Faktencheck: Falschbehauptungen zum Anschlag am Bondi Beach
16. Dezember 2025
Mindestens 16 Menschen wurden getötet, als zwei bewaffnete Männer am Sonntag am berühmten Strand Bondi Beach in Sydney mit Schusswaffen das Feuer auf Passanten und Badegäste eröffneten - Australiens tödlichster Amoklauf seit fast drei Jahrzehnten, trotz strenger Waffengesetze. Mehr als 1000 Menschen hatten sich versammelt, um die erste Nacht des jüdischen Chanukka-Festes zu feiern, als der Angriff stattfand.
Kurz nach dem Vorfall ging dramatisches Filmmaterial in den Sozialen Medien viral, das zeigt, wie ein Mann in einem weißen T-Shirt mit einem schwarz gekleideten Angreifer ringt, ihn entwaffnet und seine Waffe an sich nimmt. Während des Kampfes wurde der Mann offenbar von einem weiteren Angreifer beschossen, der von einer nahegelegenen Fußgängerbrücke feuerte.
Der Angriff auf das Chanukka-Festes wurde auch von einer Welle von Falschinformationen begleitet. DW Faktencheck hat einige davon überprüft.
Falscher Name für mutigen Passanten
Behauptung: Ein viraler Beitrag auf X mit über 91.000 Aufrufen behauptet über den mutigen Passanten, der einen der Attentäter entwaffnete: "Edward Crabtree, ein 43-jähriger Vater von zwei Kindern und lokaler Obstladenbesitzer, wurde als RETTER identifiziert, nachdem er mutig einen der islamischen Terroristen am #bondibeach in Australien entwaffnet hat."
DW Faktencheck: Falsch
Australiens Innenminister Tony Burke bestätigte auf einer Pressekonferenz, dass der Mann Ahmed al Ahmed heißt - nicht Edward Crabtree. Burke lobte Ahmed sowie die Ersthelfer dafür, dass sie ihr Leben riskierten, um die Angreifer zu stoppen und den Opfern zu helfen.
"Die Polizisten, die dort gemeinsam gegen die Angreifer standen, die Ersthelfer, die gemeinsam gegen die Angreifer standen, und sogar ein Passant wie Ahmed al Ahmed, der dort stand und sein eigenes Leben gegen diese Angreifer aufs Spiel setzte", sagte Burke.
Ahmed liegt derzeit im Krankenhaus. Der Premier von New South Wales (NSW), Chris Minns, besuchte ihn und teilte ein Foto auf Facebook, wobei er den Mann als "Helden des echten Lebens" bezeichnete. "In der letzten Nacht hat sein unglaublicher Mut zweifellos unzählige Leben gerettet, als er einen Terroristen unter enormem persönlichem Risiko entwaffnete. Es war eine Ehre, gerade Zeit mit ihm zu verbringen und den Dank der Menschen in ganz NSW weiterzugeben", schrieb Minns.
Woher stammt das Gerücht, dass der Held von Bondi Beach angeblich Crabtree heißt? Es wurden sogar gefälschte Nachrichtenberichte verbreitet, die Crabtree als "Bondi-Einheimischen und IT-Experten" bezeichneten, der laut Zeugen eine mutige Tat vollbrachte und damit Dutzende Leben rettete.
Die Behauptung stammt von einer wenig bekannten Website, thedailyaus.world, die laut Domain-Daten in Reykjavik, Island, nur wenige Stunden nach dem Angriff registriert wurde. Die Website enthält nur wenige Artikel, keiner wurde vor dem 14. Dezember veröffentlicht.
Inzwischen haben australische Medien berichtet, dass Ahmed, ein 43-jähriger Obstladenbesitzer, 2006 aus Syrien nach Australien zog. Seine Eltern lobten ihn in einem Interview mit ABC News und sagten, Ahmed habe gehandelt, als dem Schützen die Munition ausging. "Er sah, dass sie starben und Menschen ihr Leben verloren, und als jener Typ (der Schütze) keine Munition mehr hatte, nahm er ihm das Gewehr ab, aber er wurde getroffen", sagte seine Mutter Mlakeh Hasn al Ahmed.
