Warum der Hype um "Der Teufel trägt Prada 2" so groß ist
3. März 2026
Als der Trailer zum Sequel "Der Teufel trägt Prada 2" Anfang Februar veröffentlicht wurde, wussten die Fans des gut 20 Jahre alten Kultfilms zumindest über dies Bescheid: Die bekannten Charaktere sind wieder mit dabei - und scheinen kaum gealtert zu sein. Aber: Sie haben sich entwickelt. Wohin - das ist das Spannende an dem Film. Schon jetzt zeichnet sich ab: Er hat den Zeitgeist nicht nur aufgegriffen - er ist Zeitgeist. Denn der Film erzählt nicht einfach eine nostalgische Geschichte, sondern er liefert ein Update: Mode und Medien sind heute ein anderes Spielfeld als 2006.
Der Trailer sammelte innerhalb von 24 Stunden mehr als 222 Millionen Views; für die Filmproduktionsgesellschaft 20th Century Fox ein Rekord, den sie auf der Plattform "X" als "bahnbrechend" bezeichnete. Dass ein Trailer allein solch ein globales Beben auslöst, zeigt ziemlich klar: Die Modewelt ist mehr als bereit für die Rückkehr von Miranda, Andy, Emily und Nigel.
Warum die Fortsetzung genau jetzt einschlägt
Im ersten Teil von 2006 nimmt die junge Journalistin Andy einen Job als Assistentin bei der extrem anspruchsvollen Mode‑Chefredakteurin Miranda an und muss erleben, wie sehr sie die Arbeit moralisch, privat und beruflich herausfordert und verändert.
Im zweiten Teil hat sich nun vor allem die Welt, in die Miranda (Meryl Streep) als Chefin des einst wichtigsten Modemagazins "Runway" zurückkehrt, stark verändert. Die Printmedien stecken im Überlebenskampf, Influencer diktieren Trends, und Algorithmen entscheiden, wer relevant bleibt. Das Sequel greift genau diese neuen Machtverhältnisse auf. Während die Mode früher ein exklusiver Zirkel war, ist sie heute ein globaler Content‑Markt. Der heutige Laufsteg heißt Social Media, die wichtigste Währung sind Likes.
Miranda aber scheint dies nicht ganz zu verstehen. Im Trailer wirkt sie wie eine Frau, die die alte Ordnung verteidigen will - brillant, kompromisslos, vielleicht blind für den Strukturwandel. Sie kämpft in ihrer unnachahmlichen Art, einer Mischung aus Selbstüberschätzung und Ignoranz, gegen den Niedergang traditioneller Magazine. Ihre ehemalige Assistentin Emily (Emily Blunt) ist inzwischen CEO eines Luxuskonzerns und kontrolliert genau die Werbebudgets, die Mirandas Magazin zum Überleben braucht. Dass die beiden sich also in einem Machtkampf gegenüberstehen, ist ein Fest für alle, die schon im ersten Film die spritzigen Wortgefechte geliebt haben. Und natürlich kehrt Andy (Anne Hathaway) zurück - mit so viel Reife und Stil, dass Miranda sie zunächst gar nicht erkennt. Der heimliche Publikumsliebling Nigel (Stanley Tucci) bleibt das moralische Barometer.
Mehr Handlung ist aus dem Trailer nicht ersichtlich, aber die Vermutung liegt nahe, dass der neue Film einen härteren, moderneren und politischeren Ton anschlägt als der erste.
#MeToo hat die Tonlage verändert
Fast zehn Jahre nach dem Beginn der #MeToo-Bewegung hat sich das Bewusstsein für ungleiche Machtverhältnisse mehr und mehr geschärft: Für eine wachsende Zahl von Unternehmen ist Compliance, Fürsorgepflicht und Diversity ein wichtiger Bestandteil der Unternehmenskultur geworden. Wer schlecht führt, droht nicht nur Reputation zu verlieren - sondern auch gute Arbeitskräfte. 2006 konnte man Chefinnen und Chefs, die ähnlich ticken wie Miranda, noch als exzentrische Genies lesen. Heute funktioniert das nicht mehr. Seit #MeToo werden Machtmissbrauch, Grenzüberschreitungen und toxische Arbeitsverhältnisse häufiger sichtbar gemacht - und sie werden schneller sanktioniert.
Gleichzeitig stehen viele Frauen in Führungspositionen noch immer zwischen den Zuschreibungen "zu hart, weil sie als Frau keine Schwäche zeigen darf" und "zu weich, weil sie eine Frau ist". Digitale Anfeindung, Body Shaming und Hate Speech sind immer noch Realität.
Das Sequel hat die Chance, die weiblichen Figuren neu zu codieren - ganz besonders an der Figur Miranda wird es spannend zu sehen, wie weibliche Macht jenseits von 20 Jahre alten Karikaturen dargestellt wird.
Mehr als ein Nostalgie-Sequel
Dass Meryl Streep und die anderen Figuren zurück sind, macht das Sequel automatisch zum Event. Die Fans des ersten Teils dürfen sich über ein Wiedersehen mit ikonischen Schauplätzen, Looks und Dialogen freuen - und über tolle neue Figuren sowie Cameo-Auftritte aus der Fashion-Elite. Die Nostalgie-Brücke schlägt der Soundtrack: Madonnas "Vogue" wird schon im Trailer gefeatured. Aber das Sequel will mehr als nur alte Muster wiederholen. Es verspricht eine Mischung aus Fanservice und zeitgemäßer Branchensatire - und es feiert mit Miranda vor allem die Rückkehr einer der prägendsten Filmfiguren des 21. Jahrhunderts. Gleichzeitig ist es ein Blick in eine Zukunft, in der Mode, Macht und Medien neu definiert werden.