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Thomas Müller gewöhnt sich an das "Dorfleben" in Vancouver

Chuck Penfold
29. August 2025

Thomas Müller lebt sich immer mehr bei den Vancouver Whitecaps in der Major League Soccer ein. Bis vor wenigen Wochen war er immer nur für den FC Bayern aktiv, nun scheint er auch eine neue Stadt und Kultur anzunehmen.

Thomas Müller führt den Ball im Trikot der Vancouver Whitecaps
Thomas Müller hat sich bis zum Ende der Saison 2026 vertraglich an die Vancouver Whitecaps gebundenBild: Tomaz Jr/Pximages/IMAGO

Nordamerika ist ein völlig anderes Sportumfeld als Europa - eine Tatsache, die auch dem neuesten Superstar des Kontinents, Thomas Müller von den Vancouver Whitecaps, nicht entgangen ist.

"Hier in Nordamerika weiß ich, dass die Playoffs viel wichtiger sind als die reguläre Saison, daher hoffen wir, dass wir genau zum richtigen Zeitpunkt in Form kommen und die Fußballfans von Vancouver noch einmal begeistern können", sagte Müller in einer Medienrunde gegenüber der DW.

Das "noch einmal" bezog sich auf das Jahr 1979, als die Whitecaps zum letzten Mal nordamerikanischer Meister wurden.

Auf dem Spielfeld hätte der frühere deutsche Fußball-Nationalspieler kaum einen besseren Start hinlegen können. Bei seinem Debüt beim 1:1-Unentschieden gegen Houston wurde Müller ein Traumtor noch wegen Abseits aberkannt. Gegen St. Louis - in seiner zweiten Partie im blau-weißen Trikot und bereits mit der Kapitänsbinde am Arm - erzielte er in der Schlussphase den Siegtreffer per Elfmeter und bescherte den Whitecaps damit einen wichtigen Sieg. 

Ein zweischneidiges Schwert

Müller räumte ein, dass er sich außerhalb des Spielfelds noch an das Leben in British Columbia gewöhnen müsse, er aber entschlossen sei, sich so schnell wie möglich zu integrieren. Das macht die Anwesenheit des ehemaligen Hamburger Verteidigers Sebastian Schönlau im Kader zu einem zweischneidigen Schwert.

Die Thomas-Müller-Trikots waren in Vancouver schnell ausverkauftBild: Ethan Cairns/M.i.S./IMAGO

Müller sei sich zwar bewusst, dass er es vermeiden müsse, in seine "Komfortzone" zu verfallen und mit seinem Landsmann Deutsch zu sprechen, gibt aber auch zu, dass "es vielleicht gut ist, meine Witze jemandem erzählen zu können, der sie versteht".

"Ich muss noch ein oder zwei Witze ins kanadische Englisch übersetzen", fügte er hinzu.

Ein halbes Jahrhundert Geschichte

Die Geschichte des Fußballs in Nordamerika ist zwar nicht mit der des FC Bayern München oder vieler anderer europäischer Vereine zu vergleichen, aber sie existiert dennoch. Die meisten Menschen außerhalb Nordamerikas haben vielleicht erst in den letzten Wochen zum ersten Mal von den Whitecaps gehört, aber es gibt sie schon seit mehr als einem halben Jahrhundert.

Die Whitecaps sind eines von nur vier Major-League-Soccer-Teams, die ihren ursprünglichen Namen seit Mitte der 1970er Jahre bis heute beibehalten haben. Die anderen sind die Seattle Sounders, die Portland Timbers und die San Jose Earthquakes.

Eine stolze Geschichte: Die Whitecaps-Mannschaft von 1979 wurde vor einem Spiel im Jahr 2019 geehrtBild: Devin Manky/Icon Sportswire/IMAGO

Rechtlich gesehen sind die Whitecaps nicht mit dem Meister der North American Soccer League (NASL) von 1979 identisch. Allerdings lässt sich der aktuelle Verein über wichtige Persönlichkeiten bis zu den 1973 gegründeten NASL Whitecaps und weiter bis zu den MLS Whitecaps zurückverfolgen.

Bobby Lenarduzzi war Präsident des Vereins, als dieser 2011 der MLS beitrat, und Carl Valentine ist heute Botschafter des Vereins. Beide waren Mitglieder der Mannschaft, die 1979 den Soccer Bowl gewann. 

Hausaufgaben gemacht

Auf die Frage, was er über die Geschichte der Whitecaps wisse, bestätigte Thomas Müller, dass er tatsächlich beide Männer getroffen und sich zu Hause in München gründlich vorbereitet habe.

"Ich habe mir eine Dokumentation über die Geschichte des Vereins angesehen. Sie war nur etwa zwanzig Minuten lang, aber ich habe etwas über die großartige Geschichte von 1979 gelernt und darüber, wie "das Dorf" die Chance genossen hat, es dem Big Apple zu zeigen [die Whitecaps besiegten Cosmos New York im Halbfinale]", erzählte Müller der DW.

Thomas Müller feierte mit dem FC Bayern alleine 13 Bundesliga-MeisterschaftenBild: Marco Bader/HMB Media/picture alliance

Der Begriff "Dorf" bezieht sich auf eine Bemerkung eines amerikanischen Fernsehreporters in der Eröffnungssequenz der Soccer Bowl-Übertragung, die von den Bürgern Vancouvers als abwertende Bemerkung über ihre Stadt aufgefasst wurde, die damals bereits rund 450.000 Einwohner hatte. 

"Ich kann Ihnen versichern, dass Vancouver ganz sicher kein Dorf ist", sagte Müller. "Vancouver ist heute eine Stadt mit einem starken internationalen Profil." Mittlerweile leben rund 660.000 Einwohner in der Stadt selbst. Rechnet man das Umland hinzu, kommt man auf über 2,6 Millionen.

"Das hier ist Kanada, nicht die USA"

Es kann daher kein Zweifel bestehen, dass Müller den Schritt zu den Whitecaps nicht blauäugig und unvorbereitet gemacht hat. Wie groß seine Identifikation mit der "neuen Heimat" bereits ist, zeigte gleich seine ersten Antwort im Video-Pressegespräch.

"Halt, halt!", rief Müller. "Kanada, das ist Kanada, nicht die USA", betonte er, nachdem ein Reporter ihn als in den Vereinigten Staaten ansässig bezeichnet hatte.

Seine Reaktion dürfte das Herz eines jeden kanadischen Fußballfans höher schlagen lassen, insbesondere in einer Zeit, in der das Land in einen ungewollten Handelskrieg mit seinem südlichen Nachbarn verwickelt ist - dessen Präsident wiederholt seine Absicht bekundete, den "Great White North" zu annektieren.

Das Ziel im Blick

Müller hofft, bald mehr zu erreichen, als nur die Herzen der Whitecaps-Fans mit Worten höher schlagen zu lassen. Als Gewinner der Fußball-Weltmeisterschaft 2014, der Champions League und 13 Bundesliga-Titeln (mehr als jeder andere Spieler) konzentriert sich Müller darauf, die wichtigste Trophäe nach Vancouver zu holen - es wäre der erste MLS Cup für den Verein.

Vorerst plant Müller, der Deutschland nach Abschluss des Vertrags mit den Vancouver Whitecaps Anfang dieses Monats sofort verlassen hatte, die bevorstehende Länderspielpause zu nutzen, um nach München zurückzukehren und weitere persönliche Gegenstände zu holen.

"Dann bin ich bereit für die letzte Etappe der Saison."

Der Text wurde aus dem englischen Original "MLS star Müller settling in to 'village' life in Vancouver" adaptiert worden.

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