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Top-Ökonomen senken Wachstumsprognose

23. März 2016

Fünf Wirtschaftswissenschaftler schauen im Auftrag der deutschen Regierung regelmäßig in die Glaskugel. Für das laufende Jahr sehen sie mehr Risiken und weniger Wirtschaftswachstum als bisher erwartet.

Symbolbild Einkaufszentrum
Bild: picture-alliance/dpa/R. Schlesinger

Wirtschaftsweise geben Entwarnung

01:33

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Seit 1963 beschäftigt sich der Rat der Wirtschaftsweisen mit der gesamtwirtschaftlichen Lage in Deutschland. Jedes Jahr im November geben die insgesamt fünf Wissenschaftler ein Gutachten heraus - sozusagen ein aktualisierter Leitfaden der Gefahren und Chancen für die deutsche Wirtschaft.

Nun haben die fünf Weisen - auch Sachverständigenrat genannt - die Konjunkturprognose für das laufende Jahr leicht nach unten korrigiert. Das Bruttoinlandsprodukt werde nicht, wie noch im November prognostiziert, um 1,6 Prozent zulegen, sondern nur um 1,5 Prozent.

Jedes Jahr im November überreichen die Wirtschaftsweisen ihr JahresgutachtenBild: Reuters/H. Hanschke

Der Grund für die leicht verschlechterte Sicht seien Risiken für die Weltwirtschaft, erklärten die Ökonomen. Dazu gehörten die "krisenhafte Verschärfung der Wirtschaftslage" in China und anderen Schwellenländern. Außerdem stellen die Turbulenzen auf den internationalen Finanzmärkten und die "Zuspitzung geopolitischer Konflikte" Risiken dar.

"Europäische Fliehkräfte"

Mit Blick auf das britische Referendum am 23. Juni warnen die Wirtschaftsweisen vor den Folgen eines britischen Austritts aus der Europäischen Union: "Insgesamt würde durch einen 'Brexit' das Risiko eines Wiederaufflammens der Krise im Euro-Raum erhöht", heißt es in ihrem Bericht. Angesichts der großen Bedeutung Londons als Börsen- und Handelsstandort ergebe sich durch einen "Brexit" eine erhebliche Unsicherheit für die Finanzmärkte.

Die fünf Forscher befürchten zudem, dass zunehmend nationale Interessen in den Vordergrund rücken: "Die Fliehkräfte in der Europäischen Union nehmen zu." Weitere Risiken erwachsen nach Ansicht der Experten aus den Personenkontrollen an Grenzen, eine Reaktion auf den Flüchtlingszustrom. Sollten sie im Schengen-Raum für längere Zeit fortbestehen, würde nach Ansicht der Forscher der Warenverkehr innerhalb Europas behindert.

Stabiler Arbeitsmarkt

Für Deutschland gehen Ökonomen dennoch davon aus, dass sich der Aufschwung fortsetzt. Getragen werde er unter anderem von weiter steigenden Konsumausgaben der Verbraucher und von der nach wie vor "guten Lage am Arbeitsmarkt".

Trotz Flüchtlingsmigration keine massiv steigende ArbeitslosigkeitBild: picture-alliance/dpa/F. Kästle

Mit Blick auf die Flüchtlingskrise prognostizieren Forscher eine leicht zunehmende Arbeitslosigkeit in Deutschland. Bis Ende 2017 gehen sie "von etwa 250.000 zusätzlichen Arbeitslosen infolge der Flüchtlingsmigration aus". Demnach wäre fast jeder zwölfte Arbeitslose nach Einschätzung der Ökonomen ein Flüchtling.

Etwa 80.000 bis 130.000 anerkannte Flüchtlinge wären dem Gutachten zufolge 2017 erwerbstätig. Der überwiegende Teil werde aber nur geringfügig beschäftigt sein. Der Rat geht weiterhin davon aus, dass die Ausgaben für die Unterbringung und Integration hunderttausender Flüchtlinge in diesem und im nächsten Jahr ohne neue Staatsschulden gestemmt werden können.

Bankensektor unter Druck

Die Politik des billigen Geldes der Europäischen Zentralbank führt nach Ansicht der Weisen zu Risiken für die Banken. Die Experten sprechen von einer "zunehmenden Aushöhlung des Geschäftsmodells der Banken". Allerdings gehen sie davon aus, dass die Niedrigzinsphase im Euro-Raum noch länger andauern wird und die Banken damit unter Druck bleiben werden.

nm/bea (rtr, dpa, afp)

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