Verwechslung der Identität
Behauptung: Ein Video, das auf X kursiert, zeigt einen Mann, der sagt, sein Foto sei fälschlicherweise mit dem Anschlag am Bondi Beach in Verbindung gebracht worden. Die Aufnahme wurde mittlerweile über zwei Millionen Mal angeschaut und verbreitete sich schnell.
DW Faktencheck: Richtig
Das Foto dieses Mannes, das in den Sozialen Medien verbreitet wird, zeigt nämlich nicht den Schützen vom Bondi Beach.
Social-Media-Nutzende posteten zwei Fotos nebeneinander: Eines zeigt einen Mann in einem grünen Cricket-Shirt, das andere den angeblichen Schützen am Bondi Beach. Es wird behauptetet, dass es sich um dieselbe Person handelt - doch der Mann im Cricket-Shirt sagt, dass er nicht der Täter ist.
Eine Rückwärtssuche des Bildes zeigt, dass das Foto vom Facebook-Account eines Mannes stammt, der denselben Namen wie der Angreifer trägt. Er postete: "Das bin ich, und ich bin völlig unschuldig und habe keinerlei Verbindung zu dem, was passiert ist. Jemand verwendet mein Bild fälschlicherweise, was meine Sicherheit, meinen Ruf und mein Wohlbefinden gefährdet."
Auf seinem Facebook-Account hatte er das Foto von sich im grünen Cricket-Trikot bereits 2019 geteilt. In einem Video auf X bestätigt er, dass er zwar denselben Vor- und Nachnamen wie einer der Angreifer von Sydney hat, dass aber keinerlei Verbindung zu dem Terroranschlag besteht.
Laut Polizeibericht erlitt der 24-jährige Schütze lebensbedrohliche Verletzungen und wurde ins Krankenhaus gebracht. Es ist daher unmöglich, dass der Mann im Video der mutmaßliche Angreifer sein kann.
Der Vergleich mit anderen Fotos, die internationale Medien von dem mutmaßlichen Schützen veröffentlicht haben, bestätigt ebenfalls, dass die beiden Männer unterschiedlich aussehen.
Es gibt keine Verbindung zwischen dem Mann im X-Video und dem mutmaßlichen Schützen. Das erwähnte Facebook-Foto wurde in einen falschen Kontext gesetzt.
KI-generiertes Video taucht nach dem Angriff auf
Behauptung: Ein Video auf TikTok behauptet, die Angreifer seien vor dem Anschlag am Sonntag am Bondi Beach entlanggelaufen. Der Clip zeigt viele Menschen am Strand, darunter zwei Figuren mit Taschen. Im Beitrag heißt es: "Die Täter laufen vor dem Angriff am Strand entlang." Das Video hat mehr als 1,2 Millionen Aufrufe.
DW Faktencheck: Fake
Das Video ist eine Fälschung, genauer gesagt: Es ist KI-generiert. Das erkennt man bei näherem Hinsehen: Die dargestellten Personen am Strand sind sehr gleichmäßig platziert.
Ein weiterer Hinweis sind die Schatten: Es sind deutliche Unterschiede in Größe und Richtung zu sehen. In den ersten Frames des Videoclips scheinen die Schatten von drei Figuren in unterschiedliche Richtungen zu gehen - was in der Realität nicht möglich ist.
Auch der Hintergrund liefert Hinweise. Das Video zeigt große Bäume in regelmäßigen Abständen, darunter einen nahe der Klippe. Bei genauerem Hinsehen merkt man, dass die Baumreihe einem wiederholenden Muster folgt - das ist typisch für KI-generierte Videos.
Der Vergleich des Videos mit Originalbildernvom Bondi Beach zeigt, dass die Klippen am Strand nicht so glatt sind wie im Video dargestellt und dass es dort keine so großen Bäume gibt.
Der kurze Clip von acht Sekunden ist aus der Vogelperspektive aufgenommen - ebenfalls typisch für einige manipulativ eingesetzte KI-generierte Videos, in denen mit distanzierten Perspektiven gearbeitet wird, um keine erkennbaren Gesichter zu zeigen.
Zudem wurde das Video von einem Account gepostet, der regelmäßig KI-generierte Kurzvideos teilt. Eine Analyse mit einer KI-Erkennungssoftware stufte den Clip ebenfalls als wahrscheinlich KI-generiert oder Deepfake ein.
Aus dem Englischen adaptiert von Tetyana Klug.