1. Zum Inhalt springen
  2. Zur Hauptnavigation springen
  3. Zu weiteren Angeboten der DW springen

15 Jahre Haft für Terrorpläne gegen Taylor-Swift-Konzert

29. Mai 2026

Kurz vor den geplanten Konzerten in Wien verhinderten Behörden einen Terroranschlag auf Tausende Fans. Nun hat ein österreichisches Gericht zwei Islamisten zu langen Haftstrafen verurteilt.

Angeklagter wird zum Prozess um Taylor-Swift-Anschlagsplan geführt
Der Hauptangeklagte wird zum Prozess geführtBild: Roland Schlager/APA/AFP

Der Prozess um die vereitelten Anschlagspläne auf ein Konzert der US-Popsängerin Taylor Swift in Wien ist mit hohen Haftstrafen zu Ende gegangen. Das Landesgericht Wiener Neustadt verurteilte den Hauptangeklagten, einen 21-jährigen Österreicher, zu 15 Jahren Freiheitsstrafe. Die Geschworenen befanden ihn in sämtlichen Anklagepunkten für schuldig. Ein gleichaltriger Mitangeklagter wurde zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig.

Geplanter Anschlag auf Tausende Konzertbesucher

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Hauptangeklagte im August 2024 einen Anschlag auf Fans von Taylor Swift im Umfeld des Wiener Ernst-Happel-Stadions plante. Die Sängerin selbst sei nicht Ziel gewesen. Vielmehr habe der Anhänger der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) möglichst viele Konzertbesucher angreifen wollen. Nach Erkenntnissen der Ermittler erwog er dabei den Einsatz von Messern, eines Lastwagens und einer Bombe. Die Vorbereitungen zum Bau einer Schrapnellbombe seien bereits weit fortgeschritten gewesen.

Das Urteil fiel in einem Gericht in Wiener Neustadt - 50 Kilometer südlich der österreichischen HauptstadtBild: Matthias Schrader/AP Photo/picture alliance

Zu den drei Konzerten von Swift im Rahmen ihrer weltweit erfolgreichen "Eras Tour" wurden damals zwischen 170.000 und 200.000 Besucher erwartet. Nachdem österreichische Behörden mit Unterstützung ausländischer Geheimdienste, darunter US-Dienste, die Anschlagspläne aufgedeckt hatten, wurden die Auftritte kurzfristig abgesagt. Der Hauptangeklagte wurde einen Tag vor der geplanten Tat festgenommen.

Angeklagter gesteht und zeigt Reue

Vor Gericht gestand der 21-Jährige die Anschlagspläne. Als Motiv nannte er seine Sehnsucht nach Anerkennung innerhalb des IS. Treibende Kraft sei seine "Sucht nach Ruhm" gewesen, um von der Terrororganisation als Held wahrgenommen zu werden. In seinem kurzen Schlusswort zeigte er Reue: "Ich möchte noch sagen, dass es mir leidtut."

Die "Eras"-Tour der Popsängerin Taylor Swift gilt als eine der erfolgreichsten Touren überhaupt Bild: Kate Green/Getty Images

Während des Prozesses schilderte der Angeklagte zudem seine Radikalisierung. Seit 2023 habe er dem IS angehört und Anweisungen der Terrororganisation erhalten. Er berichtete auch, mehrfach versucht zu haben, eine Bombe zu bauen. Zugleich erklärte er, dass ihn bei früheren Anschlagsplänen letztlich die Angst vor dem Tod zurückschrecken ließ. Er sei damals überzeugt gewesen, "den Dschihad machen" zu müssen, habe jedoch "Angst" gehabt "zu sterben".

Internationale Anschlagsserie geplant

Besonders schwer wog für das Gericht der Vorwurf der Bildung einer Terrorzelle. Nach Überzeugung der Richter hatten die beiden Angeklagten gemeinsam mit einem dritten Österreicher, Hasan E., eine "hochgefährliche IS-Terrorzelle" gebildet. Die Gruppe plante bereits Ende 2023 eine Serie koordinierter Anschläge in Mekka, Istanbul und Dubai. Ziel sollte es sein, am 11. März 2024 zeitgleich Sicherheitskräfte oder Polizeibeamte anzugreifen.

Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft wollten die Beteiligten dadurch einen muslimischen Aufstand auslösen. Aus ihrer extremistischen Sicht seien weder Saudi-Arabien noch die Türkei oder die Vereinigten Arabischen Emirate ausreichend streng islamisch geprägt. Während der Hauptangeklagte nach Dubai reiste und dort nach eigenen Angaben zwei Messer für einen Angriff auf Sicherheitskräfte kaufte, sollte sein Mitangeklagter in Istanbul zuschlagen.

Im entscheidenden Moment gaben beide ihre Pläne jedoch auf. Anders verlief der Einsatz ihres Komplizen in Saudi-Arabien. Hasan E., der sich weiterhin dort in Haft befindet, griff vor der Al-Haram-Moschee in Mekka einen Sicherheitsbeamten mit einem Messer an, stach ihm in den Hals und verletzte vier weitere Menschen. Dafür wurden die beiden nun verurteilten Männer wegen Beihilfe zum versuchten Mord verantwortlich gemacht.

Nach seiner Rückkehr aus Dubai habe der Hauptangeklagte nach neuen Anschlagszielen gesucht und sich schließlich für das Taylor-Swift-Konzert entschieden, so die Staatsanwaltschaft.

Auch der Mitangeklagte äußerte sich am Ende des Prozesses. Die Zeit in Untersuchungshaft habe ihm geholfen, sein Leben neu zu ordnen. Er sei dafür "fast dankbar", sagte er und bat das Gericht um eine zweite Chance.

Swift dankte Sicherheitsbehörden

Die Absage der Wiener Taylor Swift-Konzerte hatte im Sommer 2024 weltweit Schlagzeilen gemacht. Obwohl viele Fans enttäuscht waren, versammelten sich zahlreiche Swift-Anhänger in der Wiener Innenstadt und feierten dort spontan. Taylor Swift selbst schwieg zunächst zwei Wochen lang zu den Ereignissen und absolvierte in dieser Zeit fünf ausverkaufte Konzerte in London.

Nach der Absage der Konzerte im Sommer 2024 feierten Tausende Fans dennoch in den Straßen WiensBild: Wolfgang Hauptmann/APA/dpa/picture alliance

Später erklärte die Sängerin auf Instagram, sie habe aus Sicherheitsgründen zunächst keine Stellungnahme abgegeben. "Der Grund für die Absagen hat in mir ein neues Gefühl der Angst ausgelöst und eine große Schuld, weil so viele Menschen geplant hatten, zu den Shows zu kommen", schrieb sie. Zugleich zeigte sie sich dankbar gegenüber den Sicherheitsbehörden: "Denn dank ihnen haben wir um Konzerte getrauert und nicht um Leben".

Extremistische Ideologien im Fokus

Die Verteidigerin des Hauptangeklagten, Anna Mair, verwies nach der Urteilsverkündung auf die gesellschaftliche Dimension des Falls. Erst einen Tag zuvor war in einem anderen Terrorprozess am Landesgericht Klagenfurt ein Islamist wegen eines tödlichen Messerangriffs in Villach zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Der Anschlag im Februar 2025 habe das Land erschüttert. "Da haben wir gesehen, was das anrichten kann", sagte Mair über extremistische Ideologien. Die Geschworenen im Wiener Neustädter Verfahren hätten zwar objektiv entschieden. "Aber natürlich ist es in den Köpfen von uns allen."

Bereits im August vergangenen Jahres war in Berlin ein zum Tatzeitpunkt 14-jähriger Syrer wegen seiner Beteiligung an den Anschlagsplänen rund um das Swift-Konzert zu einer Jugendstrafe von eineinhalb Jahren auf Bewährung verurteilt worden. Das Verfahren in Österreich bildet nun den bislang wichtigsten juristischen Abschluss der Ermittlungen gegen das Netzwerk hinter den vereitelten Anschlägen.

pgr/se (dpa, afp, rtr)

Den nächsten Abschnitt Mehr zum Thema überspringen
Den nächsten Abschnitt Top-Thema überspringen

Top-Thema

Den nächsten Abschnitt Weitere Themen überspringen