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Hantavirus: Evakuierung von Kreuzfahrtschiff "MV Hondius"

10. Mai 2026

Die "MV Hondius", auf der sich Passagiere und Crew-Mitglieder mit dem Hantavirus infiziert hatten, liegt in Teneriffas Hafen Granadilla. Urlauber und ein Teil der Besatzung werden nun schrittweise an Land gebracht.

Spanien Granadilla de Abona 2026 | Kreuzfahrtschiff "MV Hondius" im Hafengebiet
Das Kreuzfahrtschifft "MV Hondius" steuert seinen Platz in Teneriffas Hafen Granadilla de Abona an Bild: Jorge Guerrero/AFP

Eskortiert von einem Boot der Guardia Civil hat das Kreuzfahrtschiff "MV Hondius" am Sonntagmorgen den kleinen Industriehafen Granadilla de Abona im Südosten der spanischen Kanareninsel Teneriffa erreicht. Auf Drängen der örtlichen Behörden machte das Schiff nicht am Kai fest, sondern ankert davor. Laut dem spanischen Gesundheitsministerium ging medizinisches Personal - in weißen Schutzanzügen - an Bord, um eine abschließende Untersuchung bei Passagieren und Crew vorzunehmen. Zuvor hatte es geheißen, alle rund 140 verbliebenen Menschen an Bord seien nach dem tödlichen Ausbruch des Hantavirus ohne Krankheitssymptome. 

Medizinisches Personal auf dem Weg zum Kreuzfahrtschiff Bild: Hannah McKay/REUTERS

In versiegeltem Bus direkt auf das Flughafen-Rollfeld 

Anschließend begann die komplizierte Evakuierungsaktion. Gäste und ein Teil der Besatzung werden nach und nach in Gruppen von maximal fünf Personen mit kleinen Booten an Land gebracht. Bei der ersten Gruppe von Passagieren handelte es sich um spanische Staatsangehörige, 13 Passagiere und ein Crew-Mitglied. Sie trugen Schutzkleidung und Masken und wurden mit zwei Bussen der Militärischen Nothilfeeinheit UME direkt zum Rollfeld des nahegelegenen Flughafens Teneriffa Süd gebracht. Von dort startete ihre Maschine nach Madrid. In der spanischen Hauptstadt sollen sie in einem Militärkrankenhaus gemeinsam mit einem Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) unter Quarantäne gestellt werden.

Auch mit den übrigen Passagieren und weiteren Crew-Mitgliedern wird so verfahren. Erst wenn eine Maschine am Flughafen startklar ist, wird die nächste Gruppe ausgeschifft. Spaniens Gesundheitsministerin Mónica García sagte vor Journalisten, "der nächste Staat, der die Evakuierung übernehmen wird, sind die Niederlande." In niederländischen Flugzeugen würden auch Staatsbürger aus Deutschland, Belgien und Griechenland sowie ein Teil der Besatzung mitgenommen. Die meisten Menschen an Bord stammen aus EU-Ländern, Großbritannien und den USA. 

Ausschiffung wird bis Montagnachmittag dauern

Die ​gesamte Aktion soll ‌nach Angaben des spanischen Gesundheitsministeriums bis Montagnachmittag dauern. Die spanischen Behörden versicherten, alle von der "MV Hondius" Evakuierten hätten keinerlei Kontakt zur Öffentlichkeit.

Für das gesamte Hafengebiet in Teneriffa gelten strenge Sicherheitsvorschriften Bild: AP Photo/dpa/picture alliance

Der niederländische Schiffseigner und Veranstalter der Reise, Oceanwide Expeditions, teilte mit, einige Besatzungsmitglieder blieben an Bord. Sie sollen später das Kreuzfahrtschiff in die Niederlande steuern. Dort wird das Schiff dann desinfiziert.

WHO: Passagiere und Crew sind "Hochrisiko-Kontakte"

Auch wenn keiner der Menschen an Bord derzeit Symptome hat, gelten alle laut der Weltgesundheitsorganisation aufgrund der langen Inkubationszeit des Hantavirus als "Hochrisiko-Kontakte". Die WHO betonte nochmals, das Risiko für die Allgemeinbevölkerung sei aber "absolut gering". WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus schrieb in einem offenen Brief an die Einwohner Teneriffas mit Blick auf die Corona-Pandemie: "Das ist kein neues COVID."

Auf der Urlauberinsel Teneriffa hatten zuvor örtliche Behördenvertreter und andere Einheimische aus Sorge vor einer Ansteckungsgefahr massiv gegen das Anlegen des Schiffes protestiert.

WHO-Chef Tedros reiste eigens nach Granadilla, um das Vorgehen zu beaufsichtigen. Er wurde von Gesundheitsministerin García und Spaniens Innenminister Fernando Grande-Markaska begleitet.

Spaniens Gesundheitsministerin Mónica García erläutert am Samstagabend vor Journalisten in Granadilla die komplizierte Ausschiffungsaktion Bild: Andres Gutierrez/Anadolu/picture alliance

Die Weltgesundheitsorganisation hatte Spanien gebeten, die Menschen auf Teneriffa vor der Westküste Afrikas an Land gehen zu lassen. Dort gibt es eine sehr gute Gesundheitsversorgung. Die Kapverdischen Inseln, vor denen die "MV Hondius" zuvor mehrere Tage lang geankert hatte, wollten Passagiere und Crew unter Verweis auf unzureichende Betreuungsmöglichkeiten nicht aufnehmen.

WHO bestätigt bei sechs Menschen Infektion mit Andes-Hantavirus

Laut WHO wurde mittlerweile in sechs von acht Verdachtsfällen eine Infektion mit dem Andesvirus bestätigt. Es ist laut Experten der einzige Hantavirusstamm, der von Mensch zu Mensch übertragbar ist.

Drei an dem Virus Verstorbene waren auf der "MV Hondius". Es handelt sich um ein Ehepaar aus den Niederlanden und eine Deutsche. Ihr Leichnam bleibt auf der Weiterfahrt des Schiffes bis in die Niederlande an Bord.

Das Schiff war am 1. April in Ushuaia in Argentinien zu einer Atlantik-Kreuzfahrt aufgebrochen. Ein erster Passagier aus den Niederlanden starb nach Angaben von Oceanwide Expeditions am 11. April an Bord. Seine Frau ging am 24. April mit mehr als 30 weiteren Menschen auf der Insel St. Helena im Südatlantik von Bord, flog nach Johannesburg und starb dort am 26. April in einem Krankenhaus. Am 2. Mai starb auf dem Schiff eine Passagierin aus Deutschland.

Die WHO vermutet, dass sich der niederländische Passagier vor dem Einschiffen mit dem Hantavirus infiziert hatte. Nach Angaben des argentinischen Gesundheitsministeriums bereisten er und seine Ehefrau seit Ende November Argentinien, Chile und Uruguay.

se/pgr (afp, dpa, efe, rtr)

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