weiterbetrieben werden dürfen. 

Für viele Frauen sind diese Schönheitssalons eine der wenigen verbliebenen Möglichkeiten, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Eine dieser Frauen ist Fatemeh. Im Gespräch mit der DW sagt sie: "Nach dem Tod meines Bruders, der bei einem Selbstmordanschlag in Kabul ums Leben kam, wurde ich zur Ernährerin meiner fünfköpfigen Familie. Ich mache mir nun große Sorgen darüber, was mit mir und meiner Familie passieren wird, wenn der Friseurladen schließt." 

Afghanistan erlebt eine der schlimmsten humanitären Katastrophen weltweit. Laut den Vereinten Nationen haben zwei Drittel der Bevölkerung nicht ausreichend zu essen. Fast eine Million Kinder leiden an akuter Unterernährung. Die Weltgemeinschaft erkennt die Herrschaft der Taliban in Afghanistan aufgrund eklatanter Verstöße gegen die Menschenrechte und Frauenrechte nicht an, was zur Beendigung  eines Großteils der internationalen Hilfe für das Land geführt hat. Ungeachtet dessen erlassen die Taliban jedoch unausgesetzt neue Verbote, die vor allem Frauen betreffen. 

Schulmädchen ab der sechsten Klasse dürfen nur religiöse Schulen besuchenBild: Ebrahim Noroozi/AP/picture alliance

Laleh, eine Friseurin aus Herat, appelliert an die Taliban, ihre Entscheidung zu überdenken. Sie sagt der DW, dass sie sich an alle Vorschriften und Regeln hält und nicht gegen die Scharia verstößt. "Ich bitte die Taliban, die Rechte der Frauen nicht noch weiter einzuschränken und ihnen das Leben nicht zur Hölle zu machen", sagt sie verzweifelt.

Das Taliban-Ministerium für Sitte und Tugend hatte letztes Jahr in einer Mitteilung alle Frauenfriseursalons dazu aufgefordert, ihre Kundinnen vor dem Auftragen von Make-up so vorzubereiten, dass sie anschließend auch beten könnten. Die Kundinnen mussten zuerst ihr Gesicht und ihre Hände mit Wasser reinigen, bevor die Friseurinnen ihnen Schminke auftragen oder ihre Haare schneiden durften.

Frauen wie Nasrin sind jetzt wütend auf die Taliban. Nasrin betreibt seit Jahren einen Schönheitssalon in Kabul. Im Gespräch mit der DW sagt sie: "Ich verstehe die Frauenfeindlichkeit der Taliban nicht. Warum sollen Frauen nicht einmal das Recht haben, sich die Haare zu schneiden? Bei Gott, wir haben es satt, unter diesen Bedingungen zu leben. Wir haben alles getan, was sie befohlen haben. Sie kassieren auch Steuern von meinem Friseurladen. Trotzdem wollen sie uns weiter blockieren." 

Nach der Machtübernahme im August 2021, die auf den überstürzten Rückzug der internationalen Truppen folgte, begannen die Taliban damit, Frauen aus der Öffentlichkeit zu verdrängen. Zuerst verschwanden Plakate und Bilder von Frauen aus dem öffentlichen Raum. Damenfriseursalons mussten ihre Vitrinen schwarz bemalen oder hinter Vorhängen verstecken. Schrittweise wurden weitere Einschränkungen verkündet. Heute dürfen Frauen nicht einmal mehr für Hilfsorganisationen arbeiten oder Universitäten und weiterführende Schulen besuchen. 

In Nasrins Friseursalon arbeiten zehn Schülerinnen und Studentinnen, denen das Recht auf Bildung entzogen wurde, berichtet sie. Wenn sie ihren Laden schließen muss, werden sie alle arbeitslos. 

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