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Politik

Polizei zeigt Präsenz vor Kirchen

24. Dezember 2016

Der Anschlag von Berlin bestimmt die Gedanken vieler - wohl auch beim Kirchgang am Heiligen Abend. In zahlreichen Städten hat die Polizei die Order, das Geschehen rund um die Kirchen im Blick zu behalten.

Christvesper im Dom Berlin Polizei Weihnachten
Bild: picture alliance/dpa/P.Zinken

An Heiligabend hat die Polizei in vielen deutschen Städten ihre Präsenz vor Kirchen erhöht. In Hannover, Frankfurt und anderen Großstädten erhielten die Beamten die Anweisung, das Geschehen rund um die Weihnachtsgottesdienste in den Blick zu nehmen. Am Kölner Dom sollten Polizisten an den Ein- und Ausgängen stehen.

Allerdings sind nicht in allen größeren Städten Kontrollfahrten speziell vor Kirchen angekündigt. So plante die Polizei nach eigenen Angaben in Hamburg und Sachsen neben den ohnehin üblichen Kontrollen keine zusätzlichen Einsätze.

Offenheit braucht Schutz

Hannovers Landesbischof Ralf Meister begrüßte den Polizeischutz für Weihnachtsgottesdienste in Zeiten terroristischer Bedrohungen. "Ich finde es notwendig und richtig, dass große Ansammlungen von Menschen momentan besonders geschützt werden müssen", sagte der evangelische Theologe an Heiligabend. "Die Gesellschaft hat verstanden, dass sie ihre Offenheit und Liberalität auch schützen muss."

Mit Blick auf Sorgen und Ängste der Menschen nach dem Anschlag in Berlin sagte Bischof Meister in seiner Weihnachtspredigt: "Es gibt ein unglaubliches Bedürfnis nach Geschichten von Hoffnung und Trost." Solche Erzählungen seien "überlebensnotwendig" für unsere Gesellschaft. "Und die größte Geschichte von Trost und Rettung, die unserer Kultur geschenkt wurde, ist die Weihnachtsgeschichte", sagte Meister.

Von anderen lernen

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, mahnte Respekt voreinander an "indem wir aufeinander hören und auch offen dafür sind, von anderen etwas zu lernen". Das sei "die Grundlage der Demokratie - und diese Grundlage müssen wir bewahren."

In vielen Gottesdiensten erinnerten Kirchenvertreter angesichts der jüngsten Schreckensmeldungen an die hoffnungsvolle Weihnachtsbotschaft. Der neue Limburger Bischof Georg Bätzing betonte, dass Brutalität, Gewalt und Terror kein Teil von Religion seien und im krassen Widerspruch zur Botschaft von Weihnachten stünden. Gerade in der Weihnachtszeit reagierten die Menschen besonders sensibel auf Schreckensnachrichten aus aller Welt.

Auch die Weihnachtsmesse im Kölner Dom findet unter verstärktem Polizeischutz stattBild: picture alliance/dpa/J.Carstensen

Die Bischöfin der Nordkirche, Kirsten Fehrs, rief zu gesellschaftlichem Zusammenhalt auf. "Gebt den Kindern festen Halt in unseren guten Traditionen", heißt es in ihrer Weihnachtspredigt. "Sie werden mutig und stark und aufstehen gegen Unrecht und Hass." Angst und Verunsicherung dürften nicht dominieren.

Der Mainzer Weihbischof Udo Markus Bentz forderte, alle Verantwortlichen müssten unterscheiden zwischen begründeten Ängsten der Bürger und skrupellosen Politstrategen. Gleichzeitig müssten Christen der Gewalt und auch "flotten Parolen" entschieden entgegentreten.

Margot Käßmann, Botschafterin des Reformationsjubiläums 2017 sandte in der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" eine Mahnung an Fremdenfeinde und Nationalisten: "Wer meint, hier in Europa das Christentum verteidigen zu müssen und beispielsweise bei Pegida mitmarschiert, muss sich oftmals erst sagen lassen, was das Christentum überhaupt ausmacht."

Kardinal Reinhard Marx warnte in seiner Weihnachtsbotschaft davor, sich von menschenverachtendem
Terrorismus lähmen zu lassen. Dann hätten die "Mächte des Bösen" gewonnen, sagte der Erzbischof von München und Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz bei der Christmette im Münchner Liebfrauendom: "Wir lassen nicht zu, dass unser Herz, unser Miteinander in unserer Gesellschaft vergiftet wird, zerstört wird durch Angst, Hass, Misstrauen und Unversöhnlichkeit."

haz/cr (dpa, epd)

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