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Politik

Terror in Russland: Immer wieder U-Bahn

Roman Goncharenko
3. April 2017

Die Umstände der Explosion in der U-Bahn in St. Petersburg deuten auf einen Terroranschlag hin. Eine Erfahrung, die Russland schmerzhaft kennt. Denn die Liste der Anschläge ist lang.

Eingang zu Metro-Station nach Anschlag in Sankt Petersburg
Betroffene Metro-Station in Sankt PetersburgBild: picture-alliance/Zumapress

Verwüstete U-Bahn-Waggons, Rauch, blutüberströmte Menschen. Auch wenn die Hintergründe noch unklar sind, erinnern die Bilder nach der Explosion in der U-Bahn in Sankt Petersburg am Montag mit zahlreichen Opfern an frühere Anschläge – zum Beispiel vor sieben Jahren in Moskau. 41 Menschen starben Ende März 2010 bei Explosionen in zwei U-Bahn-Zügen, die innerhalb einer Stunde geschahen. Verantwortlich waren zwei Selbstmordattentäterinnen, die im Auftrag der Islamisten aus dem russischen Nordkaukasus handelten.

Spuren nach Südrussland

Die Moskauer U-Bahn war seit Mitte der 1990er Jahre immer wieder Ziel von blutigen Anschlägen. 2004 war Moskau gleich zweimal betroffen. Zunächst riss im Februar ein Selbstmordattentäter 41 Menschen mit in den Tod, als er in einem Zug zwischen zwei Haltestellen eine Bombe zündete. Dann sprengte sich im August eine Frau vor einem U-Bahn-Eingang in die Luft und tötete acht Passanten.   

In den meisten Fällen führten die Spuren der Anschläge zu Islamisten nach Südrussland, insbesondere in die Teilrepublik Tschetschenien. Dort führte Russland in den 1990er Jahren zwei Kriege gegen Separatisten.

Angriff auf Kulturmetropole    

Die Anschläge mit besonders vielen Opfern in Russland liegen bereits einige Jahre zurück. Ende 2013 schockierte eine Terrorwelle aus drei Angriffen die südrussische Stadt Wolgograd. Bei Explosionen in Bussen und am Hauptbahnhof starben insgesamt rund 40 Menschen. Davor gab es im Januar 2011 einen an der Opferzahl vergleichbaren Anschlag am Moskauer Flughafen "Domodedowo".

Bei einem Selbstmordattentat am Bahnhof von Wolgograd am 29. Dezember 2013 kamen 14 Menschen ums Leben Bild: Vladimir Pakhomov/AFP/Getty Images

Sankt Petersburg, die Heimatstadt des russischen Präsidenten Wladimir Putin, blieb bisher verschont. Dies ist nun vorbei. Präsident Putin war sogar in der Stadt, als ein U-Bahn-Waggon explodierte.

Allerdings war Russlands Kulturmetropole und zweitgrößte Stadt des Landes durch den jüngsten großen Anschlag gegen Russland direkt betroffen. Über der ägyptischen Sinai-Halbinsel explodierte am 31. Oktober 2015 eine russische Passagiermaschine, mit der Urlauber vom Kurort Sharm el Sheikh nach Sankt Petersburg flogen. Alle 224 Menschen an Bord starben. Die Verantwortung übernahm ein Ableger der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS), gegen den Russland unter anderem in Syrien militärisch vorgeht.

Moskau nimmt Drohungen ernst

Der Einsatz in Syrien war offenbar Motivation des Mörders des russischen Botschafters in der Türkei in Dezember 2016. Der Botschafter Andrej Karlow wurde auf einer Ausstellung von einem türkischen Sicherheitsmann erschossen. 

Der IS drohte Russland bereits mit Anschlägen und Moskau nimmt diese Gefahr offenbar sehr ernst. Der Inlandsgeheimdienst FSB berichtet immer wieder über Festnahmen mutmaßlicher Extremisten und vereitelte Anschläge.

So wurden in November 2016 zehn Verdächtige mit IS-Verbindungen in Moskau und Sankt Petersburg festgenommen, die an Silvester Anschläge geplant haben sollen. Kurz davor gelang es den russischen Behörden, einen IS-Anschlag in Nischnij Nowgorod zu verhindern. Erst vor wenigen Tagen, Ende März, griffen IS-Kämpfer in Tschetschenien einen Stützpunkt der Russlandgarde an, einer erst 2016 geschaffenen Einheit der Polizei. Es starben sechs Soldaten und sechs Angreifer.     

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