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KonflikteAsien

Grenzkonflikt zwischen Kambodscha und Thailand eskaliert

9. Dezember 2025

Die Zahl der Toten und Verletzten steigt. Beide Seiten machen sich gegenseitig für die wieder aufgeflammte Gewalt verantwortlich. Anzeichen für eine Beruhigung der Lage gibt es nicht.

Thailand Sa Kaeo 2025 | Mehrere Frauen sitzen in einem oberirdischen Bunker, der auf zwei Seiten zum Tageslicht hin offen ist - dahinter und an der linken Seite sind Sandsäcke gestapelt
Nach dem wechselseitigen Beschuss suchen Zivilisten auf thailändischer Seite Schutz in einem BunkerBild: Arnun Chonmahatrakool/THAI NEWS PIX/AFP/Getty Images

Die Kämpfe zwischen Kambodscha und Thailand an ihrer umstrittenen Grenze sind eskaliert. Das kambodschanische Verteidigungsministerium teilte mit, seit Montag seien neun Zivilisten getötet und 20 weitere schwer verletzt worden. Auch in der Nacht zu Dienstag habe der feindliche Beschuss unter anderem in der Provinz Banteay Meanchey angedauert.

Thailändischen Angaben zufolge starben seit Wochenbeginn mindestens drei Soldaten, 29 Menschen wurden verletzt. Die Armee erklärte, eigene Panzer hätten einen Gebäudekomplex beschossen, den die kambodschanische Armee als Feuerstellung und Waffenlager genutzt habe. Zudem hätten Kampfjets den zweiten Tag in Folge Luftangriffe geflogen.

Unter Berufung auf die Armee meldet das thailändische Nachrichtenportal "Khaosod" kambodschanische Angriffe mit Mörsern und Artillerie. Kambodscha baue zudem in der Provinz Trat eine Militärstellung aus, ziehe schwere Waffen zusammen und hebe Schützengräben aus.

Medien: Thailand will kambodschanisches Militär dezimieren

Der thailändische Generalstabschef Chaiyaphreuk Duangpraphat erklärte der Zeitung "Bangkok Post" zufolge, sein Land wolle mit den Angriffen das Militär des Nachbarstaates langfristig dezimieren. Das diene der Sicherheit künftiger Generationen.

Auf beiden Seiten der Grenze riefen die jeweiligen Behörden Anwohner zur Flucht auf. Wie das kambodschanische Innenministerium mitteilte, wurden mehr als 21.000 Menschen aus drei Grenzprovinzen vertrieben. Thailands Regierung sprach von mehr als 125.000 evakuierten Zivilisten, die in fast 500 Notunterkünften in mehreren Grenzprovinzen untergekommen seien.

Das Auswärtige Amt in Berlin warnte vor Reisen in das Grenzgebiet und in nahegelegene Provinzen. Touristen wird geraten, sich in die Krisenvorsorgeliste des Auswärtigen Amts einzutragen.

Die Fluchtbewegung von Zivilisten - hier auf kambodschanischer Seite - hält weiter anBild: Tang Chhin Sothy/AFP/Getty Images

Die beiden südostasiatischen Länder machten sich gegenseitig für den Beginn der neuen Zusammenstöße seit Sonntagabend verantwortlich. Sie kündigten jeweils an, bei der Verteidigung ihrer Souveränität nicht nachzugeben.

Der einflussreiche frühere kambodschanische Staatschef Hun Sen sagte, sein Land habe 24 Stunden gewartet, um einen Waffenstillstand einzuhalten, bevor es über Nacht Gegenangriffe auf thailändische Streitkräfte gestartet habe. "Kambodscha braucht Frieden, ist jedoch zum Gegenangriff gezwungen, um unser Territorium zu verteidigen", schrieb er in einem Beitrag auf Facebook.

Der Sprecher des thailändischen Verteidigungsministeriums rechtfertigte wiederum das eigene Vorgehen: "Thailand ist entschlossen, seine Souveränität und territoriale Integrität zu verteidigen, und daher müssen die notwendigen militärischen Maßnahmen ergriffen werden", sagte Konteradmiral Surasant Kongsiri.

In dieser Notunterkunft in der thailändischen Provinz Buri Ram warten Bewohner auf ein Ende der Kämpfe in der GrenzregionBild: Sarot Meksophawannakul/THAI NEWS PIX/AFP/Getty Images

Der kambodschanische Ministerpräsident Hun Manet, der Sohn von Ex-Staatschef Hun Sen, hatte am Montagabend erklärt, Thailand dürfe nicht unter dem Vorwand, seine Souveränität zurückzuerobern, militärische Gewalt gegen Zivilisten in Dörfern anwenden.

Nachwehen der Kolonialzeit

Die beiden Länder streiten seit mehr als einem Jahrhundert um Gebiete an nicht markierten Punkten entlang ihrer 817 Kilometer langen Landgrenze. Diese wurde 1907 von Frankreich kartiert, als es Kambodscha noch als Kolonie beherrschte.

Im Zentrum des Konflikts zwischen den Regierungen in Bangkok und Phnom Penh steht der antike Tempel Prasat Preah Vihear, der dem Hindu-Gott Shiva geweiht ist und der seit 2008 zum Weltkulturerbe der UNESCO gehört. Beide Länder beanspruchen das Bauwerk samt der umliegenden Fläche für sich. 2011 hatte der Internationale Gerichtshof in Den Haag Kambodschas Anrecht auf Prasat Preah Vihear bestätigt.

Im Juli hatte sich der Streit zu einem fünftägigen Grenzkonflikt ausgeweitet. Dabei wurden mindestens 48 Menschen getötet und schätzungsweise 300.000 Personen vorübergehend vertrieben. US-Präsident Donald Trump und der malaysische Ministerpräsident Anwar Ibrahim hatten eine Waffenruhe vermittelt, die im Oktober unterzeichnet wurde. Thailand hatte Mitte November die Umsetzung des Abkommens ausgesetzt, nachdem ein Soldat durch eine Landmine verstümmelt worden war.

jj/pgr (dpa, afp, rtr)

Redaktionsschluss: 17.30 Uhr (MEZ) - dieser Artikel wird nicht weiter aktualisiert.

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