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USA: Frau stirbt bei Einsatz der Einwanderungsbehörde ICE

8. Januar 2026

Nach den ICE-Schüssen in Minneapolis gibt es widersprüchliche Darstellungen über den Tod von Renee Nicole Good: Während Regierung und Präsident von Notwehr sprechen, weist die Stadt diese Version entschieden zurück.

Zahlreiche Polizisten stehen hinter Absperrungen, davor schaulustige Menschen
Absperrungen am Tatort, einem gewöhnlichen Wohnviertel in MinneapolisBild: Christian Zander/NurPhoto/picture alliance

Nach Angaben der Polizei befand sich die 37-Jährige Renee Nicole Good in ihrem Auto und blockierte eine Straße in der Großstadt Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota, als sich ein Beamter der Einwanderungsbehörde ICE zu Fuß näherte. Der Wagen setzte sich demnach in Bewegung, woraufhin mindestens zwei Schüsse fielen. Die Frau erlitt eine Kopfverletzung und wurde im Krankenhaus für tot erklärt. Ermittlungen zu dem Vorfall laufen. Laut Polizei soll es sich um eine weiße Frau handeln. Nach bisherigen Erkenntnissen deute nichts darauf hin, dass die Frau im Fokus der Behörden stand.

In einem in sozialen Medien veröffentlichten Video vom Tatort ist eine Frau zu sehen, die sich als Ehefrau des Opfers beschreibt und schluchzend in der Nähe des Fahrzeugs sitzt. Sie sagt, das Paar sei erst vor Kurzem nach Minnesota gekommen und habe ein sechsjähriges Kind.

Regierung und Präsident Trump sprechen von Notwehr

Das Heimatschutzministerium teilte auf der Plattform X mit, die Frau habe versucht, Einsatzkräfte zu überfahren. Heimatschutzministerin Kristi Noem sprach von einem "defensiven" Schusswaffeneinsatz zum Schutz der Beamten und Unbeteiligter.

Die Ermittlungen am Tatort dauern anBild: Christian Zander/NurPhoto/picture alliance

US-Präsident Donald Trump schrieb auf seiner Onlineplattform Truth Social, die Frau habe mit ihrem Fahrzeug einen ICE-Beamten angegriffen. "Die Frau, die das Auto fuhr, verhielt sich sehr auffällig, störte und leistete Widerstand", schrieb Trump und ergänzte: "Dann überfuhr sie gewaltsam, vorsätzlich und böswillig den ICE-Mitarbeiter, der offenbar in Notwehr auf sie geschossen hat."

Der Beamte habe in einer lebensbedrohlichen Situation gehandelt und befinde sich inzwischen zur Erholung im Krankenhaus. Zugleich machte Trump eine "radikale linke Gewalt- und Hass-Bewegung" für die Eskalation verantwortlich, die Sicherheitskräfte und ICE-Beamte täglich bedrohe und angreife.

Hunderte protestieren am Tatort

Die Aussagen des Präsidenten und des Heimatschutzministeriums stehen im Widerspruch zur Darstellung der Stadt Minneapolis. Der demokratische Bürgermeister Jacob Frey hatte den Einsatz scharf kritisiert und die Darstellung der Selbstverteidigung nach Sichtung von Videoaufnahmen entschieden zurückgewiesen. Er warf den Bundesbehörden zudem vor, die Lage eskaliert zu haben. Das Weißes Haus bezeichnete den Bürgermeister von Minneapolis wegen dessen Äußerungen nach der Schießerei als "Dreckskerl".

Nach dem tödlichen Vorfall kam es in Minneapolis zu Protesten am Tatort. Hunderte Menschen versammelten sich am Nachmittag (Ortszeit), skandierten Parolen gegen die ICE-Behörde und forderten den Abzug der Beamten aus der Stadt.

Hunderte Menschen kamen spontan zu Protesten am Tatort zusammenBild: Christian Zander/NurPhoto/picture alliance

Der demokratische Gouverneur des Bundesstaates Minnesota, Tim Walz, warf dem Republikaner Trump eine Regierungsführung vor, die darauf ausgelegt sei, "Angst, Schlagzeilen und Konflikt zu erzeugen". Walz rief die Bevölkerung auf, ihren Protest nach den Schüssen friedlich zu äußern, "wie ihr das immer macht". Er warnte vor chaotischen Situationen. "Wenn wir solche Dinge geschehen - und wir haben das nach dem Mord an George Floyd gesehen -, gibt es Menschen, die Chaos stiften wollen." Die Tötung des Afroamerikaners Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz im Jahr 2020 in Minneapolis hatte landesweite Demonstrationen gegen Rassismus und Polizeigewalt ausgelöst.

Umstrittener Einsatz im Kontext von Trumps Migrationspolitik

In Minneapolis läuft seit mehreren Tagen eine ICE-"Operation", an der nach Angaben des Heimatschutzministeriums mehr als 2000 Bundesbeamte beteiligt sind. Ziel der Einsätze sind demnach Ermittlungen im Zusammenhang mit mutmaßlichem Betrug, unter anderem im Umfeld der somalischen Community. US-Medien diskutieren, ob der von den Behörden genannte Einsatzgrund als Vorwand für eine politisch motivierte Verschärfung der Einwanderungspolitik dient.

Bei einer Mahnwache in der Nähe des Tatorts legen Menschen Blumen und Kerzen niederBild: Bruce Kluckhohn/AP Photo/picture alliance

US-Präsident Trump hatte bereits im Wahlkampf angekündigt, hart gegen Einwanderer ohne gültige Aufenthaltserlaubnis vorzugehen und Millionen Ausländer ohne Papiere abzuschieben. Seit seinem Amtsantritt im Januar nehmen ICE-Beamte im ganzen Land Razzien vor. Der Einsatz schwer bewaffneter, maskierter ICE-Beamter an öffentlichen Orten gegen mutmaßlich illegale Einwanderer hat eine heftig geführte Debatte in den USA ausgelöst.

pgr/se (dpa, ap, afp)

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