Tödlicher Polizeieinsatz in Bologna entsetzt Italien
21. Juli 2026
In Italien beherrscht der Tod eines Marokkaners bei einem Polizeieinsatz die Schlagzeilen. Vor allem in Bologna, wo Abderrahim Fakir am Sonntag starb, kam es zu Protesten. Im Zentrum der Universitätsstadt versammelten sich Tausende Menschen.
Im Anschluss an die zunächst friedliche Kundgebung warfen einige Teilnehmer Flaschen und Molotow-Cocktails auf Polizisten. Auch Fenstergitter von gepanzerten Einsatzfahrzeugen wurden abgerissen. Die Polizei setzte daraufhin Wasserwerfer und Tränengas ein. Nach Angaben der Rettungsdienste wurden etliche Menschen verletzt - sowohl Demonstrierende als auch Polizisten. Mindestens ein Auto ging in Flammen auf.
Erinnerungen an den Fall George Floyd
Laut italienischen Medienberichten war die Polizei am Sonntagmittag wegen eines aggressiv auftretenden Mannes gerufen worden. Beim Eintreffen der Beamten soll der 42 oder 43 Jahre alte Marokkaner gegen deren Streifenwagen geschlagen haben.
Nach dem Einsatz von Pfefferspray drückten ihn die Polizisten auf den Boden, wie auf einem Video zu sehen ist. Mehrfach rief Abderrahim Fakir: "Hilfe! Genug, genug!" Die Beamten ließen jedoch erst nach mehreren Minuten von ihm ab, als er sich schon nicht mehr bewegte. Ein Notarzt stellte dann seinen Tod fest.
Viele in Italien ziehen Vergleiche mit dem Fall des Schwarzen George Floyd. Er starb im Mai 2020 bei einem Polizeieinsatz in Minneapolis in den Vereinigten Staaten.
Gegen die beteiligten Polizisten in Bologna laufen inzwischen Vorermittlungen wegen fahrlässiger Tötung, ebenso wie gegen Sanitäter, die die Szene dem Video zufolge zunächst nur beobachtet hatten. Die rechte Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni sicherte "völlige Transparenz" bei der Aufklärung zu. Innenminister Matteo Piantedosi sprach von einer "großen Tragödie". Zugleich betonte er: "Wer sich voreilig gegen die Polizeikräfte äußert, hat weder Vertrauen in die Polizei noch in die Justiz."
Vizeregierungschef Matteo Salvini verteidigte den Polizeieinsatz. Die Beamten hätten sich "professionell verhalten", sagte der Politiker der Rechtsaußenpartei Lega. "Ich stehe immer auf der Seite der Polizei", unterstrich der frühere Innenminister.
Ein "respektvoller Mensch", "polizeibekannt"
Aufschluss erhoffen sich die Ermittler von der Obduktion der Leiche von Fakir. Zudem wurde die Bodycam eines Polizisten der Staatsanwaltschaft übergeben. Auch das Video, das von einem Nachbarn gedreht wurde, ist in deren Besitz.
Der Marokkaner lebte seit mehr als 30 Jahren in Italien und hatte gültige Papiere. Wegen verschiedener Delikte sei er allerdings polizeibekannt gewesen, teilte eine Polizeigewerkschaft mit. Die Rechtsanwältin Barbara Spinelli, die Fakir bei der Verlängerung seiner Aufenthaltserlaubnis unterstützt hatte, nannte ihn hingegen einen "freundlichen, gut ausgebildeten, respektvollen Menschen".
wa/se (dpa, afp, kna)
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