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Tesla ruft in China fast drei Millionen Autos zurück

22. August 2026

Probleme mit der Notentriegelung der Türen zwingen Tesla zu einer groß angelegten Rückrufaktion in China. Die chinesischen Behörden verschärfen zugleich die Sicherheitsvorgaben für alle Elektroautos.

Tesla mit versenkbaren Türgriffen in einem Showroom
Versenkbarer Türgriff an einem Tesla-ElektroautoBild: Pedro Pardo/AFP

Tesla ruft in China rund 2,98 Millionen Elektroautos wegen möglicher Sicherheitsprobleme mit den Türgriffen zurück. Betroffen sind in China produzierte und importierte Fahrzeuge der Modelle Model 3, Model Y, Model S und Model X, wie die chinesische Marktaufsichtsbehörde mitteilte. Die Aktion soll am 25. September beginnen.

Im Mittelpunkt stehen die mechanischen Notöffner der Türen. Bei einem schweren Unfall kann die Stromversorgung eines Fahrzeugs ausfallen - dann funktionieren elektrische Türöffner möglicherweise nicht mehr. Insassen müssen die Türen in diesem Fall mechanisch entriegeln. Nach Einschätzung der chinesischen Behörden sind die dafür vorgesehenen Griffe in einigen Tesla-Modellen jedoch nicht deutlich genug zu erkennen. Das könnte die Flucht aus dem Fahrzeug erschweren oder Rettungskräfte daran hindern, von außen schnell Zugang zu bekommen.

Tesla setzt auf Warnhinweise und Software-Update

Tesla will die betroffenen Fahrzeuge mit zusätzlichen Warnhinweisen ausstatten, die auf die mechanischen Notöffner aufmerksam machen. Zudem soll ein per Funk übertragenes Software-Update dafür sorgen, dass sich die Fenster nach einem Unfall automatisch absenken.

Ein Werkstattbesuch dürfte damit für einen großen Teil der Fahrzeuge nicht nötig sein. Sam Fiorani vom Marktforschungsunternehmen AutoForecast Solutions geht deshalb davon aus, dass die Kosten der Aktion begrenzt bleiben könnten. Moderne Software-Updates aus der Ferne reduzierten Aufwand und Ausfallzeiten erheblich.

Im Falle eines Unfalls werden diese Türgriffe zur GefahrBild: Pedro Pardo/AFP

Tesla machte bündig in die Karosserie integrierte Türgriffe bei Elektroautos weltweit populär. Je nach Modell lassen sich die Türen etwa per Schlüssel, Smartphone oder berührungsempfindlicher Fläche öffnen. Das Design wurde später von zahlreichen chinesischen Elektroautoherstellern übernommen.

Gerade nach schweren Unfällen gerieten solche Systeme allerdings zunehmend in die Kritik. In China gab es mehrere Fälle, in denen Elektrofahrzeuge nach Unfällen Feuer fingen und Menschen nicht oder nur schwer aus den Wagen befreit werden konnten. Im vergangenen Jahr starb der Fahrer eines Xiaomi SU7 nach einem Unfall und Brand. Chinesischen Staatsmedien zufolge konnten Passanten die Türen nicht öffnen, um ihn aus dem Fahrzeug zu ziehen.

China verbietet versteckte Türgriffe ab 2027

China hatte bereits im Februar angekündigt, versteckte beziehungsweise versenkte Türgriffe ab 2027 zu verbieten. Damit ist das Land nach Angaben der Behörden weltweit das erste, das diese Bauweise auslaufen lässt.

Der Tesla-Rückruf ist Teil einer größeren Aktion: Insgesamt rufen neun Hersteller in China rund 4,3 Millionen Fahrzeuge wegen möglicher Probleme beim Öffnen der Türen in Notfällen zurück. Tesla stellt mit Abstand den größten Anteil. Medienberichten zufolge handelt es sich um den bislang größten Rückruf eines einzelnen Autoherstellers in China.

Hinter Tesla steht der Milliardär Elon Musk (Archivbild)Bild: Markus Schreiber/AP Photo/picture alliance

Auch mehrere chinesische Hersteller sind betroffen. Xiaomi ruft rund 390.000 Fahrzeuge zurück, Leapmotor etwa 371.000 und Xpeng rund 264.000. Auch Geely und weitere Hersteller meldeten Rückrufe an die Marktaufsicht. Bei vielen geht es ebenfalls um schwer erkennbare oder schwer bedienbare mechanische Türöffner. Für Leapmotor, Xpeng und Geely sind es nach den Behördenangaben die bislang größten Rückrufe der jeweiligen Unternehmen.

Die Regierung in Peking verschärft zugleich die Sicherheitsanforderungen für die schnell wachsende Elektroautobranche. Auf dem weltgrößten Automarkt liefern sich die Hersteller einen harten Preis- und Technologiewettbewerb. Der aktuelle Rückruf gilt deshalb auch als umfassende Sicherheitsnachrüstung bereits verkaufter Fahrzeuge vor Inkrafttreten der neuen Vorschriften.

Auch in den USA beschäftigen sich die Behörden mit dem Problem. Die Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA kündigte zuletzt an, mögliche neue Sicherheitsstandards zu prüfen, um das Risiko eingeschlossener Insassen bei einem Ausfall der Stromversorgung zu verringern. Bislang hätten die Hersteller der Behörde jedoch keinen vergleichbaren Rückruf für den US-Markt angekündigt.

Zweiter Tesla-Rückruf wegen Fahrerüberwachung

Für Tesla kommt in China noch ein weiterer großer Rückruf hinzu. Rund 2,7 Millionen Fahrzeuge sind von einem separaten Problem bei der Fahrerüberwachung betroffen.

Bei aktivierten Fahrassistenzsystemen überprüft Tesla bislang unter anderem über das Lenkraddrehmoment, ob die Person am Steuer aufmerksam bleibt. Nach Einschätzung der chinesischen Marktaufsicht reicht dieses Verfahren nicht zuverlässig aus, um festzustellen, ob der Fahrer den Blick von der Straße abwendet.

Tesla will deshalb auch hier mit einem Software-Update reagieren. Künftig soll zusätzlich die Innenraumkamera eingesetzt werden, um die Aufmerksamkeit des Fahrers zu überwachen. Ein großer Teil der Fahrzeuge dürfte sowohl von diesem Rückruf als auch von der Aktion wegen der Türöffner betroffen sein.

China ist für Tesla von besonderer Bedeutung. Das Land ist nicht nur der weltweit größte Automarkt und Teslas wichtigster Absatzmarkt außerhalb der USA. Mit seiner Fabrik in Shanghai ist China zugleich ein zentraler Produktionsstandort des US-Unternehmens.

pgr/gri (dpa, rtr, ap)

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